2. Sinfoniekonzert Penderecki und Mahlers bei „Musica pro pace“

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Generalmusikdirektor Andreas Hotz. Foto: Michael GründelGeneralmusikdirektor Andreas Hotz. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Pendereckis „Threnos“ trifft „Mahler Neun“. Zwei schwierige Werke und wahre Ungetüme werden bei „Musica pro pace“ vom Osnabrücker Symphonieorchester klanglich glänzend umgesetzt.

Ob man da nun Flugzeuge, Sirenen, umherfliegende Trümmerteile hört oder die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, ist letztlich eine individuelle Frage, die nicht gültig beantwortet werden kann. Das zweite Symphoniekonzert des Osnabrücker Symphonieorchesters , gleichzeitig „Musica pro pace“, beginnt mit Krzysztof Pendereckis „Threnos. Den Opfern von Hiroshima“. Diesem Titel dankt das Stück sicher keinen geringen Teil seiner Wirkung, und er ermöglicht erst solche Assoziationen. An sich ist das Werk ein mit 52 Streichern ungewöhnlich besetztes Stück dissonanter, experimenteller Musik, doch im Saal herrscht eine außerordentlich gespannte Ruhe. Da Intendant Ralf Waldschmidt zuvor gebeten hatte, auf Beifall zu verzichten, hält die auch nach Ende der Musik an.

Auf ein Stück, das auf eines der schrecklichsten Ereignisse des Zweiten Weltkriegs reagiert, folgt eins, das, von Waldschmidt flugs umgedeutet, den Ersten vorausahnt: Gustav Mahler s neunte Symphonie. Beides wahre Ungetüme und zusammen wahrhaftig schwere Kost für einen Sonntagmittag.

Es gibt Dirigenten (eher wenige), die bei diesem Werk die Fieberkurve enorm hochtreiben, manche lassen ruppig spielen, andere dehnen die ohnehin schon langsamen Tempi der Ecksätze bis zum Äußersten. Keiner dieser Ansätze beschreibt Andreas Hotz’ Interpretation. Er kostet die wechselnden Stimmungen intensiv aus, beachtet dabei aber, dass Mahler nicht nur Kontraste, sondern hier und da auch mal Übergänge schreibt.

Die Stärke dieser Aufführung ist weniger die Wildheit der turbulenten Mittelsätze, die bizarren, kantig-eckigen Klänge, die grellen Farben. All das wird den Hörern zwar keinesfalls vorenthalten, doch es wird, häufig zumindest, relativiert durch eine gewisse Eleganz, die Andreas Hotz und das Orchester der Musik trotz allem zugestehen. Die Stärke also ist vielmehr der Orchesterklang, sind die ruhigen Passagen, folglich also die Außensätze, und sind vor allem die plastischen, makellos schönen Soli. Die sind besonders wichtig, denn Mahler bemüht zwar einen wirklich riesigen Orchesterapparat, doch immer wieder wird der quasi kammermusikalisch eingesetzt. Und ganz gleich, ob da nun Flöte und Horn in Dialog treten oder ob Celli und Kontrafagott im tiefsten Bass grummeln, während sich die Violinen hoch im ewigen Schnee herumtreiben: Die Klangfarben gelingen dem Orchester hervorragend.

Immer wieder wird bei „Mahler Neun“ die Modernität der Partitur betont. Nicht zu Unrecht, dennoch hört man immer wieder auch, wo er herkommt – von Bruckner zum Beispiel, wie der letzte Satz an einigen Stellen zeigt. Ungewöhnlich für Bruckner wäre allerdings der ersterbende Schluss. Andreas Hotz und das Orchester erreichen auf der letzten, nur den Streichern vorbehaltenen Seite der Partitur fast den Stillstand. Am Ende schreibt Mahler pppp, man darf also wirklich fast nichts mehr hören. Und tatsächlich ist kaum der Moment auszumachen, in dem der letzte Akkord in Stille übergeht.


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