Zum Autorenbrief gegen US-Onlinehändler PEN-Präsident: „Protest kann Amazon nicht egal sein“

Schriftsteller Josef Haslinger.Foto: Gert WestdörpSchriftsteller Josef Haslinger.Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Derzeit ist der klassische Buchhandel mit einem Marktanteil von 48,6 Prozent noch klar im Vorteil gegenüber dem Onlinehandel mit 16,3 Prozent. Dennoch sieht Josef Haslinger, Präsident des PEN-Zentrums Deutschland, die Geschäftsmethoden von Amazon als Gefahr für die Struktur des deutschen Buchhandels an. Der US-Onlinehändler versuche immer wieder, den „Rahmen des Erlaubten“ bei Rabattgeschäften mit den Buchverlagen zu überschreiten, sagt der Chef der Schriftstellervereinigung im Interview.

Herr Haslinger, was hat der in Deutschland am 14. August von Autoren initiierte Protestbrief gegen die Geschäftspraktiken von Amazon im Streit mit der Verlagsgruppe Bonnier um E-Book-Rabatte bisher gebracht?

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Der E-Book-Markt in Deutschland: Das E-Book ist inzwischen bei fast allen Verlagen im Programm. Der Umsatzanteil liegt aber erst bei 3,9 Prozent, bei starkem Wachstum. 2012 waren es noch 2,4 Prozent.

Im Durchschnitt liegt der E-Book-Preis 20 Prozent unter der gedruckten Ausgabe. Das Branchenmagazin „Buchreport“ liest nach einem Preis-Vergleich unter aktuellen belletristischen Toptiteln bei einigen Verlagen einen deutlichen Hang zum Experimentieren heraus: Die Spannbreite liegt zwischen 35 Prozent Differenz (Andreas Eschenbach „Der Jesus-Deal“, Bastei Lübbe) und 10 Prozent (Paulo Coelho „Untreue“, Diogenes). Laut Aris-Umfrage im Auftrag des IT-Verbands Bitkom liest hierzulande fast jeder Vierte ab 14 Jahren (24 Prozent) elektronische Bücher. Im vergangenen Jahr waren es erst 21 Prozent. Die Vorbehalte der Nichtnutzer von E-Books sind aber offenbar nach wie vor relativ groß. Von dieser Gruppe kann sich auch in Zukunft nur ein knappes Drittel (32 Prozent) vorstellen, E-Books zu lesen (Vorjahr: 27 Prozent). Die E-Book-Nutzer wünschen sich mehr Freiheit im Umgang mit den Buch-Dateien – etwa das Lesen auf allen Geräten unabhängig vom Anbieter (54 Prozent), die Möglichkeit, E-Books wie gedruckte Bücher verleihen zu können (46 Prozent) oder das Recht, gekaufte E-Books weiterzuverkaufen (41 Prozent).

Der Anteil der E-Book-Leser ist über alle Altersklassen hinweg relativ gleich verteilt: Während 31 Prozent der 14- bis 29-Jährigen zum elektronischen Buch greifen, sind es bei den 30- bis 49-Jährigen 30 Prozent und bei den 50- bis 64-Jährigen immer noch 27 Prozent.

Gelesen werden elektronische Bücher vor allem auf Notebooks (56 Prozent) und Smartphones (44 Prozent), aber auch auf PCs (32 Prozent), Tablets (30 Prozent) zum E-Book-Reader greifen 27 Prozent.

Abseits der Kaufmöglichkeit etablieren sich langsam auch weitere Kanäle, um E-Books zu beziehen. Dazu zählen die Leihe aus Bibliotheken und das Herunterladen legaler und frei verfügbarer Bücher (jeweils 25 Prozent) sowie kommerzielle Leihangebote von Unternehmen (16 Prozent), also etwa Lese-Flatrates oder werbefinanzierte Leseangebote. Gut jeder fünfte Leser von Literatur in Digitalform (22 Prozent) gibt sogar an, mehr zu schmökern, seit er E-Books nutzt. es/dpa

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