Zum Licht mit Mitteln der Musik Freimaurer-Kantate in Osnabrück: Was kann Albert Lortzing?

Von Ralf Döring


Osnabrück. Albert Lortzings Jubel-Kantate, einst geschrieben für die Leipziger Freimaurer-Loge Minerva zu den drei Palmen, hat in Osnabrück ihre öffentliche Uraufführung erfahren. Außerdem auf dem Programm des Sinfoniekonzerts: Die zweite Sinfonie von Robert Schumann und eine Flöten-Suite von Telemann mit der Solistin Dorothee Oberlinger.

Osnabrück. Der Hammer ruft, klar, dreimal. Die Geister singen, auch klar, dreistimmig, zunächst. Sie singen im Dreier-Takt, und sie sind allesamt männlich: Willkommen in der Freimaurer-Welt. Sie zu feiern, hat Albert Lortzing eine „Jubel-Kantate“ geschrieben, ein kleines, feines Werk zum 100. Geburtstag der Leipziger Loge „Minerva zu den drei Palmen“. Ihre öffentliche Uraufführung hat die Kantate erst jetzt erfahren, gut 170 Jahre später, beim ersten Konzert des Osnabrücker Symphonieorchesters in der neuen Saison.

Natürlich steckt das Werk voller Freimaurersymbolik und -ideale. Das zu entschlüsseln hat Jens Oberheide ein Buch geschrieben („Lortzings Jubel-Kantate“, Salier Verlag); trotzdem wäre es schön gewesen, den Text im Programmheft abzudrucken. An diesem Montag singen in der Osnabrückhalle Bassist José Gallisa als „Stiftungsmeister“ und Tenor Daniel Wagner als „Lehrling“. Jan Friedrich Eggers und Daniel Moon komplettieren das Solistenquartett, hinter dem Osnabrücker Symphonieorchester stehen die Herren von Chor und Extrachor des Theaters, vorbereitet von Markus Lafleur – Freimaurerei war um 1840 eine rein männliche Angelegenheit. (Auch heute tagen Männer- und Frauenlogen sauber getrennt voneinander.)

Lortzing ist mit der Kantate ein charmantes, festliches Stück Musik gelungen, voller Männerchor-Romantik, eingängiger Melodik und der einen oder anderen berückende Modulation, mit der sich neue Dimensionen eröffnen. Zweifellos war Lorzting ein Komponist, der nicht nur sein Handwerk verstand, sondern auch über reichlich Kreativität verfügte.

Das Gegenstück zu Lortzings intimer Pracht bildet Robert Schumanns zweite Sinfonie: eine musikalische Wucht, ein halbstündiger Jubel –den aber schwere Melancholie gleichsam durchlöchert. Trotzdem überwiegt die Euphorie, und das manifestiert sich im Dirigat von Generalmusikdirektor Andreas Hotz . Der lässt seinem Osnabrücker Symphonieorchester mehr oder weniger freien Lauf, riskiert gelegentliche Klangballungen, setzt aber maximale Energien frei. Und so erreicht diese Sinfonie, bei allen Zusammenbrüchen, am Ende doch das Licht – und damit rückt Hotz den Nicht-Freimaurer Robert Schumann doch ganz nah an die Ideale, die auch Lortzing vertont hat.

Georg Friedrich Telemann da einzuordnen fällt ein bisschen schwer. Halb so wild: Dessen Suite für Blockflöte, Streicher und Basso continuo soll Freude bereiten. Blockflöten-Virtuosin Dorothee Oberlinger garantiert das durch die atemberaubenden Kapriolen, die sie mit dem viel geschmähten Instrument vollführt. Hotz leitet dazu vom Cembalo aus eine kleine Abteilung seines Orchesters, bleibt allerdings eine Frage schuldig: wie er mit der Musik des Barock umgehen möchte. Der Freude tut das keinen Abbruch; deshalb darf die Frage ruhig hintangestellt werden.