Immer ein bisschen kritisch „In diesem ehrenwerten Haus“: Udo Jürgens hat den Blues

Von Ralf Döring

Hat was zu sagen: Udo Jürgens Foto: Carola AlgeHat was zu sagen: Udo Jürgens Foto: Carola Alge

Osnabrück.Ein bisschen war Udo Jürgens auch Rocker und Revoluzzer. Trotzdem ist er immer brav geblieben, auch wenn er mal böse war - wie in seinem Schlager „In diesem ehrenwerten Haus“.

dö Osnabrück. Das Klavier-Intro könnte einen Song von Udo Lindenberg einleiten oder von den Rolling Stones. Auch die Töne, die der Mann am Klavier zum kernigen Bluesrock-Groove singt, passen: Das sind die dreckigen Bluestöne, die irgendwo zwischen den schwarzen und weißen Tasten des Klaviers liegen. Und der Mann singt mit Recht so, denn er hat den Blues: Die Hausgemeinschaft hat ihm mitgeteilt, dass er raus muss, er und seine Lebensgefährtin: Eine wilde Ehe passe nicht „in dieses ehrenwerte Haus“. Uuhuhuu!

Udo Jürgens, das war immer der Schlagersänger, der so tat, als würde er tief schürfen, der Angepasst-Unangepasste. Kurz nachdem er vom ehrenwerten Haus gesungen hatte, ging es auf den Straßen so richtig los: Brokdorf, Wackersdorf , Startbahn West. Nicht zu vergessen: Hafenstraße! Der Protest der Straßenlinken richtete sich gegen ganz ähnliche Missstände: Rassismus und Denunziantentum, Spießbürgerlichkeit, Doppelmoral. Doch Udo Jürgens war kein punkiger Straßenköder, sondern blieb immer der Schoßhund, der zwischendurch mal ein bisschen bellte, aber nie wirklich schmerzhaft zubiss. Immerhin: Er hat dem deutschen Schlager ein bisschen kritischen Geist eingehaucht.