Alles bemängeln, nichts verändern? Udo Jürgens liefert Lieder für die Konsenszone

Von Dr. Stefan Lüddemann

Im Themenpark der Bundesrepublik: Udo Jürgens. Foto: dpaIm Themenpark der Bundesrepublik: Udo Jürgens. Foto: dpa

Osnabrück. Udo Jürgens hat Zeitgeschichte geschrieben - mit seinen Liedern. Ihr Geheimnis: Sie üben Zeitkritik, ohne weh zu tun.

1965 hat er jungen Mädchen nachgeschaut ( „Siebzehn Jahr, blondes Haar“ ), 1975 die Einsamkeit der Gastarbeiter besungen („Griechischer Wein“ ), 1976 die satte Konsumgesellschaft karikiert („Aber bitte mit Sahne“ ), 1978 die Ära der jungen Alten vorweggenommen („Mit 66 Jahren“ ): Die Lieder von Udo Jürgens lesen sich wie eine Zeit- und Themengeschichte der alten Bundesrepublik.

Reinhard Mey mochte poetischer dichten, Konstantin Wecker klagender schluchzen – Udo Jürgens hat gezeigt, dass im großen Magen des Schlagers noch Platz für das Chanson ist, das wabernde Rollenkonzept des Millionensängers auch den Typus des Barden und Liedermachers umgreifen kann. Mit „Lieb Vaterland“ (1971) leistete sich Jürgens sogar ein politisches Statement – allerdings auf Stammtischniveau.

Udo Jürgens hat mit Liedern seine Zeit kommentiert, ohne Zeitgenossen wirklich wehzutun. Als Konjunkturritter der Trends zeigt er, wie man Kritik so weich verpackt, dass alle mitklatschen können. Udo gibt das gute Gefühl, das Gefühl, dass es manches zu bemängeln gibt, sich deshalb aber nicht wirklich etwas ändern muss. Seine Lieder treffen mitten ins Schwarze der uferlos breiten Konsenszone.