Angelika Klüssendorfs „April“ Kandidat für den Deutschen Buchpreis

Nominiert: Angelika Klüssendorf. Foto: dpaNominiert: Angelika Klüssendorf. Foto: dpa

Osnabrück. Am Montag, 6. Oktober, wird der „Deutsche Buchpreis“ für die beste deutschsprachige Roman-Neuerscheinung vergeben. Wir stellen täglich einen Finalisten vor. Heute: Angelika Klüssendorfs „April“.

Die Rückkehr von Romanfiguren ist en vogue. Gerade ist posthum Wolfgang Herrndorfs „Bilder deiner großen Liebe“ erschienen, in denen die Figuren aus „Tschick“ wieder da sind. Uwe Tellkamp arbeitet an einem Nachfolger von „Der Turm“, dem Buchpreissieger von 2008. Und Thomas Glavinic ließ seinen Jonas aus „Die Arbeit der Nacht“ gleich in zwei weiteren Romanen der vergangenen Jahre auftreten.

Auch April ist eine Altbekannte. Sie war „Das Mädchen“ aus Angelika Klüssendorfs Roman von 2011, der ebenfalls für die Shortlist nominiert war. Die Geschichte um das von der sadistischen Mutter misshandelte und vom trunkseligen Vater vernachlässigte namenlose Mädchen bedrückte und beeindruckte gleichzeitig durch ihren schlichten, präzisen Stil. Dieses Kunststück gelingt Klüssendorf mit „April“ ein weiteres Mal. Ihre Heldin ist inzwischen 18 und hat sich, inspiriert von Deep Purples gleichnamigem Song, selbst einen Namen gegeben. Die Jugendhilfe hat April ein Zimmer und eine Stelle als Bürohilfe im Starkstromanlagenbau vermittelt.

Äußerlich ist also für Stabilität gesorgt. Doch wie der Monat ist auch die junge Frau April launig und unbeständig. Sie strauchelt und taumelt durch ihr Leben, landet nach einem missglückten Selbstmordversuch in der Psychiatrie und wird ungewollt schwanger. Aber sie hat auch Glück. Als sie angeklagt wird, die vermeintliche Komplizin bei einem Einbruch gewesen zu sein, setzt ein Arbeitskollege sich für sie ein.

Sympathisch ist die Heldin dieses Buches nicht unbedingt. Sie stößt andere vor den Kopf, klaut und trinkt, betrügt ihren Freund, vernachlässigt ihr Kind. April, das wird ohne Psychologiestudium klar, kämpft gegen die Dämonen ihrer Vergangenheit. Halt gibt ihr vor allem die Literatur. Sie schreibt Gedichte und hofft auf ein Stipendium. Die DDR spielt dieses Mal eine größere Rolle als in „Das Mädchen“. Hätte die erste Geschichte überall spielen können, ist das Leipzig der 70er-Jahre durchaus präsent. April fühlt sich von der Künstlerszene angezogen und gibt ein Untergrundmagazin heraus. Letzteres wohl weniger aus tatsächlich politischer Überzeugung denn aus Abenteuerlust.

April, Partner Hans und Sohn Julius wird schließlich die Ausreise in den Westen genehmigt. Doch auch die Ankunft in West-Berlin ist nicht die Lösung aller Probleme. April sehnt sich sogar in die DDR zurück und versucht zur Belustigung der Grenzbeamten immer wieder in den Osten der Stadt zu kommen. Doch irgendwann und irgendwo wird sie ankommen. Mit dieser Hoffnung lässt Angelika Klüssendorf ihre Leser zurück. Denn ihre Heldin ist zäh und lebenslustig. Eine wie April lässt sich nicht unterkriegen.

Angelika Klüssendorf:„April“ .
224 Seiten. Kiepenheuer & Witsch.
18,99 Euro.


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