Vom 68er-Symbol zur Rechtsaußen-Ikone Erotik auf französisch: Brigitte Bardot wird 80 Jahre

Von Tobias Sunderdiek


Osnabrück. Sie machte den Bikini als Badeutensil populär, sorgte dafür, dass ihr Wohnort St. Tropez sich zur Jet-Set-Hochburg wandelte und wurde von der Feministin Simone de Beauvoir gar zur Ikone einer befreiten weiblichen Sexualität erkoren. Am Sonntag wird Brigitte Bardot 80, beweist aber, dass mit zunehmendem Alter nicht unbedingt die Weisheit wachsen muss.

Der Schmollmund. Die großen Lippen. Die Beine. Dazu die blonden, zur sogenannten Sauerkraut-Frisur gesteckten Haare: Als Brigitte Bardot Mitte der 50er-Jahre zum ersten Mal auf der Leinwand erschien, da wurde, Botticelli-gleich, eine neue Venus geboren: Mit Brigitte Bardot erstrahlte ein nie zuvor gesehenes erotisches Versprechen auf der Kinoleinwand. Sie galt als frei, natürlich, sexy – und wurde mit Anfang 20 mit Roger Vadims schwülem Erotikdrama „Und immer lockt das Weib“ (1956) zum Sensationserfolg.

Es war aber auch ein Film, der Moralapostel provozierte. Der „Katholische Filmdienst“ bezeichnete die Bardot etwa als „tierhaft ungebundenes Mädchen“. Und in den USA musste eine Szene zensiert werden, in der die Bardot ein Rad schob. Angeblich deshalb, weil ihr Gang „zu viel“ zeige. Plötzlich war „BB“ in aller Munde. So sehr, dass die Zeitschrift „Cinémonde“ 1958 gar behauptete, die Bardot werde in 47 Prozent aller französischen Unterhaltungen erwähnt.

Dennoch: Nur wenige ihrer Filme haben den Test der Zeit bestanden. Meistens in hübscher Unterhaltungsware besetzt, schrieb die Bardot dennoch Filmgeschichte mit Auftritten in Nouvelle-Vague-Klassikern wie Jean-Luc Godards „Die Verachtung“ (1963) als Frau eines von Michel Piccoli gespielten Drehbuchautors oder in Louis Malles Revolutionswestern „Viva Maria!“ (1965), wo sie mit Jeanne Moreau übrigens nicht nur einen Striptease vollführte, sondern auch zum Pin-up-Girl vieler Studentenprotestler wurde. Wie bei Rudi Dutschke, der „Viva Maria!“ zum Lieblingsfilm erklärte. Ihre persönlichste Rolle verkörperte Brigitte Bardot indes neben Marcello Mastroianni in Louis Malles „Privatleben“ (1962) – als ein von der Öffentlichkeit gejagter Filmstar.

Eine Erfahrung, die auch die Bardot selbst machen musste. Ihre Nervenzusammenbrüche, Selbstmordversuche, aber auch ihre Ehen, vor allem mit dem Regisseur und frühen Mentor Roger Vadim (1952–1957) und dem deutschen Playboy Gunter Sachs (1966–1969) waren fester Bestandteil der Klatschblätter. Ebenso wie ihre Affären. Etwa mit Serge Gainsbourg, mit dem sie die erste Fassung des oft zensierten Duetts von „Je t’aime … moi non plus“ aufnahm, dessen Veröffentlichung sie aber bis 1986 verhinderte. Jane Birkins Aufnahme machte den Song zum Welthit. 1973 zog sich die Bardot endgültig aus dem Filmgeschäft zurück, machte aber weiter Schlagzeilen – vor allem als radikale Tierschützerin , aber auch als Anhängerin der rechtspopulistischen „Front National“, vor allem durch Islam- und ausländerfeindliche sowie homophobe Äußerungen.

Mehrfach wurde sie deshalb gar wegen „Anstiftung zum Rassenhass“ von französischen Gerichten zu Geldstrafen verurteilt. Ein eklatanter Wandel: Vom 68er-Maskottchen und Symbol der freien Liebe zur verbitterten Rechtsaußen-Ikone – so überschattet die Privatperson Bardot immer mehr die Erinnerung an sie als Stilikone der 60er.

Um einen Filmtitel von 1956 zu zitieren: Nicht ein „Gänseblümchen“ wird hier „entblättert“, sondern leider auch ein Mythos. Schade eigentlich.