Schwaches Feelgood-Movie Nicht mehr als eine Sitcom: „Sieben verdammt lange Tage“

Von Wolfgang Mundt



Osnabrück. In „Sieben verdammt lange Tage“ reist Jude nach Hause, weil sein Vater gestorben ist. Die nun folgenden Familienprobleme bleiben banal.

Es gibt Filme, für die es sich lohnt, ins Kino zu gehen. Sie überzeugen durch visuelle Einfälle, Einstellungen vor großartigen Landschaften und urbanen Räumen, die Zustände und Emotionen bebildern. Und es gibt Filme, die im Kinosaal lediglich wie eine TV-Sitcom wirken. Ständig wird geredet, um potenzielle Sexpartner gebuhlt, kleine Probleme ausgewalzt. Solch ein Machwerk ist „Sieben verdammt lange Tage“.

Judd ( Jason Bateman ) kann seine Emotionen nicht gut seiner Umgebung kommunizieren. Erst als er seine Frau und den Arbeitgeber inflagranti erwischt, verlässt er beide. Da sein Vater gerade gestorben ist, fährt er erst einmal zurück zu seiner Verwandtschaft. Im an der amerikanischen Ostküste typischen jüdischen Mittelklasse-Elternhaus sitzt er jetzt für die traditionelle „Shiva“ sieben Tage lang um den Vater trauernd fest. In der Zeit kommen viele Familienzwistigkeiten wieder auf den Tisch und müssen ausdiskutiert werden. Alte Liebschaften werden aufgewärmt und unter dem Einfluss der Gegenwart wieder zerlegt.

Das Drehbuch stammt vom Autor der Romanvorlage, Jonathan Tropper. Der komödiantische Anteil hat seine passablen Pointen. Die vielen angerissenen Familienkonflikte bleiben banal, oberflächliches Stückwerk. Neben vielen Schauspielern aus US-Fernsehserien interpretiert Jane Fonda – die Schauspieler-Ikone aus der Zeit des Vietnamkriegs – die Rolle der Mutter, kann das dramaturgische Niveau aber nicht anheben.

Wer hier angesichts des neurotischen Verhaltens und vieler Antidepressiva an den Meister der liberal-jüdischen Filmwelt denkt, würde Woody Allens Werk beleidigen. Was in epischer Breite eines Romans vielleicht funktioniert, ist hier nur ein schwaches Feelgood-Movie von TV-Format.

Sieben verdammt lange Tage. USA 2014. R: Shawn Levy. D: Jason Bateman, Tina Fey, Jane Fonda, Adam Driver, Rose Byrne, Corey Stoll, Kathryn Hahn. 103 Min. Ab 12 Jahren. Filmpassage, Cine-star, Cinema-Arthouse


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