Debatte um Bremer Museum geht weiter Sanierung oder neuer Standort für die Weserburg?

Von Dr. Stefan Lüddemann


Bremen. Sanieren oder umziehen? Das Bremer Museum Weserburg steht am Scheideweg. Während ein Defizit drückt, soll die Eigenständigkeit gewahrt bleiben.

Bremen. Das Bremer Museum Weserburg kämpft weiter um das Überleben. Während eine vom Stiftungsrat unter seinem Vorsitzenden Dr. Klaus Sondergeld einberufene Expertenkommission Chancen für einen alternativen Standort in den Wallanlagen unweit der Kunsthalle auslotet, plädiert Museumsdirektor Peter Friese weiter entschieden für den angestammten Platz am Teerhof. Das Problem: Das alte Speichergebäude auf der Weserinsel muss teuer saniert werden. Zudem drückt jährlich ein Defizit von 350000 Euro in den Betriebskosten. Nach Angaben von Klaus Sondergeld sind die Aufwendungen für Personal und Ausstellungen zurückgefahren worden. Dennoch droht der Kollaps. „Bis 2018 brauchen wir eine Lösung“, so Sondergeld auf Anfrage.

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Aber verliert die Weserburg im Zuge ihrer Sanierung auch die programmatische Eigenständigkeit? Genau das vermutet Peter Friese. Die Weserburg sei 1991 als Europas erstes Sammlermuseum gestartet. Diese Identität gelte es zu bewahren. „Die Weserburg fährt ein eigenes Konzept“, betont Friese. Seine Befürchtung: Bei einem Umzug an die Wallanlagen könnte das Haus zu einer Unterabteilung der Kunsthalle werden mit einem Chefkurator statt einem Direktor an der Spitze. Während sich die Diskussion von Kulturpolitikern und Museumsleuten zuspitzt, feilt Friese an einem Programm, das zeigen soll, wie unersetzlich die Weserburg ist. „Wir binden neue Sammler an das Haus“, verweist Friese auf Sammler wie Dominic und Cordula Sohst-Brennenstuhl sowie Rik Reinking , die mit eigenen Räumen im Museum präsent sein sollen.

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Friese will nach eigenen Worten einen neuen Standort nur akzeptieren, wenn die Weserburg eigenständig bleibt und über ausreichend Platz verfügen kann. So habe er angeboten, die Ausstellungsfläche am Teerhof von 5000 auf 3500 Quadratmeter zu reduzieren, um eine Teilvermietung und damit weitere Erlöse zu ermöglichen.

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Nach den Worten von Klaus Sondergeld bleibt hingegen eine Deckungslücke. Rund sechs Millionen Euro könnte die Weserburg aus früheren Bilderverkäufen aufwenden, um die Sanierung zu stemmen, mit drei Millionen wäre die Stadt gefordert. Aber sollte dieses Geld nicht besser in einen Neubau investiert werden? Sondergeld plädiert dafür, an einem Standort nahe der Kunsthalle Betriebsabläufe der Häuser zu synchronisieren und so Geld zu sparen. Er bevorzuge keinen der Standorte. Sondergeld: „Ich favorisiere eine Lösung, die dem Museum das Überleben ermöglicht.“ Die Kulturdeputation der Bürgerschaft berät das Thema Weserburg am 9. Dezember.