Zwei Höhepunkte zum Auftakt Morgenland Festival mit orientalischen Klängen gestartet

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Mehr als 2000 Besucher lockte die Morgenland All Star Band auf den Osnabrücker Rathausplatz. Foto: Thomas OsterfeldMehr als 2000 Besucher lockte die Morgenland All Star Band auf den Osnabrücker Rathausplatz. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Zwei Höhepunkte zum Auftakt: Das Jubiläumsprogramm zum zehnjährigen Bestehen des Morgenland Festivals Osnabrück startete brisant. Knapp 700 Besucher ließen sich beim Eröffnungskonzert in St. Marien von der musikalischen Verschmelzung des Ostens mit dem Westen begeistern. Die Darbietungen der Morgenland All Star Band am folgenden Abend lockten laut Schätzung der Veranstalter mehr als 2000 Zuschauer auf den Platz vor dem Rathaus.

Niederländer, Dänen und Briten stehen neben Deutschen, Türken und Irakern, lauschen gebannt den Klängen, die aus den Boxen schallen, und fangen trotz strömenden Regens an zu tanzen. Das Morgenland Festival übt eine starke Anziehungskraft aus. Zum Teil reisen Besucher von weit her an, um diese einmalige Verknüpfung musikalischen Talents aus Ost und West miterleben zu dürfen. Denn wenn ein Ensemble den Namen All Star Band verdient, dann ist es die des Morgenland Festivals.

Beim Eröffnungskonzert in der Marienkirche hatte das Morgenland Chamber Orchester, in dem Musiker aus Syrien, Iran, Irak, der Türkei, Aserbaidschan, Armenien und Deutschland unter der Leitung von Naci Özgüc musizieren, das tönende Fundament für einige Künstler der All Stars gebildet: Sängerin Dima Orsho und Klarinettist Kinan Azmeh, beide gebürtige Syrer, traten in einen lebendigen Dialog, Perkussionist Rony Barrak aus dem Libanon faszinierte mit einem seiner mitreißenden Perkussionsfeuerwerke auf der arabischen Bechertrommel Darbouka.

Derweil hätte man hören können, wie die sprichwörtliche Stecknadel fällt, als Manfred Leuchter seinem Akkordeon unerhört leise, hohe Töne entlockte – und wie Azmeh diese Töne gefühlvoll aufnahm und in ein herrliches Solo überführte. Zuvor hatte eine Premiere für begeisterte Reaktionen im Publikum gesorgt: Obwohl sich der aserbaidschanische Mugam-Musiker Alim Qasimov und der iranische Kamancheh-Virtuose Kayhan Kalhor schon seit einigen Jahren kennen, musizierten sie erstmals gemeinsam. Qasimovs Gesang, die einfühlsamen Saitenklänge der Kamancheh, begleitet von den Rhythmen der Rahmentrommel Daf, erzeugten eine faszinierende Fusion. Zusammen mit seiner Tochter Fargana und zwei Begleitmusikern präsentierte der Sänger danach das Mugam „Bayati Shiraz“ – eine mündlich überlieferte Musiktradition, in diesem Fall ein ausgiebiges Gedicht über die Höhen und Tiefen, die man in einer Liebesbeziehung erfährt.

Was kommt dabei heraus, wenn Musiker aus der ganzen Welt zusammenkommen, um innerhalb von zwei Tagen ein Programm zusammenzustellen, das sie dann im Rahmen eines Open Airs darbieten? Diese Frage stellen sich die Liebhaber des Festivals jedes Mal vor einem Konzert der Morgenland All Star Band. Und sie wurden bisher nie enttäuscht. So auch jetzt. Es ist energetischer Jazz, der mal mehr, mal weniger mit Folk aus dem Nahen Osten verquickt wird. Sogar die Ney, eine orientalische Längsflöte, hört sich, virtuos gespielt von Moslem Rahal, wie eine jazzige Traversflöte an. Ob der aserbaidschanische Pianist Salman Gambarov, der deutsche Trompeter Frederik Köster, der türkische Violinist Ziya Güçkan, das Zusammenspiel funktioniert prächtig und mit Soli zeigen alle, zu welch erstaunlichen Leistungen sie fähig sind. Etwa in der Jazzballade „November Day“ vom Bassisten Andreas Müller aus Osnabrück.

In diesem Jahr gibt es mit Michel Godard und Manfred Leuchter zwei interessante Neuzugänge – und einen Tausch am Schlagzeug: Jonas Burgwinkel trommelt anstelle von Bodek Janke, der im vergangenen Jahr in Hannover für die Rhythmen zuständig war. Michel Godard beweist, dass man mit einer Tuba oder einer Serpent, einem historischen Blasinstrument in Schlangenform, bunt schillernde Soli spielen kann. Als die Band „Arabesk“ spielt, eine flirrende Komposition von Akkordeonist Manfred Leuchter, die ihrem Namen alle Ehre macht, fängt es dann leider an zu regnen. Während Godards träumerischen „Trace Of Grace“ werden Regenschirme aufgespannt, ein Teil des Publikums sucht unter den Arkaden der Bibliothek Schutz, einige greifen zu den von Helfern angebotenen Regenumhängen aus Plastik. Kaum einer verlässt den Platz, denn viele haben auf ihn gewartet: Ibrahim Keivo. Seine Lieder aus dem alten Syrien sind so stimmungsvoll, dass dazu einfach getanzt werden muss. Obwohl er den Song „Nareen“ nachdenklich einleitet, indem er ihn den unterdrückten, vertriebenen und von den Terrorkommandos des IS ermordeten Menschen jesidischen Glaubens widmet, herrscht bald Partystimmung auf dem Platz, und man zelebriert den Regentanz.


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