„In Zeiten des abnehmenden Lichts“ Langeweile mit Ruge-Roman im Theater Osnabrück

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Osnabrück. Eine eigene Osnabrücker Bühnenfassung von Eugen Ruges DDR-Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ hatte im Theater am Domhof Premiere. Das Publikum war angetan, doch wer den Roman gelesen hat, den ließen die brav am Text entlang inszenierten „Best-Of“-Häppchen unbefriedigt – ein Problem vieler Roman-Dramatisierungen.

Bühnenadaptionen von Romanen bevölkern in der neuen Spielzeit scharenweise die Spielpläne. So startet auch das Osnabrücker Theater mit einer eigenen Version seine Saison im Großen Haus – und gedenkt im Schulterschluss mit Heiner Müllers „Leben Gundlings“ vor einer Woche im Emma-Theater 25 Jahren Mauerfall. Doch das eigentlich mit Bedacht geschnürte Auftaktbündel überzeugt nicht wirklich. Übertraf die Müller-Inszenierung von Pedro Martins Beja den DDR-Geschichtsanalytiker Müller noch an Abstraktion, verliert sich Gustav Ruebs Lesart von Ruges Familienroman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ in einer nacherzählenden Zusammenfassung von über 400 Buchseiten – und langweilt. Gustav Rueb geht in die Falle vieler Romanadaptionen fürs Theater: Er bebildert voller Ehrfurcht vor dem Autor getreulich zentrale Szenen des Buches. Doch was die erzählerische Kraft und Faszination des Romans ausmacht, bleibt weitgehend auf der Strecke.

Nun mögen manche Theatergänger zufrieden sein, wenn ein Regisseur ganz ohne gern so genannte „Regiemätzchen“ einfach nur zeigt, was sich in einer literarischen Vorlage abspielt. Doch für ein spontanes Verständnis ohne vorherige Textlektüre sind die vielen Zeitsprünge vorwärts und rückwärts ziemlich verwirrend. Wer wiederum den Roman gelesen hat, den lassen die „Best of“-Häppchen unbefriedigt, die oft aus dem Zusammenhang gerissen wirken. Zumal es den Schauspielern nicht wirklich gelingt, ein Gegenfeuer zu entfachen. Besonders Orlando Klaus in zentraler Rolle mit seinen großen Partien verleiht seinem Alexander „Sascha“ Umnitzer nicht die Facetten eines vielschichtigen Charakters wie im Roman. Doch das Premierenpublikum schien einverstanden zu sein mit Regie und Schauspielensemble und spendete lang und reichlich Applaus.

Weitere Aufführungen: 25 .u. 27. September, 3. Oktober. Kartentel. 0541-7600076


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