Fotografien vom Leben der Christen im Irak Morgenland-Festival zeigt Fotos von Andy Spyra

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Der Fotojournalist Andy Spyra zeigt seine Bilder aus dem Irak in der Marienkirche in Osnabrück. Foto: Michael GründelDer Fotojournalist Andy Spyra zeigt seine Bilder aus dem Irak in der Marienkirche in Osnabrück. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Erschütternd aktuell sind die Bilder des Fotografien von Andy Spyra , die im Rahmen des Morgenland Festivals in der Osnabrücker Kirche St. Marien gezeigt werden. Spyra dokumentiert unter dem Titel „Das Auge gegen das Vergessen“ das Leben von Christen im Norden des Irak – das heute nicht mehr stattfindet, weil das Gebiet von der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ besetzt wurde.

Ein Porträt. Man schaut in das beschattete Gesicht eines jungen Mannes. Im harten Schwarz-Weiß-Kontrast sieht man jede Falte, jeden Bartstoppel. Das Auge erscheint merkwürdig leer. „Das ist Salam aus der Stadt Karaqosh, der mir zum Freund wurde. Er hat bei einem Bombenanschlag einen Splitter ins Auge bekommen“, erzählt Spyra und drückt damit aus, worum es ihm geht.

Er zeigt nicht sensationslüstern brennende Städte und explodierende Granaten in den Krisenherden dieser Welt, sondern den Alltag religiöser Menschen in Konfliktgebieten und somit die Tragik des Krieges in der zweiten Reihe.

2011 reiste er zum ersten Mal in das Gebiet im Norden des Irak. Damals bildeten die Städte Karakosh und Alqosh in der Ninive-Ebene nördlich von Mossul eine Hochburg christlichen Lebens. „Vor dem Sturz Saddams gab es noch über eine Million arabische Christen im Irak“, sagt Spyra. Es gab keine Konflikte. Häufig wurden, so weiß es der Fotograf, Muslime in den Gotteshäusern der Christen angetroffen. Doch dann begann ihr Auszug. Viele gingen in den Norden. Dort sollen 2012 immerhin noch 300000 Christen gelebt haben. „Jetzt sind sie alle weg“, so Spyra. Die Region wurde von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) besetzt, die Städte überfallen, die Menschen, die sich nicht zum muslimischen Glauben bekannten, wurden vertrieben. „Wer konnte, ist ausgewandert. Andere flüchteten in Auffanglager“, beschreibt der Fotograf die fatale Lage.

Mit seinen eindrucksvollen, kontrastreichen Schwarz-Weiß-Fotografien dokumentiert der Dortmunder die Situation vor dem „Exodus“. So lautet der Titel eines Fotobuchs, das anlässlich einer umfassenden Ausstellung im Osthaus Museum Hagen erschienen ist. Für das Morgenland Festival hat Spyra die ausdrucksstärksten Aufnahmen der Serie ausgesucht, die jetzt im Kreuzgang der Marienkirche zu sehen sind.

Da sieht man die christlichen Milizen, die an Straßensperren vor der Stadt Karakosh Kontrollen durchführten – offenbar vergeblich, denn schon bald mussten sie vor der Übermacht der IS-Terrormiliz weichen. Oder er fotografierte die Hand eines Betenden in der Nische eines christlichen Klosters in der Ninive-Ebene. Die geschnitzte Holzvertäfelung dient als Halt, als Symbol des Trostes. Von großer symbolischer Wirkung sind die Aufnahmen des Friedhofs von Alqosh, das Foto von einer Beerdigung oder das Porträt eines Kämpfers, der eine Kalaschnikow hält, derweil sein Oberarm mit dem Kopf Jesu tätowiert ist. Andy Spyra fotografiert auf Augenhöhe mit den Personen vor seinem Objektiv. Er inszeniert nicht, arbeitet aus dem Augenblick heraus. Man spürt, dass er den Menschen, die Opfer eines sinnlosen Kampfes der Religionen geworden sind, mit Respekt begegnet.

Osnabrück, St. Marien: Morgenland Festival „Das Auge gegen das Vergessen“. Fotografien von Andy Spyra. Bis 30. September.


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