Bilder aus einer fremden Welt Düsseldorf zeigt Slevogt und Klee als Ägyptenreisende

Von Dr. Stefan Lüddemann


Düsseldorf. Mit dem Tropenhelm am Nil: Düsseldorf zeigt die Maler Max Slevogt und Paul Klee als Ägyptenreise - eine spannende Zeitreise in Bildern.

Düsseldorf. Satte Kunstkulinarik? Keine Spur. Düsseldorf lässt den Clash of cultures scheppern. Die Kunstsammlung NRW konfrontiert mit Max Slevogt und Paul Klee nicht nur zwei Ägyptenreisende der Moderne, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Die Kuratoren inszenieren gleich gegenüber der Malereischau zudem noch den ägyptischen Künstler Wael Shawky, der in Filmen mit skurrilen Marionetten die Geschichte der Kreuzzüge aus arabischer Sicht inszeniert. Während Documenta-Künstler Shawky seine Figuren durch sinnlos grausame Massaker taumeln lässt, zeigen historische Fotos Max Slevogt 1914 als Maler mit Tropenhelm. Ein schriller Kontrast.

1914 reist Max Slevogt mit großem Gepäck von Alexandria den Nil aufwärts bis Assuan. Helfer besorgen Modelle, stellen die Staffelei auf, halten schützende Sonnenschirme. Slevogt malt drauflos – und wirkt im weißen Anzug unfreiwillig wie ein Kolonialherr. Paul Klee absolviert 1928/29 die gleiche Route. Aber er reist allein, übersetzt Eindrücke der fremden Pyramiden- und Hieroglyphenkultur erst Jahre später in die Liniensprache seiner abstrakten Bilder. Nähe und Distanz: Slevogt und Klee interpretieren den Kulturkontakt denkbar unterschiedlich.

Mit Bildern wie „Versandete Siedlung“ oder „Polyphone Strömungen“ betont Klee den Rätselcharakter der fremden Kultur. Slevogt hingegen macht aus „Negerjungen“ oder „Seeräubern“ Genrebilder eines zwar blendend gemalten, heute aber befremdenden Exotismus. IrakKrieg, islamistischer Terror, Konflikte voller Schärfe sorgen heute für andere Bilder von Ländern, die vor hundert Jahren wie Verheißungen wirkten, jetzt aber eher mit Gefühlen der Bedrohung assoziiert werden.

Diese Wende geht auch an der Ausstellungsgeschichte nicht spurlos vorüber. Eine unbeschwerte „Tunisreise“ wie die von August Macke, Klee und Louis Moilliet aus dem April 1914 kann heute nicht mehr so schwerelos inszeniert werden, wie dies Anfang der Achtzigerjahre in Münster und Bonn der Fall war. Mit ihren heiteren Aquarellen avancierten vor allem Klee und Macke für das breite Kunstpublikum zu beliebten Stimmungsaufhellern.

Drei Jahrzehnte verkneift sich Düsseldorf die unkritische Neuauflage. Die Kunstsammlung konfrontiert Klee und Slevogt mit dem 1971 geborenen Ägypter Wael Shawky und hinterlegt die Kunst der klassischen Moderne so mit einer kritisch gemeinten Perspektivenverschiebung. Das rettet das ganze Unternehmen für die postkoloniale Gegenwart. Vor den Augen des Publikums, das durch eine Glasscheibe zusehen darf, produziert Shawky einen neuen Marionettenfilm, der Anfang Dezember uraufgeführt werden soll. Shawky zeigt den anderen Kulturkontakt - jenen der Kriege.

Wer seine Filme gesehen hat, schaut auch anders auf die deutschen Maler. Insbesondere Slevogts fabelhaft anzusehenden Gemälde erscheinen in der Rückschau als ein einziges Missverständnis. Von der Nilromantik hat Klee nur Chiffren übrig gelassen – als hätte er geahnt, dass jeder Kulturkontakt nur als Übersetzung zu haben ist. Und die verwirklicht sich meist als produktive Fehldeutung.

Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen: Nach Ägypten! Die Reisen von Max Slevogt und Paul Klee. Wael Shawky: Cabaret Crusades. Bis 4. Januar 2015. Di.–Fr. 10–18 Uhr, Sa., So.

11–18 Uhr.