Stimmungsvolle Bilder: Verdi-Oper in Halle Aida in neuem Licht


Halle. Giuseppe Verdis Aida erlebte in Halle ihre Premiere im Gerry Weber Stadion. Der Clou in Paolo Miccichès Inszenierung sind drei große Videoleinwände, auf die sich viele bunte Bilder projizieren lassen.

Zwei nackte Mädchen schwimmen, seitlich zu sehen, über eine Leinwand. Ein James-Bond-Vorspann? Nein, der Soundtrack ist doch irgendwie anders. Es geht um Giuseppe Verdis Oper Aida im Gerry Weber Stadion .

Paolo Miccichè lässt in seiner Inszenierung drei große, bis zur Decke aufragende Leinwände mit bunten Bildern bestrahlen. Kulissen gibt es ansonsten keine, und auch die Bilder auf den Leinwänden sollen die nicht ersetzen. Sie werden, der Ankündigung eines „symbiotischen Gesamtkunstwerkes“ zum Trotz, in die Inszenierung nicht wirklich mit einbezogen, sondern sorgen lediglich im Hintergrund für ägyptisches Kolorit: Hieroglyphen, Pyramiden, Tempel, Säulen, Palmen, Sand und so fort. Das Ganze nähert sich schon ein wenig dem Kino an, allerdings sind die Projektionen größtenteils nicht oder nur wenig bewegt.

Und obwohl das Verfahren groß als „The New Way“ angepriesen wird, ist es so spektakulär in Zeiten des 3-D-Kinos letztlich nicht. Es ist deswegen ja noch nicht schlecht: Stimmungsvoll sind die Bilder allemal und auch nicht zu aufdringlich, obwohl sie wesentlich häufiger wechseln als ein normales Bühnenbild.

Paolo Miccichès Inszenierung hatte in Halle am Samstag Premiere und wird nun bis zum kommenden März als Wanderproduktion durch elf weitere deutsche und österreichische Städte ziehen. Die Hauptsache in dieser Inszenierung sind die Bilder auf der Leinwand, und Paolo Miccichè wird nicht nur als Regisseur, sondern auch als „Visualkünstler“ tituliert.

Was auf der Bühne passiert, kann man denn auch getrost vernachlässigen, eine Regie wird kaum erkennbar: Man steht in opulenter, in Mailand geschneiderter Kostümierung (Alberto Spiazzi) herum und singt. Viel mehr ist auf den schmalen Stegen, die als Bühne rings um das Orchester herum aufgebaut sind, ohnehin nicht möglich, und man bewundert die Tänzer des Swiss Festival Ballett (Choreografie: Petr Jirsa) schon allein dafür, dass sie auf diesem engen Raum überhaupt einige Tanzeinlagen zuwege bringen.

In diesen Ballettszenen darf auch das Philharmonische Orchester Bielefeld unter Roman Brogli-Sacher glänzen. Sind die Sänger oder der Chor mit dabei, ist das Orchester hingegen reine Nebensache.

Die Produktion wird verstärkt, und auch wenn man sich daran – und an den üppigen Hall im Gerry Weber Stadion – schnell gewöhnt, sind doch die Sänger in der Abmischung klar bevorzugt. Deren Leistung einzuschätzen wird dadurch etwas problematisch.

Fest steht: Musikalisch schaltet die Produktion nach der Pause und jenseits aller Triumphmärsche gleich mehrere Gänge hoch. Karah Son entpuppt sich mit einer anrührenden Arie „O Patria mia“ und anderen lyrischen Nummern als tolle Aida, später auch in den Szenen mit Amfortas, Amneris und Radames, in denen die Fieberkurve gehörig ansteigt.

Aida muss eben beides können, lyrisch und dramatisch, und Karah Son gelingt das ziemlich gut. Ihre Rivalin Amneris ist dagegen überwiegend auf Dramatik gepolt, und dafür ist Sanja Anastasia, mit Volumen und großem Vibrato, genau richtig besetzt. Dmitry Golovin muss als Radames, Objekt der Begierde beider Frauen, seiner grundsätzlich eher weichen als strahlenden Tenorstimme, die gar nicht so sehr nach russischer Schule klingt, einiges abverlangen. Er meistert diese Aufgabe jedoch gut, sodass zusammen mit dem Bariton Antonio Yang als Amonasro die wichtigen Stimmen dieser zweiten Hälfte ein überzeugendes Ensemble bilden, das mit Feuer dabei ist.

So dramatisch sich die Situation auch zuspitzt: Verdis Aida endet mit zarten Klängen. Radames und Aida sind alleine eingemauert im Grab und erwarten den Tod.

Und ein letztes Mal berührt Karah Son mit ihrer klaren Stimme.