Hoffnungslos überfrachtet Kinofilm „Lügen und andere Wahrheiten“

Von Vera Geisler

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Osnabrück. Notlügen, Halbwahrheiten und Täuschungen sowie vielerlei Variationen von Wahrheit bestimmen das Geschehen dieses prominent besetzten, deutschen Ensemblefilms: Sei es aus Angst oder Bequemlichkeit – gelogen wird, dass sich die Balken biegen.

Osnabrück. Der wertbefreiten, hedonistischen Gesellschaft einen Spiegel hingehalten: In dem herben deutschen Gesellschaftsdrama „Lügen und andere Wahrheiten“ treibt Regisseurin Vanessa Jopp (auch Drehbuch) ihr hochkarätiges Team durch eine raue Tour de Force verdrehter Emotionen.

Es treten auf: Ein finanziell maroder Immobilienmakler mit Alkohol- und Inkontinenzproblemen; eine kontrollsüchtige Zahnärztin; deren Mutter, die sie mal dringend benötigt, dann aber unbedingt loswerden will; eine junge Russin auf verzweifelter Suche nach Broterwerb; ihr gewalttätiger Bruder samt der verlogenen Familie; ein Yoga-Lehrer mit Aggressions- und Ejakulationsproblemen; eine unglücklich verliebte Künstlerin mit suizidalen Ansichten; eine Selbstmörderin; geld- und sonstwie geile Neureiche.

Dazu gesellen sich Aspekte verhuschter und vertuschter Gleichgeschlechtlichkeit, die Neigung zu „jungem Gemüse“. Könnte hier noch irgendein Problem vergessen worden sein?

Dieses Arsenal unlösbarer Konflikte garnieren Notlügen, Täuschungen sowie vielerlei Wahrheits-Variationen, aber auch die schädliche Eigenschaft des Sich-selbst-Belügens. Unzählige Dramen bestimmen das überfrachtete Geschehen des von herausragenden Darstellerleistungen geprägten Ensemblefilms.

Menschen lügen und werden belogen. Ob aus Angst oder Bequemlichkeit – gelogen wird, dass sich die Balken biegen. Bei all der sich hier bietenden trostlosen Tristesse bleibt doch ein Hoffnungsschimmer: Die Ausbeuterinnen, die andere unentgeltlich für sich arbeiten lassen und um ihren Lohn bringen, bleiben ungeliebt. Wenigstens das.

Lügen und andere Wahrheiten. D 2014. R: Vanessa Jopp. D: Meret Becker, Thomas Heinze, Florian David Fitz, Jeanette Hain, Alina Levshin u.a. 93 Min. FSK 12 Jahre.
Cinema-Arthouse


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