CD-Release-Tour startet in Osnabrück Tingvall Trio „Beat“ - Was ist das Geheimnis des Erfolgs?

Keine Angst vor Schönheit: Martin Tingvall. Foto: OsterfeldKeine Angst vor Schönheit: Martin Tingvall. Foto: Osterfeld

Osnabrück.Das Tingvall Trio hat sich ein Publikum erspielt, das weit über die Kreise der Jazzpuristen hinausgeht. Beim ersten Deutschland-Konzert der CD-Release-Tour im Osnabrücker Blue Note hörte man, warum: Die Musik traut sich, schön zu sein – das Trio kann aber auch abgehen wie eine Rockband.

Osnabrück. Was der klassischen Musik das Streichquartett, das ist dem Jazz das Klaviertrio. Hier wie da helfen Effekte und Tricks nicht weiter, hier wie da sitzen vor allem kenntnisreiche Puristen mit Sinn fürs Detail im Publikum. Die ästhetische Bandbreite ist dabei immens: Beim Klaviertrio erstreckt sie sich vom sphärischen Wohlfühlsound à la ECM bis zum aufgekratzten Freejazz-Experiment eines Florian Weber , vom klassischen Swingtrio bis zur atemberaubenden Fusion-Virtuosität einer Hiromi Uehara . Das Trio um den schwedischen Pianisten Martin Tingvall bewegt sich irgendwo am Schnittpunkt dieser Verbindungslinien.

Vor Kurzem hat das Trio mit „Beat“ sein fünftes Studioalbum vorgelegt, und wie es sich gehört, folgt nun die Rundreise durch europäische Jazzclubs. Auftakt der Deutschlandtour war nun im Osnabrücker Blue Note.

Das Tingvall Trio zählt zu den Jazzformationen, die sich auch ein Publikum jenseits der Spezialisten erschlossen haben. Das wenig überraschende Geheimnis der Band: Tingvalls Kompositionen schämen sich nicht ihrer Schönheit – „Den Gamla Eken“, das Eröffnungsstück der neuen CD und des Konzerts, entwickelt aus einer sanften Tonwiederholung eine ebenso schöne wie schlichte Melodie, bei der Kontrabass und Klavier Arm in Arm gehen – harmonischer geht’s kaum.

Aber Tingvall kann auch aufdrehen, bis die Hitzelevels des Fusionjazz und des Funk erreicht sind – dann steigern sich seine Tonwiederholungen zum Powerplay. Aber den weitschweifigen Klaviertraum, wie er für seine schwedische Herkunft so typisch geworden ist, entwirft er ebenso wie die Tour d’Horizon, die sich aus einem Funk-Thema mit pointierten Stopps entwickelt und voller Blues und Swing steckt.

Pop und Rock stellen dabei auch kein Schreckgespenst dar; im Gegenteil baut das Trio den Druck einer Rockband auf, nur eben mit der instrumentalen Virtuosität des Jazz. Eine zentrale Rolle spielt Bassist Omar Rodriguez Calvo: Er brilliert mit Soli, die er aus erstaunlich präzise formulierten musikalischen Gedanken zusammensetzt. Andererseits ist er fest in Tingvalls Kompositionen eingebunden. Er unterlegt die Themen schmeichelnd mit gestrichenen Sexten und Terzen, und schon umweht ein Hauch Melancholie die Stücke – so schön poetisch und zu Herzen gehend kann Jazz sein. Genau in dieser Mixtur aus Power und Poesie liegt der Reiz des Martin Tingvall Trios. So etwas kommt an – bei Jazz-Novizen vielleicht sogar mehr als bei Puristen.

Tingvall Trio: Beat (Skip) Weitere Termine: 31.10. Oldenburg, 2.11. Rheda-Wiedenbrück, 6.11. Duisburg


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