„Romeo & Julia“: Thalia Theater eröffnet Spielzeit Ende schlecht, vieles gut

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Tiefe Blicke, großes Liebesdrama: Romeo (Mirco Kreibich) und Julia (Birte Schnöink).Foto: dpaTiefe Blicke, großes Liebesdrama: Romeo (Mirco Kreibich) und Julia (Birte Schnöink).Foto: dpa

Hamburg. Das Hamburger Thalia-Theater hat mit Jette Steckels Inszenierung von William Shakespeares Drama „Romeo und Julia“ die Spielzeit eröffnet. Die zunächst furiose Inszenierung kann das Niveau allerdings nicht bis zum Ende halten.

Spannung kann nicht aufkommen – weil es die Regisseurin augenscheinlich nicht will. Romeo und Julia sind bei Jette Steckel von Beginn an chancenlos. Und damit der Zuschauer diese zentrale Botschaft so früh wie möglich versteht, betreibt sie in ihrer Inszenierung des Shakespeare-Dramas am Hamburger Thalia Theater einen gewaltigen Aufwand. Bei Steckel treffen mit Romeo und Julia nicht einfach zwei Menschen aus verfeindeten Familien aufeinander, sondern zwei Welten – die einfach nicht miteinander können.

Die Schauspielerin Birte Schnöink spielt Julia „assistiert“ von einem Chor aus Jugendlichen, der ihre Gefühlswelt in oft tänzerischen Choreografien reflektiert. Zwischendrin, gegen Ende immer öfter, übernimmt Pop-Sängerin Anja Plaschg (Soap & Skin) mit ihren Songs diesen Part. Auch Romeo (Mirco Kreibich) steht nicht allein da, auch er findet in einem jugendlichen Chor sein Alter Ego, ebenso wie in der Musik Anton Spielmanns von der Band „1000 Robota“. Daneben sind es die altbekannten Figuren Shakespeares, die für eine strickte Trennung zwischen Montagues und Capulets sorgen.

Zunächst weiß Steckels opulente Inszenierung zu überzeugen: Beeindruckend, wie klar und doch subtil sie Regie führt, wenn sie etwa Romeo und Julia in ihrem ersten Dialog wie zwei Katzen umeinander im Kreis schleichen lässt, einander stets im Blick und zum Zerreißen gespannt.

Wunderbar auch und blendend gespielt der eine oder andere Slapstick, über welchen Steckel Romeos Montague-Clan der Punk-Szene zuordnet. Einfach schön das Bühnenbild, das Florian Lösche im Wesentlichen aus ebenso schlichten wie großen Lichterketten-Vorhängen entwirft. Bis zu Tybalts Tod erlebt der Zuschauer eine ebenso originelle wie facettenreiche Interpretation des ewigen Stoffs.

Dann aber kippt die Inszenierung. Auf einmal, so scheint es, geht Jette Steckel die Luft aus, mangelt es ihr an Ideen. Die Musik der Pop-Größen nimmt überhand, gerade so, als traute die Regisseurin Shakespeares Text nicht mehr. Der anfangs so gezielt und gekonnt gesetzte komödiantische Zugriff auf das Drama wirkt auf einmal künstlich, unangemessen.

Mit der großen Sterbeszene schließlich kann Steckel offenbar gar nichts anfangen. Sie rauscht mehr oder minder am Publikum vorbei, überlagert von Anja Plaschgs englischsprachigen Songs, die man noch dazu kaum verstehen kann. Sogar das Finale überlässt die Regisseurin der Sängerin. Die Tragödie von Romeo und Julia verkommt auf diese Weise auf der Zielgeraden vom zunächst ansprechend aufgepeppten Klassiker zur belanglosen Revue.

Hamburg,Thalia Theater . Kartentelefon unter: 040/32 81 44 44.


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