Bildhauerin wirkte bei „Colossal“ mit Susanne Tunn verlässt Alten Bahnhof Alfhausen


Alfhausen. Sie hat Kunst für „Colossal“ geschaffen und für das Jubiläum des Westfälischen Friedens: Susanne Tunn. Die Bildhauerin war mit ihrem Atelier im alten Bahnhof Alfhausen eine feste Größe der Kunstszene. Doch jetzt geht die Künstlerin.

Die mächtigen Steine vor dem Bahnhofsgebäude markieren den Ort – und sie kennzeichnen die Künstlerin. Susanne Tunn bearbeitet ihre Steine nicht einfach, sie tritt mit ihnen in einen Dialog, schaut auf ihre Lage, ihre Struktur. Das dauert. Susanne Tunn liebt die Arbeitsprozesse, die sich über Jahre hinziehen. Sie denkt den Stein, erfühlt das Material und seine eigenen Gesetze.

„Ich brauche einen festen Pol, um den ich meine Kreise ziehen kann“, sagt Susanne Tunn. Diesen Pol hatte sie seit 1991 in Alfhausen. Jetzt verlässt sie die Region, zieht an einen winzigen Ort südöstlich von Berlin, der einen langen Namen trägt: Märkische Heide-Wittmannsdorf-Bückchen. Dort wird sie ein altes Gutshaus bewohnen und zu ihrem Atelier umgestalten. Was bedeutet das für die Region Osnabrück? Mit Susanne Tunn geht einer der wichtigsten Namen der Kunstszene verloren.

Susanne Tunn wurde auch bei der Ausstellung „Marta schweigt“ in Herford gezeigt. Wie war die Schau? Lesen Sie hier die Rezension.

Das hat auch mit der Situation vor Ort zu tun. „Osnabrück ist für Künstler ein hartes Pflaster. Ich habe die Situation in der Vergangenheit oft als träge empfunden“, sagt Susanne Tunn und trifft damit einen wunden Punkt. Mit der Installation „Peace and Noise“ in der Alten Kirche in Hagen a.T.W. schuf sie 1998 ein großes Werk zum 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens. An dem Skulpturenprojekt „Colossal“, 2009 zum Thema 2000 Jahre Varusschlacht ausgerichtet, war sie mit der Steinskulptur „Key“ und die Zinnschüttung „A.D.“ beteiligt. 2010 folgte der Kunstpreis des Landschaftsverbandes Osnabrücker Landes.

Wie war eigentlich das Skulpturenprojekt „Colossal“? Lesen Sie hier die Rezension.

Doch öffentliche Aufträge blieben ebenso aus wie die überfällige Werkschau in der Osnabrücker Kunsthalle. Deren neue Leiterin Julia Draganovic hat Susanne Tunn immerhin für die Ausstellung „Konkret mehr Raum“ 2015 eingeladen. „Ich habe schon Vorschläge gemacht“, sagt Susanne Tunn.

Jetzt steht sie im leeren Atelier. Stuhl und Tisch, ein paar Kisten, der Hebekran: So leer war der große Raum mit dem offenen Dachstuhl noch nie. „Das macht gleich Lust, wieder neue Kunst zu machen“, sagt Susanne Tunn, lacht und schaut sich um. Bahnhof und das Terrain sind Wohnhaus, Atelier und Freilichtausstellung zugleich. Und Refugium. Durch die Fenster geht der Blick über die Felder. „Dieser weite Blick und die niedersächsische Weite, das wird mir fehlen“, sagt die Bildhauerin.

2010 erhielt Susanne Tunn den Kunstpreis des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land e.V. Wie lautete damals die Begründung? Lesen Sie hier den Bericht.

Dabei wird sie auch in Wittmannsdorf viel Platz haben. Rund um das neue Haus dehnt sich ein weiter Park. Die Künstlerin denkt daran, etwas von diesem Gelände zu pachten und dort einige ihrer Arbeiten zu platzieren. „Ein Skulpturenpark soll das aber nicht werden“, sagt Susanne Tunn. Wichtig ist für sie hingegen die Nähe zu Berlin. „Künstler brauchen Auseinandersetzung, sie wollen sich zur Diskussion stellen“, begründet die Bildhauerin ihre Vorfreude auf Ausstellungsbesuche und neue Kontakte in Berlin. Bis dahin ist aber noch einiges zu tun. Susanne Tunn räumt aus und auf. „Ein ganz neues Erlebnis“, findet sie und überlegt zugleich, ob sie alle Arbeiten im neuen Domizil wieder auspacken wird.

Wie war Susanne Tunns Kunstprojekt „Atem - Meta“? Lesen Sie hier einen Bericht.

Für den Umzug braucht die Spezialistin für die ganz großen Steine Wochen. Fünf Lastwagen bewegen Kunstwerke im Gesamtgewicht von 130 Tonnen. Allein ihre großen, noch weiter zu bearbeitenden Steine bringen es jeweils auf mehrere Tonnen Gewicht. Dabei ist klar, dass Susanne Tunns Kunst auch ohne solche Mengenangaben von Gewicht ist. Die Künstlerin geht, die Region Osnabrück verliert. So sieht es aus.


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