„Kunst bedeutete für ihn das Leben“ Museumsdirektorin Jaehner: Nussbaum könnte noch gezeichnet haben


Osnabrück. Was sagen Experten zu den neuen Informationen über Felix Nussbaums Todesdatum? Hier die Statements von Inge Jaehner und Hans-Jürgen Döscher.

War der „Triumph des Todes“ Felix Nussbaums letztes Bild? Im Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus wird das Gemälde von 1944 als finales Werk der Sammlungspräsentation gezeigt. „Bislang galt dieses Bild als Nussbaums Abschied vom Leben und von der Kunst. Das muss man jetzt anders sehen“, sagte Inge Jaehner, Direktorin des Museums , jetzt auf Anfrage. Nach neuen Informationen hat der Osnabrücker Maler Felix Nussbaum noch mindestens sieben Wochen im Konzentrationslager Auschwitz gelebt. Das belegt ein Eintrag in einer Krankenakte vom 20. September 1944.

Felix Nussbaum hat länger gelebt als bislang angenommen. Lesen Sie hier die Fakten einer sensationellen Nachricht.

Bislang war mit dem 2. August 1944 der Tag von Nussbaums Ankunft beziehungsweise das Datum des 9. August 1944 als Zeitpunkt des Todes angenommen worden. Der neue Aktenfund hat diese Angaben jetzt widerlegt. Inge Jaehner hat darauf hingewiesen, dass die Bestände des Sonderarchivs des Staatlichen Russischen Militärarchivs in Moskau, aus dem der Beleg stammt, erst 2011 geöffnet worden sind. Diese Bestände seien „hochinteressant“, sagte auf Anfrage der Osnabrücker Historiker Dr. Hans-Jürgen Döscher , der über Fragen der SS und der Judenverfolgung im Dritten Reich geforscht hat.

Unter welchen Bedingungen hat Nussbaum in Auschwitz gelebt? Lesen Sie hier die Hintergründe.

Nach den Worten von Inge Jaehner ist es nicht wahrscheinlich, dass Nussbaum in Auschwitz noch gemalt hat. Sie wies aber darauf hin, dass der Künstler im Sammellager Mechelen auf kleinen Papierfetzen Stillleben gezeichnet hat. Eine Zeitzeugin, die im gleichen Lager gewesen war, habe das seinerzeit bestätigt. Insofern spreche einiges dafür, dass Nussbaum seine künstlerische Arbeit auch in Auschwitz fortgesetzt haben könnte. „Kunst bedeutete für ihn das Leben“, sagte Jaehner.

Was bedeuten die neuen Informationen zum Tod von Felix Nussbaum? Lesen Sie hier den Kommentar.

Jaehner wie auch Döscher zeigten sich verwundert darüber, dass Nussbaum wegen einer Blase am Finger, so der Wortlaut des Eintrags in der Krankenakte, in das Lagerhospital gekommen sein soll. „Das ist etwas ungewöhnlich“, so die Wertung von Hans-Jürgen Döscher. Der Historiker hält es für möglich, dass Nussbaum im Lager Unterstützer gehabt hat. „Häftlinge haben sich gegenseitig geschützt, natürlich vor allem die politischen Häftlinge der gleichen weltanschaulichen Überzeugung“, so Döscher. Der Wissenschaftler zeigte sich überrascht darüber, dass Nussbaum an der Rampe von Auschwitz für einen Arbeitseinsatz ausgewählt worden sein soll. Der schmächtige Nussbaum habe eigentlich nicht dem Bild der männlichen Häftlinge entsprochen, die ins Arbeitslager gekommen seien.

Was sagen weitere Nussbaum-Experten zu den neuen Informationen über das Todesdatum des Malers? Lesen Sie hier den Bericht.

Döscher hält es für möglich, noch Belege für Zeitpunkt und Art des Todes von Nussbaum zu finden. Dass er länger gelebt hat als angenommen, wird wohl die Ausstellung im Nussbaum-Haus verändern. „Das muss man den Besuchern vermitteln“, so Inge Jaehner.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN