Bildhauer Tony Cragg inszeniert Kunst Skulpturenpark Waldfrieden über Wuppertal

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Wuppertal. Kunst und Natur in perfekter Symbiose – gibt es das? Ja, in Wuppertal. Der Skulpturenpark Waldfrieden ist längst mehr als ein Geheimtipp – eine Bühne für ein Kunsterlebnis als Sommertraum.

Leichter Wind streicht durch die Buchen, lässt ihre Kronen wiegen. Die Blätter schillern im Licht. Der Luftzug scheint den ganzen Park zu bewegen – und drei Skulpturen, die sich auf einer Lichtung so kurvig und elegant in die Höhe schrauben, als seien sie selbst exotisch kostbare Gewächse. Fünfeinhalb Meter hoch erhebt sich jede der „Points of View“ betitelten Bronzeplastiken. Die Plastiken tanzen ausgelassen um die eigene Achse, als seien auch sie in schwereloser Sommerlaune.

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Sieht so die perfekte Symbiose von Kunst und Natur aus? „Hier kann das Prozesshafte der Bildhauerei widergespiegelt werden“, sagt Tony Cragg, einer der international erfolgreichsten Bildhauer. Er hat sich mit dem „Skulpturenpark Waldfrieden“ einen Traum erfüllt und einer Stadt, die unter Spardruck gerade auf ihr Schauspielhaus verzichtet hat, einen außergewöhnlichen Kulturort geschenkt.

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Hoch über Wuppertal breitet sich ein Gelände von 14 Hektar Größe aus. Der mit Praemium Imperiale und Piepenbrock-Skulpturenpreis ausgezeichnete Tony Cragg, Kunstprofessor und zuletzt Rektor der Düsseldorfer Akademie, erwarb 2006 Gelände und Haus, die vormals dem Lack-Fabrikanten Kurt Herberts gehört hatten. Cragg ließ die ganz in energiegeladenen Kurvenlinien konzipierte Villa renovieren, den Park aufforsten. Und er baute das Schwimmbad zu einem gläsernen Ausstellungshaus um, dem er inzwischen einen weiteren Kunstbau folgen ließ. Ein dritter Pavillon, in dem Skulpturen gezeigt werden können, entsteht demnächst. Immerhin 30000 Besucher zieht der Skulpturenpark pro Jahr an, so die Angabe von Michael Mader, Geschäftsführer der Cragg Foundation, die den Skulpturenpark trägt.

Kunst, Musik, Café

„Wir wachsen, um für Tagesausflügler attraktiv zu sein“, sagt Mader. Über einen Grundstückstausch mit der Stadt Wuppertal hat die Stiftung das Gelände gerade vergrößern können. Mit dem Blues- und Jazzprogramm „Klangart“ sowie dem „Café Podest“, einem Café und Restaurant unter ausladenden Bäumen, bietet der Skulpturenpark schöne Anziehungspunkte. Seine Stars sind jedoch die Kunstwerke. Die heißen „Distant Cousin“, „Ferryman“ oder „Caldera“. Sie erscheinen unvermittelt wie Waldgeister unter Eichen, ducken sich wie Fabelwesen unter Linden, treten als Kraftpakete neben Kastanie oder Robinie auf. Wer gewinnt hier den Schönheitswettbewerb – aufregende Kunst oder linde Natur? Als Mischwesen verzaubern und befremden Craggs Plastiken in gleicher Weise. Riesenschnecke, Raumgleiter, robuster Ritter? Als abstrakte Gebilde voll Kraft und Eleganz lösen Craggs Skulpturen ganze Schwärme von Assoziationen aus.

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Der Bildhauer inszeniert jedoch nicht nur sein eigenes Werk in dem weitläufigen Parkgelände. Cragg lädt andere Künstler ein. Unter einer ausladenden Blutbuche erhebt sich auf weiter Rasenfläche Thomas Schüttes „Vater Staat“, eine meterhoch aufgerichtete Figur von einschüchternder Autorität. Neben einem Waldweg ist Richard Deacons „Aramis“ platziert, ein Gefüge aus kantigen Stahlkuben. In einem Waldwinkel steht der versonnene „Paris“ von Markus Lüpertz. Dagegen wirkt Wilhelm Mundts schwarz gesprenkelter „Trashstone“, eine Plastik aus Abfall in Fiberglashülle, wie ein gigantischer Pilz, der direkt aus dem Boden gewachsen ist.

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In den Ausstellungshallen haben Stephan Balkenhol und Gereon Lepper derzeit ihre Arbeiten installiert. Hier Balkenhols Männerfiguren aus behauenem Holz, dort Leppers Maschinen-Skulpturen – kontrastreicher geht es kaum. Dennoch will Michael Mader den Skulpturenpark mit keinem Museum vergleichen. Da sei eher an Niki de Saint Phalles „Tarotgarten“ oder den Skulpturenpark von Daniel Spoerri zu erinnern, verweist Michael Mader auf zwei Künstlergärten in der Toskana.

Wuppertal ist nicht die Toskana, „Waldfrieden“ kein Olivenhain. Dafür sind die Kontraste zwischen Parkflächen und dichtem Wald auf dem Gelände einfach zu stark. Aber gerade deshalb wirkt Kunst hier so nachhaltig. Skulpturen und Terrain fordern sich gegenseitig unablässig heraus. Im Sommerwind beben die Blätter, rotieren die Skulpturen.

Wuppertal, Skulpturenpark Waldfrieden. März bis Oktober: Di.–So. 10–19 Uhr. www.skulpturenpark-waldfrieden.de


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