Ausstellung von Alain Homsi Fotos bekunden Syriens Zerstörung

Von Birgit Holzer


Paris. Es sind die Bilder stolzer Kirchen, glanzvoller Moscheen und stimmungsvoller Gassen, in warmes Sonnenlicht getaucht. Sie spiegeln die Schönheit alter Städte wie Aleppo, Damaskus und Homs wider – eine schwerbeschädigte Schönheit, seit hier Fronten des Bürgerkrieges entstanden. „Erinnerungen an Syrien“ heißt die Ausstellung mit Fotos aus der Zeit vor Frühjahr 2011, als der Konflikt begann, der seither das Land und seine Menschen erschüttert.

„Ich habe die Fotos im Winter 2009 und 2010 zufällig gemacht, bei Reisen durch mein Land“, sagt der syrische Fotograf Alain Homsi, der in Paris lebt und dort seine Werke zeigt. Ihr Verkauf kommt einer Hilfsorganisation für syrische Kinder zugute. „Es deprimiert mich, mir vorzustellen, was aus diesen Stätten geworden ist.“ Seit 2011 war er nicht mehr dort.

Während Millionen Syrer auf der Flucht sind, in Angst und Todesgefahr leben , wird das reiche kulturelle Erbe des Landes durch den Bürgerkrieg schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Zerstörungen sind beispiellos, warnte der beigeordnete Generaldirektor für Kultur der Unesco, Francesco Bandarin, nach einem Expertentreffen in Paris: „Weder im Irak noch in Afghanistan war die Situation so dramatisch.“ Alle sechs syrischen Weltkulturerbe-Stätten seien betroffen, wie der Basar in der Altstadt der Metropole Aleppo oder die Burg Krak de Chevaliers.

Bei der Konferenz kamen mehr als 120 Kunstexperten, Archäologen und Wissenschaftler aus 22 Ländern zusammen. Auch Vertreter des syrischen Regimes und von Nichtregierungsorganisationen mit Zugang zu Rebellengebieten saßen an einem Tisch.

Entmilitarisierung

Es sollen eine Beobachtungsstelle mit Sitz in Beirut gegründet und eine Datenbank aufgebaut werden, um Informationen zu sammeln und spätere Restaurierungsarbeiten zu erleichtern. 2,5 Millionen Euro stellt die EU für diese Projekte in drei Jahren zur Verfügung.

Gegen das Problem der Plünderungen, des illegalen Handels und Verkaufs von Kulturgegenständen schlage man eine neue, verschärfte Resolution für den UN-Sicherheitsrat vor, erklärte Bandarin. „Leider kann die Unesco nur moralischen Druck ausüben.“ Außerdem bemühe man sich um die Entmilitarisierung kultureller und religiöser Stätten, die als Militärbasen dienten.

Bedroht sei auch nicht materielles Kulturerbe wie Musik, Theater, Kochkunst und andere Bräuche, so Bandarin: „Im Moment greifen wir vor allem nur in Flüchtlingslagern außerhalb Syriens ein, um all das zu erhalten.“ Zusätzlich zu der humanitären Krise in Syrien handele es sich um ein kulturelles Ausbluten des Landes, warnte auch Unesco-Generaldirektorin Irina Bokova: „In einigen Gegenden erreichen wir einen kritischen Punkt.“


0 Kommentare