Daniel Inbal leitet Sinfonieorchester Smetanas „Mein Vaterland“ beim Sinfoniekonzert in Osnabrück

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Dirigent Daniel Inbal. Foto: Michael GründelDirigent Daniel Inbal. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Mit Bedrich Smetanas Zyklus „Mein Vaterland“ hat Dirigent Daniel Inbal nicht nur das Osnabrücker Symphonieorchester für sich eingenommen. Er hat auch das Publikum in der Osnabrückhalle begeistert. Ebenfalls erstklassig: Konzertmeister Michal Majersky als Solist in Sergej Prokofjews Violinkonzert Nr. 2 g-Moll.

Man kann es den Musikern des Osnabrücker Symphonieorchesters am Gesichtsausdruck ablesen: Bedrich Smetanas Zyklus „Mein Vaterland“ ist ein musikalischer Marathon, selbst wenn er nicht in seiner sechssätzigen, sondern in der frühen viersätzigen Form erklingt. Anstrengend, aber auch beglückend.

Dieses Glück verantwortet beim siebten Sinfoniekonzert der laufenden Saison in der Osnabrückhalle Daniel Inbal. Der erste Kapellmeister des Theaters Osnabrück ist in dieser Saison zu einem Experten für alles Slawische geworden: Er hat die Rekonstruktion von Mary Wigmans „Sacre“-Choreografie und Antonín Dvoráks frühe Oper „Vanda“ musikalisch geleitet. Jetzt dirigiert er ein sinfonisches Programm mit Smetanas berühmtem Zyklus und dem zweiten Violinkonzert von Sergej Prokofjew, zwei Werken, die den Begriff „Heimat“ gewissermaßen zum kompositorischen Prinzip erheben.

Da passen dann auch, wenngleich nicht slawischer, sondern ungarischer Provenienz, zu Beginn Zoltán Kodálys „Tänze aus Galánta“ ins programmatische Konzept: Die sind ebenfalls „Erinnerungen an die Heimat“, wie als Motto über dem Konzert steht.

Derartige Musik schlägt gern und ausgeprägt den Bogen zur Folklore – das bildet die Klammer der drei Werke. Deshalb darf es klanglich ruhig ein wenig deftig zugehen; statt Motivik auseinanderzudröseln, setzt Inbal auf die sinnliche, musikantische Komponente: im wirbelnden Finale der Tänze aus Galánta und besonders deutlich in Smetanas „Vaterland“-Zyklus. Aber er kann auch anders: Für die Soli in den Kodály-Tänzen, allen voran für die Klarinette, schafft er Freiräume, und Michal Majersky ist er ein sensibler und umsichtiger Begleiter in Prokofjews g-Moll-Violinkonzert.

Es gehört ja zu den schönen Traditionen des Osnabrücker Symphonieorchesters, dass der Konzertmeister regelmäßig den Solopart eines Violinkonzerts übernimmt. Mit Prokofjews hat Majersky dabei eine gute Wahl getroffen: Er legt viel Seele in die gesanglichen – oft volksliednahen – Passagen des ersten und des wunderbaren zweiten Satzes, das rasante Passagenwerk spielt er mit souveräner Leichtigkeit und Eleganz, und im Verein mit Inbal kehrt er auch die humoristische Seite Prokofjews heraus. Und bei allem wahrt Majersky mit seinem silbrigen Geigenton Noblesse – eine Musik, die nicht derb grinst, sondern gewinnend lächelt. Ein feiner Kontrast zu Inbals Sicht auf Smetana.

Hier lässt er die beiden Harfen zu Beginn frei spielen, blickt nur in seine Partitur. Doch später rudert er mit den Armen, streckt sich, als wollte er an die Saaldecke, beugt sich übers Pult, wird wieder groß – und all das ist keine Dirigierpose, sondern entspringt seinem Mitfühlen mit der Musik. Deshalb folgt ihm das Orchester so engagiert bei der musikalischen Beschreibung der Burg Vyšehrad, malt den Lauf der Moldau, erzählt den Mythos der Amazone Šárka und schließlich „Aus Böhmens Hain und Flur“. All das ist geprägt von Musikantentum und Energie, die Inbal freudig, ungekünstelt, einfach natürlich ans Orchester weitergibt und aufs Publikum überträgt.

Wiederholung des Konzerts: Montag, 20 Uhr, Osnabrückhalle. www.osnabrueckhalle.de. Kartentelefon: 0541/ 349024


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