Georg Friedrich und André Wilms „Über-Ich und Du“: Heisenbergs rätselhafte Komödie

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Berlin. „Über-Ich und Du“: Ein Gauner beklaut einen Starpsychologen – und wird zur Strafe unfreiwillig therapiert. Mit diesem Plot legt Benjamin Heisenberg eine inhaltich überfrachtete Komödie vor, deren Gags die Fragezeichen nicht verdecken.

Als er in eine See-Villa einsteigt, stößt der Kleinkriminelle Nick wider Erwarten auf die im Urlaub vermuteten Bewohner. Und auch auf ein TV-Team, denn Nick wollte bei einem greisen, aber noch gefragten Star-Psychologen einsteigen: Curt. Ein Missverständnis rettet Nick. Er wird mit dem Housesitter verwechselt; übernimmt die Rolle und hütet das Anwesen – und seinen würdigsten Bewohner. Denn Curt entscheidet sich spontan, daheim zu bleiben. Die Konstellation entwickelt sich zum absurden Pas-de-deux, bei dem Nick wertvolle Bücher klaut und im Gegenzug einer unfreiwilligen Therapie unterzogen wird.

„Über-Ich und Du“ ist die erste Komödie von Benjamin Heisenberg, der bislang mit ernsten Stoffen auf sich aufmerksam gemacht hat. „Schläfer“ (2005) lotete das Verhältnis von Nähe und Überwachung aus; „Der Räuber“ (2010) war das existenzielle Porträt eines atemlosen Gangsters. Mit „Über-Ich und Du“ zeigt der Regisseur, dass er auch ein komisches Ensemble führen kann; und das mit einem Traumcast, zu dem neben den Hauptdarstellern Georg Friedrich (Nick) und André Wilms (Curt) auch noch Nebendarsteller vom Kaliber einer Susanne Wolff kommen. Ihnen allen gelingen immer wieder brillante Miniaturen, gekonnte Blickwechsel und ein lustiges Stellungsspiel – in einer Farce, zu deren Personal dümmliche Wohlstandsbürger und kunstsinnige Gangster gehören.

Als Komödien-Schreiber muten Heisenberg und sein Co-Autor Josef Lechner ihrem Publikum allerdings viel zu: Schon die Eröffnungsszene bringt mit Curts Karriere unter Goebbels die deutsche Geschichte ins Spiel. Ticks und Phobien, die unmotiviert von Curt auf Nick überspringen, öffnen den Blick auf das weite Feld der Psychologie. Und als wäre das nicht Stoff genug, überfrachten die Autoren den Film mit Motiven, deren Symbolgehalt vage bleibt: Nick wird lebendig begraben, Luftschiffer verfolgen die Protagonisten aus der Höhe, Kätzchen und Ameisen machen den Untergrund unsicher.

Schuld und Geist, Verantwortung und Leichtlebigkeit: „Über-Ich und Du“ reißt immer neue Themen an, bevor da vorherige auch nur voll etabliert ist. Das Resultat ist eine gut gespielte Komödie, bei der das Lachen nicht die vielen Fragezeichen überdecken kann. Schade.

„Über-Ich und Du“. D 2013. R: Benjamin Heisenberg. D: Georg Friedrich, André Wilms. 93 Minuten. Ab 6. Cinema-Arthouse.


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