Digitale Kommunikation mit dem Publikum Museen: Mit Blogs für die Kunst


Osnabrück. Gehören Museen nur in die analoge Welt? Sicher, die Kunsthäuser zeigen Bilder und Skulpturen. Aber sie sind auch seit Jahren online aktiv. Jetzt gewinnt ein Trend an Tiefe und Tempo – mit Blogs und Online-Magazinen werden Museen mehr und mehr zu Autoren. Ein Streifzug.

Kunsthalle Bremen: „Wir sind nicht elitär und verschlossen“, sagt Jasmin Mickein, Leiterin der Presseabteilung in der Kunsthalle Bremen. Das Haus zeigt gerade die sehr erfolgreiche Ausstellung mit der „Sylvette“-Serie von Pablo Picasso – und punktet erstmals mit einem Onlineformat, das die Kunst noch näher an die Menschen bringen soll. Die Ausstellung lieferte den Startschuss für einen Blog, auf dem nicht nur Fachleute publizieren. „Wir wollen einen anderen Blick auf die Kunst werfen“, sagt Jasmin Mickein. Neben Kuratorinnen und Kuratoren der Kunsthalle schreiben auch Menschen aus Bremen, die der Kunsthalle verbunden sind. Das Haus will sich per Blog öffnen, auch indem es große Kunst über lokale Geschichten erzählt. Mickein: „Uns ist der persönliche Zugang wichtig. Die Schwelle wollen wir bewusst etwas niedriger ansetzen.“ Und dann passt die Kunst auch zu Werder Bremen. Ein Blog-Eintrag erzählt, wie Werder-Profi Clemens Fritz auf die Kunst reagiert. In dem Beitrag beschreibt der Fußballer, wie er die Skulptur „Der Fußballer“ von Renée Sintenes findet .

Kunstsammlung NRW: Niedrige Schwelle? Düsseldorf liebt es im Gegensatz zu den Bremer Kollegen etwas intellektueller. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen hat in diesem Jahr statt eines Blogs ein veritables Online-Magazin gestartet. „#32“: Der Titel des Magazins spielt auf „No. 32“ an, ein Riesenformat des amerikanischen Malerstars Jackson Pollock, eines der charismatischen Hauptwerke in der Sammlung des Museums am Düsseldorfer Grabbe-Platz . „Mit #32 wollen wir etwas Neues probieren“, erläutert Marion Ackermann, Direktorin der Kunstsammlung. „Wir folgen den Themen draußen in der Kunstwelt.“ Kuratoren und Kunstexperten publizieren Essays über Kunst, dazu gibt es Filme und Statements. Kurator Julian Heynen berichtet über seine Begegnungen mit international angesagten Künstlern. „Wir verwerten keine Pressemitteilungen“, sagt Alissa Krusch von der Presseabteilung des Museums. Der Leser navigiert anhand von Kacheln über eine Seite, deren Gestaltung voll im Trend liegt: hip, angesagt, international. Die Hintergrundbilder nehmen die Architektur der insgesamt drei Standorte der Kunstsammlung auf. „Mit dem Magazin wollen wir der Kunst ein völlig neues Feld, auch neue Schauplätze öffnen“, sagt Alissa Krusch.

Städel Museum Frankfurt: 2009 startete das Städel Museum in Frankfurt am Main seinen Blog – und lag damit ganz weit vorn. „Wir wollten nicht nur auf Trends reagieren, sondern diese aktiv mitgestalten und sowohl vor Ort wie auch online einen spezifischen Zugang zur Kunst ermöglichen“, sagt Silke Janssen von der Presseabteilung des Städel. 2009 startete der Blog als Teil der bürgerschaftlichen Kampagne für den Bau der neuen Museumsabteilung für die Kunst nach 1945, die zur Hälfte über private Spenden finanziert wurde . Der Blog soll nicht nur eine weitere Brücke zum Publikum schlagen, er fügt sich auch ein in die Entwicklung einer Corporate Identity des Hauses und in den Prozess, das ganze Haus in den digitalen Medienraum zu erweitern. „Blogs sind ein gutes Medium, um Diskurs und Kommentar zu ermöglichen“, verweist Silke Janssen auf einen anderen Stil der Kommunikation. Belehrung alten Stils ist da schon lange nicht mehr gefragt. Das moderne Museum tritt in den Dialog mit einem Publikum, das es als aufgeschlossen und informiert ernst nimmt. Mit acht Beiträgen im Monat nimmt der Museumsblog die Menschen mit auf eine Reise zur Kunst. Der Blog erzählt Geschichten – und er eröffnet einen Raum der lebendigen Reaktion.

Lenbachhaus München: „Unser Blog soll den Zugang zum Museum öffnen“, sagt Trang Vu Thuy von der Pressestelle des Museums. 2012 startete die Presseabteilung den Blog – als der während eines Relaunches der Internetseite des Hauses den Kontakt in die digitale Medienwelt sicherte. Auch wenn die Homepage längst wieder bestens funktioniert – der Blog ist geblieben. Die Texte sollen das Museum öffnen, einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen, sagt Trang Vu Thuy. Wie ihre Kolleginnen in Bremen, Düsseldorf und Frankfurt hat auch sie den Ehrgeiz, gemeinsam mit Autorinnen und Autoren neue Texte von Niveau anzubieten. „Pressemitteilungen bringen wir in unserem Blog nicht“, sagt die Museumsmitarbeiterin. Stattdessen stützt der Blog das Bild, das das Lenbachhaus seit seiner spektakulären Neueröffnung nach einem Umbau im Mai 2013 bietet . Jeweils ein neuer Beitrag pro Woche erzählt in dem Blog Geschichten zur Kunst. Aber nicht nur. Das Lenbachhaus öffne sich in seinem Blog auch anderen Themen der Netzkultur, so zum Beispiel dem neuen Trend der Selfie-Fotos, sagt Trang Vu Thuy. Damit wird möglich, was auch die anderen Museen mit ihren Blogs und Magazinen vor allem wollen – in einen neuen Dialog mit ihrem Publikum treten.

Die Adressen der Blogs: www.kunsthalle-bremen/blog.de ; www.number32.de ; blog.staedelmuseum.de ; www.lenbachhaus.de/blog ; Screenshots: Stefan Lüddemann, Neue OZ


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