zuletzt aktualisiert vor

Künstler gestaltet Arbeit für Ausstellung Kunsthalle Osnabrück startet mit Michael Beutler

Der Künstler Michael Beutler. Foto: dpaDer Künstler Michael Beutler. Foto: dpa

Osnabrück. Was zeigt Julia Draganovic, neue Leiterin der Kunsthalle Osnabrück, in ihrer ersten Ausstellung? Die Antwort: eine Installation des international bekannten Künstlers Michael Beutler.

Der 1976 in Oldenburg geborene, jetzt in Berlin lebende Künstler soll das Kirchenschiff der Kunsthalle mit einer großräumigen Installation bespielen. Das bestätigte Julia Draganovic auf Anfrage. „Michael Beutler plant Eingriffe in Kirchenschiff und Kreuzgang des Kunsthallenbaus“, sagte die Kuratorin. Die Arbeit von Beutler versteht sie als „Eingriff, der den Ausstellungsraum umwandeln und die Grundlage für das weitere Programm der Kunsthalle“ sein werde. Die Ausstellung beginnt am 12. September 2014.

Damit setzt Julia Draganovic eine deutliche Signatur. Mit Beutler akzentuiert sie einen Kunstbegriff, der vor allem Fragen nach Ort und Material, Prozess und Teilhabe stellt. Michael Beutlers Arbeit wird mehr als Intervention in den Raum denn als klassische Ausstellung zu verstehen sein. Julia Draganovic setzt sich damit klar von ihrem Vorgänger André Lindhorst ab, der sich vor allem auf klassische Formate wie figurative Malerei und gegenständliche Skulpturen bezogen hatte.

Mit Michael Beutler kommt auch die Grenze zwischen Kunst und Nicht-Kunst auf überraschende Weise in den Blick. Die Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“ der Mainmetropole hatte 2004 eines von Beutlers Kunstwerken als vermeintlichen Sperrmüll abräumen lassen. Gelbe Plastikteile einer Skulptur Beutlers waren versehentlich für Müll gehalten worden. Der Künstler reagierte seinerzeit gelassen auf die Verwechslung und verzichtete auf Schadenersatzforderungen.

Beutler hat die Kunsthalle nach den Worten Draganovics bereits besichtigt. Er wird für seine Arbeit auch Materialien verwenden, die bei den Renovierungsarbeiten, die ab Juni in der Kunsthalle vorgesehen sind, als Abfallstoffe anfallen werden. Draganovic: „Beutler wird ein Up-Cycling dieser Materialien vornehmen.“ Damit sind vor allem Tischlerplatten gemeint, die bislang auf Innenwände in Räumen der Kunsthalle aufgebracht sind. Das Gebäude soll ab Juni für einen umfangreichen Umbau vorübergehend geschlossen werden.

Der an der Frankfurter Städelschule und an der Glasgow School of Art ausgebildete Bildhauer Beutler tritt seit Jahren mit großformatigen Installationen und Skulpturen hervor. Beutler bezieht sich bei seinen Arbeiten auf die Struktur der jeweiligen Räume und entwickelt seine Ideen vor Ort. Besondere Aufmerksamkeit erhielt Beutler für seine 2006 aus Hütten aufgeschichtete „Aluminium Pagode“ im Frankfurter Lufthansa Aviation Center und für seine Installation 2007 im Frankfurter Portikus. Dabei verwandelte er den Ausstellungsraum mit Blumenverpackungspapier in eine „Kathedrale aus Farbe und Licht“, so das Kunstmagazin „art“. Michael Beutler erhielt für seine Werke bislang mehrere Preise und Kunststipendien.

Das Osnabrücker Ausstellungsprojekt steht in Zusammenhang mit einer Ausstellung mit Werken Michael Beutlers im Kunstverein Bielefeld . Am 9. Mai eröffnet der Kunstverein die Ausstellung „Haus Beutler“. Der Kunstverein Bielefeld und die Kunsthalle Osnabrück geben gemeinsam ein Künstlerbuch heraus, das 2015 erscheinen soll. „Ansonsten geht es um zwei voneinander unabhängige Ausstellungen“, betonen Julia Draganovic und Thomas Thiel, Direktor des Bielefelder Kunstvereins, unisono. „Wir haben Michael Beutler fast zeitgleich angesprochen“, sagte Thiel auf Anfrage.

Michael Beutler beteiligt sich nach seinen Worten auch an einem Projekt mit Kunst im öffentlichen Raum, das am 25. Mai in Bielefeld-Sennestadt beginnt. Eine Ausstellung mit Werken Michael Beutlers war 2012 schon in der Kunsthalle Lingen zu sehen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN