Qualität von langer Lebensdauer Interview: Violinistin Kerstin Dill vom Signum Quartett

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Sie sind das Signum Quartett (von links): Xandi van Dijk, Kerstin Dill, Annette Walther und Thomas Schmitz.Sie sind das Signum Quartett (von links): Xandi van Dijk, Kerstin Dill, Annette Walther und Thomas Schmitz.

Osnabrück. Das Signum Quartett spielt am kommenden Sonntag bei den Iburger Schlosskonzerten. Das Ensemble wurde vor 20 Jahren gegründet, in der aktuellen Besetzung besteht es seit 2007. Seither sind mehrere CDs erschienen, auf denen viele weniger bekannte Werke zu finden sind. Wir sprachen mit Kerstin Dill, der ersten Geigerin des Quartetts.

Spielen Sie im Quartett besonders gerne unbekannte Komponisten?

Ich würde nicht sagen, dass wir uns das auf die Fahne geschrieben haben, dass es unser Quartettprofil ausmacht. Aber ich finde, es ist eine wichtige Aufgabe, unbekannte Dinge bekannt zu machen. Der Reiz besteht darin, Bekanntes mit Unbekanntem zu kombinieren. Damit hat man dann auch ein neues Hörerlebnis für die bekannten Sachen. Ein Haydn klingt anders, wenn man davor ein Stück zum Beispiel von Jörg Widmann gespielt hat.

Die Klassiker des Repertoires, Haydn, Beethoven, Schubert, liegen aber bislang von Ihnen nicht vor!

Ja, aber das ist alles in Arbeit. Man muss sich Zeit nehmen für diese gewichtigen Stücke. Jetzt wird bald eine CD erscheinen mit den Streichquartetten von Debussy und Ravel, was ja wirklich Standardrepertoire ist. Und auf unserer letzten CD ist ja schon das Streichquartett Nr. 3 von Bartók – auch Standardrepertoire.

Aber Sie bleiben trotzdem auf Entdeckungskurs?

Ja, das auf jeden Fall!

Wie entscheiden Sie denn im Quartett über das Repertoire, und wie finden Sie es überhaupt, gerade bei unbekannteren Stücken?

Es gibt da verschiedene Aspekte. Man muss schon sehen, was gerade neu auf den Markt gekommen und insofern schon bedient ist. Wo glaubt man, dass man selber auch eine starke Interpretation bringen kann auf CD, und was ist auch ein interessantes CD-Programm? Ich glaube, nur aufzunehmen, um aufzunehmen – die Zeiten sind vorbei, weil es von fast allen Stücken schon fantastische Aufnahmen gibt.

Es gibt ja in den letzten Jahren mehr und mehr erfolgreiche und wirklich gute junge Streichquartette. Ist es da besonders wichtig, eine eigene Nische zu finden? Oder wie schafft man es sonst, ein Profil zu entwickeln, mit dem man sich von anderen abhebt?

Ich glaube, dass es absolut wichtig ist, ein eigenes Profil zu entwickeln. Natürlich ist die Konkurrenz groß und sehr, sehr gut, und man möchte sich auch abheben. Man plant also nicht total unabhängig von der Konkurrenz, aber trotzdem wollen wir bei uns bleiben und uns überlegen, wie wir uns sehen und wie wir gesehen werden wollen.

Und was streben Sie da an?

Ein möglichst breit gefächertes Repertoire, auch mit Blick auf Zeitgenössisches und gleichzeitig vor allen Dingen Qualität. Qualität, die ihre Zeit braucht, dann aber eine lange Lebensdauer hat.

Also kein Expertentum für eine bestimmte Ecke des Repertoires?

Bisher nicht. Vielleicht wird das kommen mit der Zeit. Das Potenzial hätten wir wahrscheinlich, es gibt Dinge, die uns sehr gut liegen, die wir auch sehr viel gespielt haben. Aber da muss man sehen, wie wir uns als Quartett weiterentwickeln. Wir wollen uns da nicht gerne einschränken.

In Bad Iburg spielen Sie zum Beispiel ein Stück von Erwin Schulhoff. Was ist das für Musik?

Das sind fünf Tanzsätze, die er mit seinem zum Teil sehr bissigen Humor fast pervertiert hat. Es gibt einen Walzer im Vierviertel-Takt, und er spielt mit diesen Taktverschiebungen. Dann gibt es einen Satz, der serenadenartig gemeint, aber gleichzeitig auch sehr brutal ist. Ich glaube, der Reiz liegt in den Brüchen und in dem Humor. Bisher haben wir immer die Erfahrung gemacht, dass das sehr gut ankommt. Man muss sich nicht sehr lange damit beschäftigen oder reinhören.

Das Konzert mit dem Signum Quartett beginnt am Sonntag um 18 Uhr auf dem Iburger Schloss.


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