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Peter Finger erinnert an den Gitarristen Spanischer Stargitarrist Paco de Lucía gestorben


Osnabrück. Der spanische Stargitarrist und Erneuerer des Flamenco, Paco de Lucía, ist tot. Der Meister starb im Alter von 66 Jahren in Mexiko. Er habe in Cancún mit seinem zehn Jahre alten Sohn am Strand Fußball gespielt und sich plötzlich unwohl gefühlt, berichtete die spanischen Nachrichtenagentur Efe am Mittwoch unter Berufung auf Familienkreise. Der Musiker sei von seiner Ehefrau in ein Krankenhaus gebracht worden und dort – vermutlich an einem Herzinfarkt – gestorben. Zum Tod des renommierten Musikers schreibt der Osnabrücker Gitarrist, Labelchef und Konzertveranstalter Peter Finger.

Von Peter Finger

Paco de Lucía (zu einem einstündigen Konzertmitschnitt geht es hier ) war ein phänomenaler Gitarrist und Musiker, den ich leider nie persönlich getroffen habe. Zwar haben wir gelegentlich auf denselben Festivals gespielt, jedoch immer an unterschiedlichen Tagen oder auf unterschiedlichen Bühnen. Während der zwölf Jahre des Osnabrücker Open Strings Festivals hatte ich eigentlich vor, ihn einzuladen. Aber auch das sollte aus Termingründen leider nie geschehen. Andere Überflieger, die ich an seiner Stelle engagieren konnte – etwa Vicente Amigo – sprachen immer voll Ehrfurcht und Respekt von ihm. Für die gesamte Flamenco-Szene ist Paco de Lucía eine Leitfigur, von der man lernt, an der man sich orientiert.

Paco de Lucía, der mit dem Flamenco aufwuchs und schon mit fünf Jahren Gitarre spielte, war jedoch nicht nur eine lebende Legende, zu der Zeitgenossen und Kollegen emporblickten. Er war einer, der die traditionelle Musik seines Landes weltweit bekannt machte. Und nicht nur das. Indem er Klassik und Jazz mit dem Flamenco verband, kreierte er Neues, bei dem man jedoch die Wurzeln in jedem Takt erkennt. Damit ebnete er einen Weg, auf dem seither der Flamenco weiterentwickelt wird.

Die großen Erfolge, die er durch die Zusammenarbeit mit Jazzmusikern wie etwa Chick Corea, Al DiMeola oder John McLaughlin erlebte, haben sicher auch zur Verbreitung des Flamenco beigetragen, indem sie den Zugang zu dieser doch eher speziellen Musik erleichterten. Eine Musik, bei der die Gitarre bislang zwar auch eine wichtige Rolle spielte, jedoch trat sie beim Flamenco weniger als Soloinstrument, sondern eher als virtuoses Begleitinstrument für Tanz und Gesang hervor. Eine Öffnung der Tradition zu anderen, moderneren Musikrichtungen zu schaffen, ohne die Authentizität zu verlieren, ist eine beachtliche Gratwanderung und Leistung, die Paco de Lucía mit Bravour meisterte.

Was kann ich zu einem so bedeutenden Musiker noch sagen? Sicher ist sein Tod für die Musikwelt ein herber Verlust. Jedoch war sein Schaffen auch eine enorme Bereicherung. Große Klasse und großen Respekt für ein außergewöhnliches Lebenswerk!

Paco de Lucía: Lebensdaten

21. Dezember 1947: Geboren in Algeciras als Francisco Sánchez Gómez.

Erster Gitarrenunterricht mit fünf Jahren beim Vater. Erster Auftritt mit elf, erste Auslandstournee mit 15, erste Soloplatte mit 20.

Ab den späten 60er-Jahren Zusammenarbeit mit dem Flamencosänger Camarón de la Isla.

Gleichzeitig Zusammenarbeit mit dem traditionell orientierten Sänger Fosforito

1973 internationeler Durchbruch mit dem Hit „Entre dos Aguas“

Ab 1977 Tourneen mit Al Di Meola und John McLaughlin;

1981 gemeinsames Livealbum „Friday Night in San Francisco“,

1991 Aufnahme von „Concierto de Aranjuez“

2004: Verleihung des Prinz-von Asturien-Preises für Kunst


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