Kunst als strenge Übung Vor 25 Jahren starb der Maler Rudolf Englert


Osnabrück. Mit seinen „Schlaufen-Bildern“ schuf er sich sein eigenes Markenzeichen: Rudolf Englert. Vor 25 Jahren starb der Künstler.

Sein Name könnte in einem Atemzug mit Kunstgrößen wie Hanne Darboven und Günther Uecker genannt werden. Aber Rudolf Englert ist weitgehend aus dem Gedächtnis der Kunstgeschichte gefallen. Dabei befinden sich seine „Schlaufen-Bilder“ auf der Höhe der seriellen Kunst der Sechziger- und Siebzigerjahre. Seine filigranen Schriftzeichnungen halten ohnehin jeden Vergleich aus. Am 21. Februar 1989 starb der Zeichner, Maler und Objektkünstler in Ostercappeln bei Osnabrück.

Ob es am Wohnort fern der Kunstzentren lag, dass Englert bis heute einer der großen Unbekannten der Kunst geblieben ist? Oder an Englerts Reserve gegenüber dem Kunsthandel? Der 1921 in Duisburg geborene, später an der Kunstakademie Düsseldorf und der Folkwang-Werkkunstschule ausgebildete Künstler hat ein mit rund 6000 Werken nicht nur beeindruckend umfangreiches, sondern auch qualitativ dichtes Werk hinterlassen.

Heute kümmert sich eine Stiftung um den Nachlass. Der Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. betreute 2005 die letzte große Retrospektive in der Osnabrücker Kunsthalle. Vereinzelt gibt es Englert-Werke in öffentlichen Sammlungen. Aber es gibt kein Bewusstsein für sein Werk in der weiteren Kunstöffentlichkeit.

So ist Englert immer noch zu wenig bekannt – gerade als methodischer Arbeiter an einem Werkkonzept, dessen Reiz sich nicht über gegenständliche Motive erschließt. Mit dem vielfach variierten Bildmotiv der Schlaufe verfügt das Werk Englerts sogar über ein fatal wiedererkennbares Markenzeichen. Seine jahrelange Wiederholung wäre allerdings auch als Symptom der Monotonie misszuverstehen.

Wie bei anderen seriell arbeitenden Künstlern erschließen sich Reiz und Tiefe von Englerts Werk hingegen über Farb- und Formvariationen, die den sensiblen Betrachter erfordern. Die Bildserien Englerts lenken den Blick auf eine Malweise, die analog zum Schreibvorgang funktioniert und Kunst als Artikulation von Seelenzuständen und Lebensphasen erfahrbar macht. Englerts Sensibilität ist anrührend, seine Akribie und handwerkliche Präzision beeindruckend. Daran ändert auch die Tatsache wenig, dass sich Englert in seiner Methode verhedderte, als er begann, sein Schlaufenmotiv auf Acrylzylinder aufzubringen oder quietschbunt zu malen. Als strenge Übung überzeugt seine Kunst weiter. Sie wäre immer wieder neu zu entdecken.

Ausstellung und Info: Die Berliner Galerie Dittmar zeigt bis zum 19. April Zeichnungen von Rudolf Englert. Info unter: www.galerie-dittmar.de . Weitere Info: www.rudolf-englert.de


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