Alles über Frauen, Skandale, Werkphasen Pablo Picasso: Ein Genie in Stichworten

Von Dr. Stefan Lüddemann


Bremen. Jeder kennt seinen Namen. Doch wer war Pablo Picasso wirklich? Das Jahrhundertgenie in Stichworten.

Seine Geburt: Pablo Ruiz Picasso wurde am 25. Oktober 1881 im spanischen Malaga geboren.

Seine Familie: Seine Eltern waren José Ruiz Blasco (1838-1913) und Maria Picasso y Lopez (1855-1938). Picasso hatte zwei Schwestern, Dolores und Conceptión. Der Vater arbeitete als Zeichenlehrer.

Seine Frauen: Picasso war zweimal verheiratet, mit Olga Chochlowa bis 1955 und mit Jacqueline Roque bis zu seinem Tod 1973. Daneben hatte er allerdings weitere Beziehungen, die sich jeweils in seinem Werk widerspiegeln. Mancher Picasso-Interpret hat deshalb den Vorschlag gemacht, das Werk Picassos in Phasen nach seinen Beziehungen einzuteilen. Fernande Olivier, mit der er von 1905 bis 1912 zusammen lebte, war seine erste Muse. 1927 lernte er Marie-Thérèse Walther kennen, die seine nächste Muse wurde. 1936 folgte die Liebe zu der Künstlerin Dora Maar. Im Sommer 1954 malte Picasso die Bilder nach dem Modell Sylvette David, mit der er jedoch keine Beziehung unterhielt. Eine wichtige Rolle spielte in seinem Leben die Malerin Francoise Gilot - die einzige Frau, die sich von Picasso trennte.

Seine Kinder: Picasso hatte vier Kinder mit drei Frauen. Die Mutter von Paulo Picasso (1921-1975) war seine erste Ehefrau, die Tänzerin Olga Chochlowa. Aus der Verbindung mit Marie-Thérèse Walther stammt Maya Widmaier Picasso (geb. 1935). Mit Francoise Gilot hatte Picasso die Kinder Claude (geb. 1947) und Paloma (geb. 1949).

Sein größter Skandal: Picassos Werke haben immer für Befremden gesorgt oder regelrecht schockiert. Legendär ist die Kontroverse um die Qualität seines Alterswerkes. Mit dem 1907 gemalten Bild „Les Demoiselles d´Avignon“, einem abstrakt verfremdeten Bildnis von Prostituierten, gelang Picasso einer der größten Tabubrüche der Kunstgeschichte. Das erstmals 1916 öffentlich ausgestellte Bild war heftig umstritten.

Sein Meisterwerk: Am 26. April 1937 bombardierte die deutsche Legion Condor die baskische Stadt Gernika. Erschüttert durch diese Gräueltat des spanischen Bürgerkrieges malte Picasso das Riesenbild „Guernica“, das ab dem 12. Juli 1937 im spanischen Pavillon der Weltausstellung in Paris gezeigt wurde . Es gilt als wichtigstes Antikriegsbild der Kunstgeschichte. Das monumentale Werk, das heute im Museum Reina Sofia in Madrid ausgestellt wird, tourte während der Herrschaftszeit Francos jahrelang um die Welt. Es existieren mehrere Kopien in der Gestalt von Bildteppichen. Ein Exemplar hängt im Gebäude der Vereinten Nationen in New York.

Seine Werkphasen: Jeder kennt die „Blaue Periode“ und die „Rosa Periode“ Picassos. Diese beiden Phasen des Frühwerkes, die kurz nach 1901 beziehungsweise ab 1905 begannen, sind durch melancholische Bilder von Gauklern und Narren gekennzeichnet. Picassos Werk kennt hingegen noch weitere Phasen. Rund um das revolutionäre Bild „Les Demoiselles d´Avignon“ durchlief der Künstler seine kurze „Période Nègre“ (1907/1908, in der er sich an afrikanischer Kunst orientierte. Gemeinsam mit Georges Braques gestaltete Picasso 1908-1916 den Kubismus. Anschließend pflegte Picasso bis Mitte der zwanziger Jahre mehrere Stile parallel. Im Anschluss setzte sich Picasso mit dem Surrealismus auseinander. Die gesamte Zeit seit 1945 wird als Picassos Spätwerk verstanden.

Sein Werk: Pablo Picasso hat unzählige Kunstwerke geschaffen. Schätzungen sprechen von rund 50.000 Werken, darunter allein über 1800 Gemälde und rund 30000 Drucke sowie mehrere tausend Objkete und Skulpturen. Sein erstes Ölgemälde „Picador“ datiert übrigens von 1890. Ab 1901 signierte er mit „Picasso“.

Sein Faible: Was war Picassos Faible? Ganz klar: der Stierkampf . 1928 zeichnet er zum ersten Mal einen Minotaurus, eine Menschenfigur mit Stierkopf. Das Motiv lässt ihn bis zu seinem Lebensende nicht mehr los. Picasso besucht immer wieder Corridas. Im südfranzösischen Vallauris werden in den fünfziger Jahren sogar Stierkämpfe eigens für Picasso abgehalten. Als er bei einem dieser Kämpfe das Zeichen gab, de Stier zu töten, erhielt die Kommune einen Strafbefehl der Regionalregierung. Picasso beglich die Rechnung.

Sein Rivale: Kein anderer Künstler konnte es mit Pablo Picasso aufnehmen. Picasso sah allerdings einen Maler und Bildhauer als sein gleichwertiges Gegenüber an - Henri Matisse. Die Konkurrenz begann kurz nach 1900, als Matisse als Kopf der „Fauvisten“ mit Gemälden in grellen Farben für Furore sorgte. Bis zu Matisse´ Tod 1954 pflegten die beiden Künstler ein respektvolles Verhältnis in dem Bewusstsein, nebeneinander auf Augenhöhe zu arbeiten.

Seine Galeristen: Einige der wichtigsten Kunsthändler des 20. Jahrhunderts vertraten das Werk Pablo Picassos. Zu diesen Galeristen gehörten Daniel-Henry Kahnweiler und vor allem Ambroise Voillard, für den Picasso die „Voillard-Suite“ schuf, eine Folge von rund 90 Radierungen, die zu den berühmtesten Grafikserien der Kunstgeschichte zählt. Zu den Kunsthändlern Picassos gehörte auch Paul Rosenberg, Großvater der zeitweilig mit dem Skandal-Politiker Dominique Strauss-Kahn verheirateten Journalistin Anne Sinclair. Sie veröffentlichte 2013 ihre Erinnerungen an ihren Großvater Paul Rosenberg . Titel des Buches: Lieber Picasso, wo bleiben meine Harlekine?“.

Seine Ausstellungen: Pablo Picasso hatte seine erste Einzelausstellung im Jahr 1900 in Barcelona. Seitdem ist sein Werk immer wieder präsentiert worden. Schon 1939 richtete das New Yorker Museum of Modern Art eine große Retrospektive aus. 1912 und 1913 war Picasso einer der Stars der Sonderbund-Ausstellung in Köln und der Armory Show in New York, zwei zentralen Präsentationen der Avantgarde. Picasso war mehrfach auf der Kasseler Documenta vertreten.

Seine Museen: Für das Werk Pablo Picassos wurden schon zu seinen Lebzeiten zwei Museen eingerichtet - die Picasso-Museen in Barcelona und in Antibes an der Cote d´Azur. Inzwischen sind weitere Museen dazu gekommen, unter anderem das Picasso-Museum in Paris und das Kunstmuseum Pablo Picasso im westfälischen Münster .

Sein Genie: Picasso galt bereits früh als Genie und als bedeutendster Künstler seiner Zeit. Der Künstler Max Ernst brachte das so auf den Punkt: „Picasso, gegen den kann doch niemand ankommen, der ist doch das Genie“.

Sein Tod: Pablo Picasso starb am 8. April 1973 im südfranzösischen Mougins. Er wurde im Garten seines Schlosses in Vauvenargues bei Cannes begraben.