Neuer Star der Impressionisten Rekordpreis für Camille Pissarro

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Osnabrück. Camille Pissarro hatte bislang keiner auf der Rechnung. Jetzt startet der Impressionist durch - mit einem Rekordpreis bei Sotheby´s.

Osnabrück. Er gilt als Übervater der Impressionisten, als stiller Könner, der die Pariser Boulevards in flirrenden Farben einfing: Camille Pissarro (1830–1903) . Jetzt tritt der Maler, der bislang eher hinter Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir rangierte, in die erste Reihe der Impressionisten. Für 19,7 Millionen Pfund (23,7 Millionen Euro) ist sein Gemälde „Le Boulevard Montmartre, matinée de printemps“ bei einer Auktion bei Sotheby’s versteigert worden . Das teilte das Auktionshaus am Mittwochabend in London mit. Der Schätzpreis lag bei lediglich sieben bis zehn Millionen Pfund.

„Pissarros Bilder werden gerade richtig teuer. Sein Werk wird spürbar neu bewertet“, sagt Dr. Gerhard Finckh, Direktor des Wuppertaler Von-der-Heydt-Museums . Das Museum zeigt Gemälde von Pissarro ab dem 14. Oktober 2014 in einer großen Sonderausstellung. Dabei werden den Angaben zufolge auch zwei Bilder aus jener Serie vertreten sein, zu der auch das jetzt versteigerte Gemälde gehört. Zuletzt hatte auch das Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster den Impressionisten präsentiert. Vom 7. September bis zum 17. November 2013 präsentierte das Münsteraner Haus die Grafik Pissarros.

Pissarro hatte die jetzt in London versteigerte Ansicht des Boulevards de Montmartre 1897 gemalt. Er quartierte sich im Grand Hotel de Russie an der Rue Drouot ein, um von erhöhter Position aus einen Überblick über den belebten Boulevard zu haben. Der Kunsthändler Paul Durand-Ruel hatte den Maler zudem zu einem größeren Format in dieser Serie ermutigt. „In diesem wunderschönen Bild verdichtet Pissarro alles, was man mit Paris und Impressionismus verbindet“, sagt Prof. Dr. Markus Müller, Direktor des Münsteraner Picasso-Museums. Diese späte Bildserie zeige genau jenes Bild der französischen Kapitale, das durch die Bauprojekte des Barons Haussmann entstanden sei. Haussmann hatte weite Bereiche des alten Paris abreißen lassen, um Platz für breite Boulevards und Avenuen sowie für durchgehende Häuserblocks zu erhalten.

Das Gemälde punktet jedoch nicht nur mit künstlerischer Qualität, es fasziniert auch mit einer abenteuerlich zerklüfteten Provenienzgeschichte. Das von Durand-Ruel gehandelte Gemälde gelangte nach Angaben des Von-der-Heydt-Museums unter anderem in den Bestand des Berliner Avantgarde-Galeristen Paul Cassirer und später in die Kollektion von Max Silberberg . Die Nationalsozialisten raubten Silberbergs Breslauer Kunstsammlung. Dabei nahmen sie ihm auch das Pissarro-Gemälde ab. Als Raubkunst verkaufte es der Galerist Paul Graupe 1935 in die New Yorker Sammlung Ehrlich, später, nach Zwischenstationen in mehreren Galerien, in die Privatsammlung Cohn. Das Ehepaar Cohn stiftete das Bild 1997 dem Israel Museum in Jerusalem, das es jetzt zur Londoner Auktion eingeliefert hatte – ein Schritt, der ein kontroverses Medienecho auslöste.

„Das Bild ist natürlich auch deshalb so teuer, weil es diese aufregende und lückenlos dokumentierte Provenienz hat“, kommentiert Gerhard Finckh den Auktionspreis, der den Schätzpreis glatt verdoppelt hat. Preise für Pissarro-Bilder zögen jetzt deutlich an, auch deshalb, weil der Maler der „wichtigste Networker“ der Impressionisten gewesen sei. Pissarro habe mit allen wichtigen Künstlern seiner Generation wie Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Edgar Degas und Auguste Rodin in engem Kontakt gestanden.

Das versteigerte Bild stehe „für den gelösten Impressionismus der späten Jahre Pissarros“, sagt Markus Müller. Es fasziniere aber auch als Einzelwerk mit einem besonders schönen Sujet. (Mit dpa)


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