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Alle Vordemberge-Bilder echt? „Selten bei einem Künstler so große Klarheit“

<em>Verbürgte Echtheit:</em> Friedrich Vordemberge-Gildewarts Gemälde „K 199“ (1953) ist jetzt mit 60 anderen Werken in Osnabrück zu sehen. Foto: © Museum WiesbadenVerbürgte Echtheit: Friedrich Vordemberge-Gildewarts Gemälde „K 199“ (1953) ist jetzt mit 60 anderen Werken in Osnabrück zu sehen. Foto: © Museum Wiesbaden

Osnabrück. Während die Kunst des russischen Konstruktivismus gerade von einem gigantischen Fälschungsskandal betroffen ist, richtet sich der bange Blick auf Friedrich Vordemberge-Gildewart (VG). Gibt es auch bei Bildern des Osnabrücker Konstruktivisten Zweifel an der Echtheit einzelner Stücke?

Die Nachricht vom größten Fälschungsskandal seit Langem schlug wie eine Bombe ein. Hunderte von Bildern, darunter angebliche Meisterwerke von Kasimir Malewitsch, Wassily Kandinsky und El Lissitzky, sind in den Handel gelangt. Fahnder beschlagnahmten gefälschte Kunstwerke in mehreren deutschen Städten. Die Fälscher konzentrierten sich auf die besonders gefragte Kunst des Konstruktivismus.

Zu dieser Stilrichtung gehörte allerdings auch der Osnabrücker Vordemberge-Gildewart (1899–1962) , der Mitte der Zwanzigerjahre des 20. Jahrhunderts in Hannover mit den Avantgardestars Kandinsky und El Lissitzky bestens bekannt war. Seit dem letzten Wochenende zeigen das Kulturgeschichtliche Museum und das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück rund 60 Werke von Vordemberge-Gildewart . Sind die Bilder in dieser Ausstellung zum 50. Todestag VGs über jeden Zweifel erhaben?

„Bei Vordemberge-Gildewart hatte ich noch nie ein schlechtes Gefühl“, beruhigt Dr. Roman Zieglgänsberger, Kustos für Klassische Moderne am Museum Wiesbaden, das die VG-Ausstellung konzipiert hat. Zieglgänsberger sieht den Markt durch den Fälschungsskandal „empfindlich gestört“. Faktoren, die Fälschern bei russischen Konstruktivisten das kriminelle Handwerk erleichtern, sind bei Vordemberge-Gildewart hingegen anders aufgestellt. Unübersichtliche Werkstrukturen, Defizite bei der Dokumentation, angebliche Sensationsfunde: Auf dem Hintergrund dieser irritierenden Lage haben Fälscher bei russischen Konstruktivisten offenbar viel zu leichtes Spiel.

Zieglgänsgberger gibt im Hinblick auf VG sofort Entwarnung. Sein stärkstes Argument: die stabile Dokumentation. Nach den Worten des Kunsthistorikers hat der Künstler ein „Werkstattbuch“ geführt, in dem er jedes Bild auf einer Doppelseite penibel dokumentierte. Fotos und Zeichnungen verweisen klar auf jedes Bild, Angaben zu Ausstellungen und Verkäufen erlauben es, den Lebenslauf eines jeden Gemäldes – Fachleute sprechen von Provenienz – zuverlässig zu verfolgen. „Wir haben das Wissen“, sagt Zieglgänsberger und verweist auf den Nachlass des Künstlers, der in Wiesbaden verwahrt wird – Werkstattbücher inklusive .

„Es gibt selten bei einem Künstler so große Klarheit“, sagt Zieglgänsberger. Dessen Einschätzung stützt Dietrich Helms, VG-Weggefährte und Mitverfasser des 1990 erschienenen Werkverzeichnisses. VG habe seine Bilder komplett durchnummeriert, von 1 bis 223. „Da kann niemand etwas dazwischenmischen“, sagt Helms. Nach seinen Worten tauchen nur selten Personen auf, die angebliche Werke Vordemberges präsentieren. Ihm sei das nur wenige Male passiert, berichtet Helms. Die Stücke, darunter ein Aquarell und ein Intarsienkästchen, seien schnell identifiziert gewesen. Von Vordemberge hätten sie nicht gestammt.

„Man kennt die Provenienzen“, sagt auch Inge Jaehner, Direktorin des Osnabrücker Felix-Nussbaum-Hauses. Wie Dietrich Helms und Roman Zieglgänsberger weist sie darauf hin, dass die Zahl der mit VG beschäftigten Sammler, Händler und Kuratoren überschaubar ist. „Man kennt sich, und man schließt sich schnell kurz“, sagt Zieglgänsberger. Nach seinen Worten bietet das Londoner Auktionshaus Sotheby’s gerade zwei Werke von Vordemberge an, das Bild „K 145“ (1944) und das Bild „K 125“ (1941) . Beide Werke, jeweils mit offenbar unzweifelhafter Provenienz, sind für 50000 bis 70000 britische Pfund gelistet. Gemälde von Vordemberge-Gildewart erzielen allerdings weitaus höhere Preise. Experten sprechen von bis zu 350000 Euro.

Über alle Zweifel erhaben sollen auch die vier Gemälde VGs sein, die sich in Osnabrücker Besitz befinden. Zwei stammten aus dem Nachlass von Vordemberges Frau Ilse Leda beziehungsweise der Familie, das vierte, „K 208“, kaufte 1996 der Osnabrücker Museums- und Kunstverein an. Verkäufer war die Londoner Galerie Juda, die unter anderem auf VG-Werke spezialisiert ist.


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