Mandela-Star antwortet Daniel Craig Idris Elba, werden Sie der nächste James Bond?

Schockiert über Mandelas Tod: Für Idris Elba hätte sein Film keinen schlechteren Starttermin haben können. Foto: dpaSchockiert über Mandelas Tod: Für Idris Elba hätte sein Film keinen schlechteren Starttermin haben können. Foto: dpa

Berlin.Als Nelson Mandela hat Idris Elba die Oscar-Nominierung verpasst. Wird der Brite mit afrikanischen Wurzeln stattdessen der neuen James Bond. Der amtierende 007 Daniel Craig hat nichts dagegen, vom , der Star aus „Thor“ und „Pacific Rim“ beerbt zu werden. Was sagt Idris Elba selbst?

Zum Star wird er in Serien wie „The Wire“ und „Luther“, das Kinopublikum kennt ihn aus Big-Budget-Produktionen wie „Thor“ und „Pacific Rim“ . Jetzt hat Idris Elba seine bislang größte Rolle gespielt: Nelson Mandela. Vor der Premiere der Filmbiografie im Berliner Zoo Palast spricht der 41-Jährige über eine Nacht in Mandelas Gefängnis auf Robben Island, über die verpasste Oscar-Nominierung und Ausgrenzung von Schwarzen aus der Geschichte des Preises. Er verrät, wie ein Helm ihm den Spaß an seiner Rolle in „Thor“ verdorben hat, und antwortet auf Daniel Craigs Vorschlag, Idris Elba zum nächsten James Bond zu machen.

Der Produzent Anant Singh hat 16 Jahre am Film über Nelson Mandela gearbeitet. Fertig wurde er ganz kurz vor dessen Tod. Hat Mandela noch etwas davon sehen können?

Ich glaube, ein paar kleine Ausschnitte hat Mandela gesehen. Mit ihm sprechen konnte ich leider nicht mehr; er war schon sehr krank, als wir gedreht haben. Aber einige seiner Weggefährten waren als Statisten dabei. Ich habe mit Ahmed Kathrada und Eddie Daniels gesprochen. Die beiden haben mir Einblicke in ihre gemeinsamen Haftjahre mit Mandela auf Robben Island gegeben und berichtet, was für ein Mensch Mandela damals war. Die beiden haben uns nicht gesagt, wie der Film zu machen ist; aber durch ihre Offenheit über Mandela haben sie viel zu seiner Wahrhaftigkeit beigetragen.

Sie haben in den letzten Jahren fantastisches Kino wie die Verfilmungen der „Thor“-Comics gemacht. Hatten Sie Hemmungen, jetzt nicht nur eine historische Figur, sondern gleich eine solche Ikone zu verkörpern?

Allerdings, das war ein Bruch mit meinen fiktiven Figuren. Und der Ruhm Mandelas ist eine Bürde – ich spiele eine eigene Deutung von ihm, ich sehe nicht einmal aus wie Mandela, und trotzdem sollen die Leute mir glauben.

Tatsächlich sehen Sie am Schluss des Films mehr wie Mandela aus als am Anfang - weil der Maskenbildner sie nicht nur altern lässt, sondern auch dem Vorbild annähert. Damit verwandeln Sie sich sprichwörtlich von einem uns heute fremden Mandela unter Waffen in den Versöhner, an den die Welt sich erinnert.

Diesen Wandel sichtbar zu machen war uns besonders wichtig. Wir wollten einen Mandela zeigen, den wir nicht mehr kennen. Der Zuschauer sollte in seine Geschichte geworfen werden. In den jungen Jahren sollte das Make-up keinerlei Ähnlichkeit herstellen, damit erst im Verlauf des Films der vertraute Mandela entsteht, der freundliche alte Mann mit dem grauen Haar.

In Südafrika ist der Film eine Woche vor Mandelas Tod ins Kino gekommen. Wie hat das seine Wirkung verändert?

Es hat die Menschen auf der ganzen Welt stark emotionalisiert. Und trotzdem ist der Film damit für mich zu einem wirklich schlechten Zeitpunkt rausgekommen. Unter dem Eindruck von Mandelas Tod kommt mir unser Film fast irrelevant vor. Ich kann mir keinen Film angucken, in dem ein Schauspieler Mandela darstellt, nachdem der echte gerade gestorben ist. Aber dem Publikum ging es nicht so; die Südafrikaner haben Mandela mit dem Film gefeiert. Er wurde zu seiner Grabrede.

Wie war die Reaktion auf Sie?

Sehr positiv, auch von den Südafrikanern – was mir viel bedeutet.

Gab es Diskussionen darüber, dass ein Brite den berühmtesten Südafrikaner spielt?

Es gab natürlich Menschen, denen das nicht gefiel. Aber Filme werden fürs Publikum gemacht, nicht vom Publikum. Man kann sich bei der Arbeit nicht nach den Reaktionen richten. Trotzdem haben sie mich noch mehr darauf eingeschworen, die Sache gut zu machen. Ich hatte einen guten Stimmtrainer. Ich war lange in Südafrika. Ich habe Robben Island besucht und eine Nacht in einer Gefängniszelle verbracht. Diese zwölf Stunden haben mir sehr geholfen, mich in Mandela einzufühlen, der hier 19 Jahre eingesperrt war. Auch an einem einzigen Tag hat die Präsenz dieses Gefängnisses mich bewegt.

Beschreiben Sie das mal.

Es ist ein beklemmendes, bedrängendes Gefühl, wie sehr man dort auf sich selbst zurückgeworfen ist. Und ich wurde wütend, dort eingepfercht zu sein – und zu wissen, dass Mandela das über Jahrzehnte für den Kampf um seine Rechte aushalten musste.

Haben Sie Mandela bestimmte Gesten abgeschaut?

Mein Vater hat mich in seinen späten Jahren in seinen Bewegungen an Mandela erinnert. Als ich Archivbilder von Mandela angesehen habe, kam mir der Gedanke, einfach meinen Vater als Vorbild zu nehmen – seine Art, den Kopf zu halten, die Hände und Hüften zu bewegen. Ich habe mir vorgestellt, dass es so auch bei Mandela aussehen müsste.

Am Set mussten Sie von einem Tag zum anderen vom 40-jährigen zum 70-jährigen Mandela springen. Wie kriegt man das handwerklich hin?

Das ist ungeheuer schwierig, fördert aber auch die Konzentration. Wenn man von einer Ära zur nächsten springt, muss man sich umso genauer vergegenwärtigen, wo in seinem Leben Mandela gerade steht, was bis dahin geschehen ist, wo er hinwill.

Sie verkörpern oft Rollen, in denen Sie Ihre körperliche Dominanz herunterspielen: Der Dealer Stringer Bell aus „The Wire“ will vom Mord zum Business, die Kraft des Wächters Heimdall in „Thor“ bleibt eine Drohung. Ist ein Mandela, der vom bewaffneten Kampf zur Macht des Wortes übergeht, eine Fortsetzung Ihrer Rollengeschichte?

Eigentlich nicht. Ich würde es zumindest anders ausdrücken: Mich interessieren paradoxe Figuren: Als „Luther“ spiele ich einen Polizisten mit einer dunklen Seite. Stringer ist ein Dealer mit dem Hirn eines Geschäftsmanns. Auch Mandela hat einen zentralen Widerspruch: Er ist der Mann, der gefoltert wurde und vergibt. Wenn es einen roten Faden gibt, dann die harten Gegensätze innerhalb des Charakters.

Zurzeit erlebt das Kino eine Welle von Filmen zur schwarzen Geschichte: „Mandela“, Tarantinos „Django“, Spielbergs „Lincoln“, Steve McQueens „Twelve Years a Slave“. Warum sind diese Stoffe nicht längst aufgegriffen worden, warum kommen sie gerade jetzt? Auf einmal sind die Filme da und triumphieren bei den Oscars.

Außer „Mandela“. – Aber die Frage ist richtig. Es sieht so aus, als würde Hollywood die Scheuklappen abnehmen. Filmemacher gewinnen einen Bezug zu echten Geschichten. Vielleicht liegt es am Internet, wo plötzlich alles zur Sprache kommt, wo wir uns erinnern, wer wir sind und woher wir kommen. Das erdet.

Hat auch Obamas Präsidentschaft einen Schalter umgelegt?

Ja, das glaube ich wirklich, zumindest unbewusst. Die Geschichte von Afroamerikanern wird dringlicher, wenn ein schwarzer Präsident regiert. Es ist noch nicht lange her, dass Schwarze Sklaven waren.

Bislang haben nur fünf schwarze Hauptdarsteller einen Oscar bekommen. Wenn Steve McQueen gewinnt, wäre das der erste schwarze Regie-Oscar. Wären Sie gern Mitglied der Academy, um bessere Entscheidungen zu fällen?

Eigentlich nicht. Wir brauchen einfach mehr Filme von Schwarzen, mehr schwarze Schauspieler – wenn ihre Arbeit dann gut ist, kommt die Anerkennung.

Keiner durchschaut, wonach die Oscars vergeben werden, aber jeder kann sehen, dass sie beispielsweise Schwarze, Asiaten und Frauen benachteiligen. Warum sind sie trotzdem der wichtigste Filmpreis?

Womöglich wegen ihrer langen Geschichte. Ich habe die Oscar-Verleihung immer im Fernsehen angesehen, mitten in der Nacht. Auch mit „Mandela“ habe ich mich all dem nicht näher gefühlt. Natürlich wäre eine Nominierung eine Auszeichnung gewesen; aber sie hätte mein Leben nicht verändert, sie hätte nichts daran geändert, wie ich meine Rollen auswähle, wie ich spiele. Anerkennung von den Kollegen ist schön, aber es geht auch ohne. Ich ärgere mich nicht über die verpasste Nominierung. Ich werde die Verleihung einfach wieder im Fernsehen ansehen.

Sie haben Blockbuster mit Danny Boyle, Kenneth Branagh, Guillermo del Toro und Ridley Scott gedreht. Wegen der Regisseure? Wegen der Budgets?

Ich entscheide nach der Rolle. Was mich interessiert, sind abwechslungsreiche Figuren. Die Rollen in „Thor“ und „Prometheus“ unterscheiden sich extrem, und mit „Pacific Rim“ hatte Guillermo del Toro eine wirklich aufregende Rolle für mich.

In „Thor“ dürfen Sie sich als Götterwächter kaum bewegen und sind unter dem Helm fast unsichtbar. Was ist daran gut?

Das Kostüm war auch noch schwer. Ehrlich gesagt, hat es den Spaß an der Rolle verdorben. Aber meine zwölfjährige Tochter mag Comic-Verfilmungen, und ich mag Rollen, die sie mag. In Teil zwei darf ich den Helm abnehmen. Einmal.

Sie verfolgen also keine Karrierestrategie? Hier der Film fürs junge Publikum, hier der fürs ältere, erst TV, dann Kino?

Meine Strategie ist, Festlegungen zu vermeiden. Ich will kein Filmschauspieler sein und kein Fernsehschauspieler. Ich will Künstler sein – in Film, Musik, Kunst. Ich probiere alles aus. Und trotz der großen Rollen habe ich letzte Woche noch als DJ aufgelegt.

Bieten Fernsehserien heute die attraktiveren Rollen?

Beim Fernsehen kann man mehr in die Tiefe gehen. Man hat Zeit, eine Rolle vor den Augen der Zuschauer zu entfalten, und muss den Charakter nicht in der ersten Szene auf dem silbernen Tablett servieren. Sogar der Schauspieler reift im Laufe einer Staffel.

Als Sie 2002 „The Wire“ gedreht haben, begann erst der Boom der Qualitätsserien. War Ihnen bewusst, woran Sie da gerade beteiligt waren?

Ich habe natürlich bemerkt, dass ich es mit einem sehr guten Buch zu tun hatte. Ich dachte, es wird eine ziemlich gute Polizeiserie. Dass es mal als eine der besten Serien der Welt gesehen würde, haben wir nicht erwartet.

Planen Sie neue TV-Projekte?

Ich arbeite an zwei Serien für die BBC und für Sky, als Produzent, nicht als Schauspieler. Eins ist eine Drama-Serie aus der Football-Welt, das andere wird actionlastiger. Bei der einen schließen wir gerade den ersten Entwurf ab, für die zweite suche ich Autoren. 2015 sollte etwas zu sehen sein.

Was reizt Sie am Produzieren?

Es ist ein neuer Blick auf das Filmen. Ich bin viel enger in die Drehbucharbeit eingebunden und bin derjenige, der die Qualität kontrolliert.

Herr Elba, es gab kürzlich heftige Gerüchte, dass Sie der nächste James Bond werden könnten.

Und es ist wirklich ein Gerücht. Ich habe keine Ahnung, wer es in die Welt gesetzt hat. Aber es hat an Dynamik gewonnen, als Daniel Craig sagte, ich wäre ein guter Bond.

Würden Sie zusagen?

Es wäre eine Ehre. Warum nicht?

Vita

Idris Elba wird am 6. September 1972 als Idrissa Akuna Elba in London geboren. Sein Vater arbeitet bei Ford und hat für seinen Sohn eine ähnliche Karriere im Sinn.Ein Stipendium ermutigt Idris Elba aber, stattdessen mit 16 die Schule zu verlassen und sich am National Youth Music Theatre weiterzubilden. Seine ersten Rollen absolviert er – vergleichsweise unglamourös – in der BBC-Reihe „Crimewatch“, einem Pendant zu „Aktenzeichen XY .. ungelöst“. Er erprobt sich als HipHopper und legt unter dem Namen Big Driis in Nachtclubs Platten auf. Über erste Serienauftritte fasst er im Fernsehen Fuß; den internationalen Durchbruch erreicht er dann mit der Rolle des Dealers Stringer Bell in der HBO-Serie „The Wire“ (2002-2008). Als ambivalenter Titelheld der BBC-Serie „Luther“ (seit 2010) gewinnt er einen Golden Globe. Seit Langem ist Elba auch im Kino präsent, wo er in Blockbustern von Vorzeige-Regisseuren spielt: In Kenneth Branaghs Verfilmung der „Thor“-Comics (2011) ist er der Wächter Heimdall, in Guillermo del Toros „Pacific Rim“ (2013) ein militärischer Befehlshaber. Als Nelson Mandela ist er gerade in den Kinos zu sehen – das kleine Bild zeigt ihn in der Maske des gealterten Mandela. Trotz starker Darstellerleistungen geht der Film von Justin Chadwick nur mit einer Oscar-Nominierung ins Rennen– der für den besten Song (U2). Elba lebt in London und hat eine zwölfjährige Tochter: Isan.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN