Eine besondere Herausforderung Pianist Haiou Zhang spielt in Osnabrücker Schlossaula

Gefeierter Pianist Haiou Zhang spielt mit dem Sinfonieorchester der Uni Osnabrück in der Schlossaula. Foto: Michael GründelGefeierter Pianist Haiou Zhang spielt mit dem Sinfonieorchester der Uni Osnabrück in der Schlossaula. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Andrang war immens: Für ein Konzert des Sinfonieorchesters der Universität Osnabrück musste man vor dem Schloss Schlange stehen. Wer zu spät kam, musste sich mit Stehplätzen im hinteren Bereich der Schlossaula begnügen.

Der Grund: Als Solokünstler stand Pianist Haiou Zhang auf dem Programm. Der 30-jährige chinesische Musiker hat sich im Laufe seiner Karriere zu einem international gefragten Pianisten entwickelt, einem der erfolgreichsten seiner Generation.

Das gemeinsame Musizieren mit dem gefeierten Solisten bedeutete für das Sinfonieorchester, das zum großen Teil aus Studierenden des Fachs Musik besteht, eine besondere Herausforderung. Doch bevor es mit dem 2. Klavierkonzert von Johannes Brahms ernst wurde, durfte das Orchester unter der Leitung von Universitätsmusikdirektorin Claudia Kayser-Kadereit zunächst allein zeigen, zu welchen Leistungen es fähig ist. Die Ouvertüre zur Oper „La forza del destino“ von Giuseppe Verdi bereitete der Klangkörper lebhaft auf. Der Wechsel zwischen schicksalhaften Fanfaren und romantischen Violinen wurde schwelgerisch zelebriert.

Dann betrat Haiou Zhang die Bildfläche. Dynamisch beflügelte er die Sinfoniker mit seinem energisch-analytischen Anschlag. Besonders im langsamen dritten Satz des 2. Klavierkonzerts B-Dur op. 83 bestach seine Interaktion mit den solistisch agierenden Celli. Dass Haiou Zhang in Osnabrück auf ein semiprofessionelles Orchester traf, bereitete dem virtuosen Profi keine Probleme, da er sich zum Ziel gesetzt hat, junge Talente zu fördern. In Buxtehude hat er ein eigenes Musikfestival gegründet, das sich die Auseinandersetzung junger Menschen mit klassischer Musik und die Talentförderung auf die Fahnen geschrieben hat.

Außerdem verriet der Chinese, dass er sich auf besondere Weise mit Osnabrück verbunden fühlt: „Meine erste Station in Deutschland, nachdem ich vor elf Jahren in Peking mein Diplom bestanden hatte, war Osnabrück“, sagte er, bevor er seine Fähigkeiten noch einmal mit zwei Zugaben unter Beweis stellte.

Zunächst interpretierte er „Prélude & Nocturne op. 9 für die linke Hand“, die Alexander Scriabin 1894 schrieb, als ihn eine Erkrankung der rechten Hand zu einhändigem Spiel zwang. Welch ein Genuss, diese beiden Parts zu hören, deren Interpretation manch einem Pianisten gerade mal mit zwei Händen gelingt. Zum Schluss belohnte Haiou Zhang das Publikum mit beschwingten Melodien: „La Valse“, die Auseinandersetzung Maurice Ravels mit dem Walzer, sorgte schließlich für einen nicht enden wollenden, begeisterten Applaus.


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