Drei Gründe für den Wandel Museen verändern sich immer schneller



Osnabrück. Das Beispiel der Kunsthalle Mannheim belegt einen Trend: Kunstmuseen werden immer schneller ersetzt oder umgestaltet. Dadurch verändert sich das Museum selbst.

Ein Museum steht für Dauer und Tradition. Schließlich bewahrt es kostbare Exponate vor dem Verfall und stoppt damit, wenigstens ein wenig, den Lauf der Zeit. Aber gilt das wirklich noch? Das Beispiel der Kunsthalle Mannheim zeigt, wie schnell Kunstmuseen heute ersetzt oder zumindest umgestaltet werden. In Mannheim soll für die neue Kunsthalle ein Bau abgerissen werden, der erst in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts errichtet wurde. Damit steht Mannheim nicht einmal allein da. In Essen wurden Ende 2009 das Museum Folkwang und das Ruhrlandmuseum niedergelegt, um dem von David Chipperfield geplanten neuen Museum Folkwang Platz zu machen. Die Vorgängerbauten waren da gerade einmal 30 Jahre alt. Dieser rapide Rhythmus beeindruckte selbst den Architekturstar Chipperfield. Die Entschlossenheit, mit der das alte Folkwang abgerissen worden sei, habe ihn erstaunt, sagte Chipperfield Anfang 2010 vor der Presse. Der Akt zeige, dass Architekten offenbar auch irren könnten - mit ihren Bauten jedenfalls.

Doch worin liegt es, dass Museumsbauten eine immer kürzere Halbwertzeit haben? Dafür gibt es drei Gründe:

Erstens: Die Anforderungen an den Umgang mit teuren Leihgaben für große Wechselausstellungen steigen immer weiter. Wer kostbare Exponate für sein Museum einwerben will, muss exzellente Bedingungen vorhalten. Das betrifft Anlieferung, Restaurierung und Raumklima. Die damit verbundenen technischen Innovationen lassen Museumsbauten und ihre technischen Möglichkeiten immer schneller veralten. Der Trend wird durch immer neue Verkaufts- und Auktionsrekorde angetrieben. Wo Preise für Spitzenwerke der Kunst steigen, schießen auch Versicherungspolicen in die Höhe. Gute Kunst zu zeigen, wird immer teurer und technisch immer aufwendiger.

Zweitens: Hohe Besucherzahlen haben ihren Preis. Gerade große Sonderausstellungen ziehen immense Besuchermassen an. Diese regelrechten Ströme müssen bewältigt werden. Die Anforderungen an Empfangsräume, Garderoben, Restaurants, Shops, aber auch an die Räume für die Kunstvermittlung sind in den letzten Jahren regelrecht explodiert. Das hat Folgen für die Museumsbauten. Ältere Bauwerke halten oft nicht die erforderlichen Raumangebote vor. In der heutigen Zeit rächt sich dieses Defizit. Denn Besucher erwarten in Museen nicht nur beste Kunst, sondern auch sehr gut Aufenthaltsqualität. Deshalb entfallen bei Museumsneubauten oder Anbauten viele Quadratmeter auf die Räume für die Besucher.

Drittens: Museumsbauten sind selbst zu Image- und Werbeträgern geworden. Eine möglichst moderne Architektur hilft, nicht nur die Museen, sondern gleich ganze Städte auf der Landkarte der Kuktur und im Wettbewerb der Standorte zu platzieren. Stadtplaner, Werbefachleute und Kommunalpolitiker hängen gerade an Museumsbauten zum Teil extreme Erwartungen. Vor allem Kunstmuseen sollen urbane Umfelder aufwerten, Touristen anziehen, Städte lebenswerter machen. Der Erfolg der Kunstmuseen erzeugt einen neuen Leistungsdruck.

Mit all dem verändert sich der Stellenwert des Museums selbst. Gerade Kunstmuseen sind nicht länger nur Container der Kunst und Stätten der Forschung, sondern vor allem Markenzeichen und Trendsetter. Museen haben sich, gleichsam qua Auftrag, immer gegen die Zeit gestellt, Moden und Trends an sich vorüber ziehen lassen. Das ändert sich gerade. Als Trendsetter sind die Museen viel mehr als jemals zuvor Zeichen ihrer Zeit. Das wird für den Stellenwert der Museen in der symbolischen Kultur nicht ohne Folgen bleiben. Museen sind nicht länger nur Speicher, sie werden auch zu Eventzonen - auch dadurch, dass sie in den letzten Jahren immer mehr zu Orten der Wechselausstellung geworden sind.


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