André Lindhorst: Diese Dinge sind nicht verwirklicht worden Tops und Flops einer Kunsthallen-Ära

So kannte man ihn aus der Kunsthalle Osnabrück: Leiter Andé Lindhorst hat selbst immer mit angepackt. Foto: Michael HehmannSo kannte man ihn aus der Kunsthalle Osnabrück: Leiter Andé Lindhorst hat selbst immer mit angepackt. Foto: Michael Hehmann

Osnabrück. Zweiter Teil des Interviews mit André Lindhorst: Der ehemalige Leiter der Kunsthalle Osnabrück spricht über Glücksgefühle und Niederlagen.

Wie haben Sie Ihre Arbeit in der Kunsthalle erlebt?

Als spannend und lustvoll. Es kommt ja darauf an, Ziele umzusetzen. Zum Glück konnte ich überwiegend autonom handeln. Ausnahmen waren sicher die Ausstellung zum Jubiläum des Westfälischen Friedens, die Ausstellung mit Kunst zum Thema Auto und die Präsentation von Kunst zum Thema Coca-Cola.Welche Ausstellung hatte die meisten Besucher?

Wahrscheinlich die Coca-Cola-Ausstellung mit rund 20000 Besuchern. Da hat sicher die weltbekannte Marke geholfen, verbunden mit einer starken PR. Auf Besucherzahlen habe ich allerdings nicht zu sehr geschaut. Ausstellungen mit Cartoons haben aber geholfen, die Besucherzahlen auf einem guten Niveau zu halten. Die Projekte mit Patricia Waller und Werner Büttner haben Akzente der Ironie gesetzt. Das war mir besonders wichtig.

Die Kunsthalle ist ja kein einfacher Raum. Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich habe mir den Raum gleich als Modell nachgebaut. Dieses Modell habe ich mit mir herumgeschleppt, auch zu den Künstlern. Ich habe jeden Künstler, den ich ausgestellt habe, darum gebeten, seine Werke in diesem Modell zu platzieren. Ich habe durch das Modell geschaut und mir die Wirkungen der Exponate klargemacht. So habe ich die Ausstellungen entwick

Wo ist dieses Modell heute?

Das ist noch in der Kunsthalle. Das überlasse ich gern meiner Nachfolgerin.

Welche Künstler waren für Sie wichtig?

Günter Uecker zum Beispiel. Als ich ihn in seinem Atelier besucht habe, hatte er sofort Werke für die Kunsthalle parat, und ich wusste, dass er den großen Raum damit bewältigen würde. Mich haben auch immer jene Künstler fasziniert, die bereit waren, speziell für die Kunsthalle Werke zu entwickeln. Max Uhlig hat zum Beispiel eine Hommage an Felix Nussbaum geschaffen. Die befindet sich heute in der städtischen Sammlung. Ich erinnere mich auch gern an Künstler, die an Hochschulen arbeiten, etwa Volker Stelzmann oder Lili Fischer. Diese Künstler haben auch gute Kontakte zu jungen Nachwuchsleuten vermittelt, denen ich zugetraut habe, den großen Raum der Kunsthalle angehen zu können. Zu den regionalen Künstlern, mit denen ich gern gearbeitet habe, gehören die Maler der Gruppe „Melpomene“, mit denen ich einen Austausch mit Moskauer Künstlern initiiert habe.

Welche war die gelungenste Ausstellung in der Kunsthalle ?Welche war die gelungenste Ausstellung in der Kunsthalle ?Welche war die gelungenste Ausstellung in der Kunsthalle ?

Ich fand die Kunst zum Thema Auto von 2001 sehr interessant. Auch die Dialoge zwischen alter und junger Kunst, die mit der Sammlung Rusche inszeniert werden konnte, haben mich fasziniert. Leider setzt die Kunsthalle Ausstellungsprojekten auch Grenzen, weil der Raum nicht klimatisiert ist. Mich freut gerade auf diesem Hintergrund, in meiner letzten Ausstellung auch ein Bild von Anselm Kiefer zeigen zu können.

Welche Themen waren Ihnen wichtig?

Mir war immer wichtig, dass die Kunst in der Zeit stand. Solche Kunst interessiert auch das Publikum mehr. Mir liegen Künstler, die ein Stück Politik in die Kunst hereinholen. Deshalb habe ich Themen wie Körper , Natur oder Landschaft gesetzt. Wie verändert sich die Gesellschaft? Ich habe versucht, dieser Frage nachzuspüren, auch mit Kunst aus Australien oder mit der aktuellen Street Art. Mir ging es nicht um die Kunst, die auf den Kunstmessen gezeigt wird und eigentlich immer gleich aussieht.

Sie haben mit der Arte Regionale ein Format für die Region entwickelt. Hat es funktioniert?

Ich habe mich gefragt, welche Möglichkeiten die regionale Kunst bietet. Ich wollte nicht die Jahresausstellungen des Bundes Bildender Künstler immer weiter fortsetzen. Also habe ich mit anderen zusammen eine Jury gebildet und Künstler für die erste Arte Regionale 1996 ausgewählt. Das lief gut an, mit vielen Teilnehmern aus der Region. Das Format hat sicher etwas bewirkt. Künstlerinnen und Künstler haben sich spürbar weiter entwickelt. Am liebsten hätte ich die Arte Regionale zu einem Format eines Städtedreiecks ausgeweitet, bis hin nach Bielefeld oder Münster. Immerhin kamen durch die Arte Regionale auch jene Osnabrücker Künstler in den Blick, die gar nicht in Osnabrück leben, sondern auch auswärts aktiv sind. Natürlich habe ich auch viele Atelierbesuche in der Region entwickelt.

Was waren Ihre Flops?

Ich würde nicht von Flops, sondern von Enttäuschungen sprechen. Dazu gehört vor allem, dass es Pläne gab, die Kunsthalle zu schließen. Das hat mein Team und mich hart getroffen, ebenso wie Diskussionen, auf die Stadtgalerie zu verzichten. Leider ist es auch nicht gelungen, die Museumsmeile städtebaulich umzusetzen. Damit wäre es auch leichter gewesen, Marketing und Sponsoring zu verbessern. Wir haben es nicht hingekriegt, den Eingang der Kunsthalle nach vorn zu verlegen. Da haben nicht alle an einem Strang gezogen. Es ist auch nicht dazu gekommen, den Innenhof zu überdachen, um einen Raum für die Kunstvermittlung zu haben. Diese Dinge sind unter meiner Leitung nicht verwirklicht worden.

Und Ihre größten Glückserlebnisse?

Jedes Gespräch mit Menschen, die ich für die Kunst begeistern konnte. Zu den Glücksgefühlen gehörte immer das gute Einvernehmen meines Teams. Gemeinsam haben wir viele Herausforderungen bewältigt. Glücksgefühle haben mir auch Künstler beschert, zum Beispiel Markus Lüpertz. Das Gespräch mit Lüpertz habe ich als besonders inspirierend erlebt. Meine ganz persönlichen Glücksgefühle hatte ich auch nach der Vernissage, allein mit der Kunst. Dann habe ich immer gespürt, dass die Dominikanerkirche lebt.

Ist die Kunsthalle Dominikanerkirche für Sie immer eine Kirche geblieben?Ist die Kunsthalle Dominikanerkirche für Sie immer eine Kirche geblieben?Ist die Kunsthalle Dominikanerkirche für Sie immer eine Kirche geblieben?

Ja, immer. Ich habe an die vielen Menschen gedacht, die in dem Raum mit Botschaften überhäuft und mit Ästhetik beglückt worden sind. Die Kunst hat dagegen eine freie Botschaft gesetzt. Diese Kirche hat als Kunsthalle eine Botschaft von Demokratie und Liberalität gegeben.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN