Ein Bild von Ralf Döring
09.12.2013, 06:00 Uhr KOLUMNE

Russische Musik im neuen Licht

Von Ralf Döring


Osnabrück. Für seine letzte CD mit Musik amerikanischer Komponisten ist das Dogma Chamber Orchestra mit einem Klassik-Echo ausgezeichnet worden. Jetzt eröffnet das Orchester einen neuen Blick auf die Musik von Dmitri Schostakowitsch: mit der Orchesterfassung der 24 Präludien für Klavier op. 34 und dem Quartett Nr. 8 op. 110 in der Fassung für Streichorchester.

Mit seinen CD-Titeln gibt sich das Dogma Chamber Orchestra puristisch: Sie werden schlicht durchnummeriert. Nach Tschaikowsky und amerikanischer klassischer Moderne widmet sich der Klangkörper unter der Leitung des russischen Geigers Mikhail Gurewitsch auf der Nummer drei Dmitri Schostakowitsch . Seltsam mutet dabei an, dass das Orchester einerseits den Namen der dänischen Regie-Puristen der „ Dogma “-Bewegung führt, andererseits aber Präludien für Klavier auf Orchesterstärke aufpumpt. Ist das nicht so ziemlich genau das Gegenteil dessen, was Dogma als Ziel formuliert hatte, nämlich weg von der Opulenz, zurück zur nackten, authentischen Erzählung? Nun, die Orchestrierung der Präludien durch Grigory Korchmar verabreicht der Klaviermusik keine klanglichen Anabolika, sondern beleuchtet die Miniaturen neu. Kammermusikalisch präzise und gern auch kammermusikalisch besetzt, öffnen sich 24 Fenster zur Musik Schostakowitschs; ein musikalisches Psychogramm zeigt den Komponisten in seiner Verspieltheit und seinem Hang zu Sarkasmus, seiner Vorliebe für den Salon, aber auch den Hang zur Depression. Dabei interpretiert das Orchester die Werke so, als seien sie für nichts anderes als für Kammerorchester komponiert – Gleiches gilt auch für das achte Streichquartett op. 110, das ebenfalls in der Orchesterfassung erklingt. Anstelle von schwülstigem Vibrato tritt die Energie des geradlinigen Tons, zum Mehr an Muskeln treten Herz und Hirn –fein.

Dogma Chamber Orchestra: The Shostakowic Album. Berthold Records.