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„Mein Kampf“: Neu-Edition“ Historiker wollen Hitlers Buch entzaubern

Von Joachim Göres

<em>Gefährliches Buch:</em> „Mein Kampf - 1. Band“ von Adolf Hitler wird hier im Kunstmuseum in Solingen (Nordrhein-Westfalen) in der Ausstellung „Die verbrannten Dichter“ gezeigt. Foto: dpaGefährliches Buch: „Mein Kampf - 1. Band“ von Adolf Hitler wird hier im Kunstmuseum in Solingen (Nordrhein-Westfalen) in der Ausstellung „Die verbrannten Dichter“ gezeigt. Foto: dpa

Hannover. „Mein Kampf“ von Adolf Hitler ist ein Bestseller . Brautleute bekamen es in der Nazizeit auf Staatskosten geschenkt. Als das Dritte Reich 1945 in Trümmern lag, gab es insgesamt 1000 Auflagen mit zwölf Millionen Exemplaren. Bis heute ist das Buch in Deutschland nicht verboten, aber es darf nicht nachgedruckt werden, da die Rechte beim Freistaat Bayern liegen. Bis Ende 2015.

Dann sind 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers vergangen und der antisemitische Text aus den 20er-Jahren, der die Ermordung der Juden und die Kriegsexpansion propagiert und vorwegnimmt, darf publiziert und anders als heute auch beworben werden. „Das wird auch geschehen, denn die Herausgabe von ,Mein Kampf‘ ist ein gezielter Tabubruch, mit dem mit Sicherheit Menschen Geld verdienen wollen“, sagt Christian Hartmann . Der renommierte Historiker will selbst „Mein Kampf“ in neuer Form herausbringen – über seine Gründe sprach er am Donnerstagabend auf einer Veranstaltung des Literarischen Salons in Hannover.

Hartmann leitet am Münchner Institut für Zeitgeschichte ein Projekt, bei dem sechs Wissenschaftler eine kommentierte Neuausgabe bis 2016 schaffen wollen. Dabei sollen die ideologischen Quellen offengelegt werden, auf die sich Hitler stützt. Seine Aussagen sollen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft, das von ihm formulierte Gedankengebäude analysiert werden. Kurz gesagt: die Autoren nehmen Hitlers zentralen Text ernst und wollen ihn mit wissenschaftlichen Mitteln entzaubern. Von Überlegungen, Neuausgaben ab 2016 mit rechtlichen Mitteln zu verhindern, hält Hartmann nichts: „Über das Internet wird ,Mein Kampf‘ doch sowieso schon verbreitet, und dagegen gibt es keine rechtliche Handhabe.“

Wer sich mit „Mein Kampf“ auseinandersetzen will, der wird einen langen Atem brauchen. Durch Fußnoten wird das 800 Seiten umfassende Buch vermutlich doppelt so dick werden. Dafür bekommt der Leser nicht nur einen konzentrierten Einblick in Hitlers politisches Verständnis, sondern es wird auch herausgearbeitet, welche erzieherischen Vorstellungen er hatte, auf welche Rolle die Frau bei ihm reduziert wurde oder wie der Sport zur Schaffung eines „neuen Menschen“ eingesetzt werden sollte. Schließlich wird es auch darum gehen, welche Bedeutung „Mein Kampf“ überhaupt hatte. Da sind sich die Experten allerdings nicht einig.


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