Kunsthalle Bielefeld zeigt Teepe und „VG“ Großer Auftritt für Osnabrücker Künstler

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Bielefeld. Zwei Osnabrücker Künstler haben gerade in der Kunsthalle Bielefeld ihren großen Auftritt: Friedrich Teepe und Friedrich Vordemberge-Gildewart.

Vordemberge-Gildewart (1899-1962) gilt als Klassiker der konstruktiven Kunst. Er gehört zu den großen Künstlern der Moderne. Friedrich Teepe (1929-2012) war bislang eher in der Osnabrücker Region bekannt. Doch nun sind beide in einer Überblicksschau vertreten, die die Kunsthalle Bielefeld zum Thema Kunst und Textil ausrichtet. Vom 17. November 2013 bis zum 16. Februar 2014 heißt es in dem Haus: „To open eyes“. Unter diesem Titel wird Kunst vom Bauhaus bis zur Gegenwart ausgebreitet. Mit Künstlern wie der Bauhaus-Klassikerin Anni Albers, dem Geheimtipp Blinky Palermo oder der Starkünstlerin Rosemarie Trockel ist die Präsentation stark besetzt. Im Zentrum stehen Werke, die aus Textil als Material geformt sind und damit eine Kunst formulieren, die als Alternative zu den Meisterwerken der Malerei oder den mehr technisch basierten Künsten wie dem Video gilt.

In diesem Kontext haben die beiden in Osnabrück geborenen Künstler einen eindrucksvollen und in beiden Fällen so nicht erwartbaren Auftritt. Vordemberge-Gildewart überrascht mit selten präsentierten Entwürfen für Teppiche. Und Friedrich Teepe dadurch, dass er überhaupt dabei ist. „Teepe verdient eine Neubewertung“, sagt Kunsthallen-Direktor Friedrich Meschede. Er wertet den Künstler, der ansonsten meist nur in Osnabrück gezeigt wurde, als ganz große Entdeckung. Die Kunsthalle zeigt aus dem Nachlass des Künstlers drei Textilobjekte von 1973 und 1983. Anfang der siebziger Jahre fertigte Teepe aus brauner Leinwand und Leim quadratische Bildobjekte. Kleine keilförmige Bildelemente erreichte er durch Faltungen in dem Material. Ein Jahrzehnt später schuf Teepe eine feuerrote Hängearbeit, die jetzt gleichfalls in dem Museum gezeigt wird. Die Präsentation befördert Teepe in die erste Liga der Kunst. Künstler und Werk erfahren dadurch eine spürbar neu justierte Einschätzung.

Friedrich Vordemberge-Gildewart spielt in der ersten Liga der Kunst schon lange mit. Osnabrück feiert derzeit das VG-Jahr. Anlass ist der 50. Todestag des Künstlers am 19. Dezember 2012. Bielefeld präsentiert nun vier Entwürfe, die Vordemberge-Gildewart 1939 für den Amsterdamer Designhersteller Metz gefertigt hat. Die kleinformatigen Werke aus einer Privatsammlung überraschen mit Thema und Bezug, weisen aber auch die typischen Gestaltungszüge des oft nur „VG“ genannten Künstlers auf. Der malte seine quadratischen und rechteckigen Entwürfe mit Gouache-Farben auf Stücke von Raufasertapete, die er wiederum auf Karton montierte. Mit dem malgrund der Raufasertapete simulierte Vordemberge-Gildewart die textile Anmutung des künftigen Teppichs. Mit senk- und waagerechten Streifenlagen gestaltete er seine Entwürfe, die allerdings nicht ausgeführt wurden.

Gegensätzlicher können die Entwürfe der Osnabrücker Künstler damit kaum sein, auch wenn beide mit abstrakt-geometrischen Formen operieren. „VG“ setzt auf eine Musterästhetik, Teepe auf den Reiz des Materials. Vordemberge-Gildewart überträgt seine konstruktiven Bildideen in das textile Medium. Teepe hingegen nutzt textiles Material, um seine Kunst provokativ zu verfremden. Einen großen Auftrtt feiern sie nun beide - in der Kunsthalle Bielefeld.


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