Programm „Ich doch nicht!!!“ Mirja Boes analysiert Geschlechterrollen

Ist erwachsen und Mutter geworden: Mirja Boes kommuniziert nach wie vor mit dem Publikum. Foto: Swaantje HehmannIst erwachsen und Mutter geworden: Mirja Boes kommuniziert nach wie vor mit dem Publikum. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Jetzt ist Mirja Boes erwachsen. Sogar Mutter von zwei Kindern. Sie braucht nicht mehr, wie in dem Programm „Morgen mach´ ich Schluss! ...Wahrscheinlich!“, in ihren Erinnerungen an pubertäre Techtelmechtel zu kramen. Stattdessen gibt sie dem weiblichen Publikum Faustregeln zum Mutterdasein mit auf den Weg. In der Osnabrückhalle präsentierte sie ihr aktuelles Programm „Ich doch nicht!!!“.

Hat man sich vor fünf Jahren noch gefragt, welch frag- bis merkwürdige feministische Position die blonde Komödiantin auf der Bühne einnimmt, so stellt sie sich jetzt aus eigener Erfahrung auf die Seite der Frauen, die schon ein Kind bekommen haben oder demnächst den Weg in den Kreißsaal antreten.

Zur Freude des männlichen Publikums bleibt sie aber nicht beim Thema Kinderkriegen mit allen möglichen Begleiterscheinungen, sondern beginnt, Geschlechterrollen im Allgemeinen zu analysieren. Die ach so realistische Selbstwahrnehmung der Frauen seziert sie genauso mit Schmackes wie das Verhalten des Mannes, der zu Hause „wohnt“, also lässig abhängt, wenn die bessere Hälfte mal zum Zahnarzt muss – statt den Dachboden aufzuräumen.

Es ist eine unterhaltsame Mischung aus präparierten Sketchen und Improvisation, die die selbst ernannte „Königin des Chaos“ dem begeisterten Publikum präsentiert. Zunächst erklärt sie sich mit zwei schwangeren Frauen im Publikum solidarisch, ohne diese sonderlich aufzubauen: Sie lässt keinen Zweifel daran, dass eine Geburt schmerzhaft ist. Nachdem sie ausführlich aus dem familiären Nähkästchen geplaudert hat, switcht sie zu anderen Themen: Ob Penisneid oder Autofahren, es geht immer um das eine: die Unterschiede zwischen Mann und Frau. Dabei scheut sie sich nie, mit dem Publikum zu kommunizieren, denn das ist ihre Stärke. Dass sich der von Boes’ Schlagfertigkeit geprägte Dialog bisweilen schwieriger gestaltet als beispielsweise vor fünf Jahren im Rosenhof, liegt wohl an der Größe des Europasaals.

Alsbald schlüpft die geborene Sabbelschnute in die Rolle der schrägen Beauty-Expertin Valerie Danzer: Sascha aus der ersten Reihe bekommt mal eben mithilfe von Perücke, Tattoo und George-Clooney-Maske ein schrilles Outfit verpasst. Als Boes beginnt, Wünsche und Sorgen vorzulesen und zu kommentieren, die Zuschauer auf Zetteln für sie niedergeschrieben haben, erweist sich das als gelungener dramaturgischer Trick: Boes bezieht das Publikum noch intensiver in die Show mit ein und füllt das Programm, ohne sich selbst Gags ausdenken zu müssen. Inklusive Telefonanruf bei Fan Ricardas Schwiegermutter, um deren Komplimente weiterzuleiten.

Als zwischendurch zwei junge weibliche Zuschauerinnen den Saal verlassen, erklärt Mirja Boes dem Restpublikum nicht ohne Hintersinn deren Verhalten: „Die haben jetzt erst gemerkt, dass ich nicht Mario Barth bin!“


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