Bruchlandung mit neuen Autoren Enttäuschend: „Asterix bei den Pikten“

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dö Osnabrück. Nach vier Jahren gehen Asterix und Obelix wieder auf Reisen: An diesem Donnerstag kommt der 35. Band mit den beiden gallischen Comic-Helden in den Handel. Diesmal führt sie ihre Mission in den Norden Schottlands, zu einem Volk, das die alten Römer schon kannten: zu den Pikten.

Am heutigen Donnerstag beginnt eine neue Zeitrechnung, liegt eine Stunde null des kleinen gallischen Dorfes. Denn heute erscheint nicht nur der neue Asterix -Band. Dieses 35. Abenteuer der heiß geliebten Gallier ist das erste, das ohne einen der beiden Schöpfer, Texter René Goscinny und Zeichner Albert Uderzo , zustande gekommen ist. Na gut, fast: Als Berater hat der Zeichner schon über das neue Autorenteam gewacht.

Mit dem Wechsel gingen Hoffnungen einher. Denn seit dem Tod von Goscinny 1977 befindet sich der gewitzte Gallier im humoristischen Sinkflug. Zwar behielten Gallier wie Römer ihr perfektes Äußeres – da war Uderzo eben ein Meister seiner Zunft. Doch an den Sprachwitz und das dramaturgische Geschick von Goscinny reichte Uderzo nie heran. Die Geschichten verloren ihre Raffinesse, und statt fein gesetzter Pointen machte sich brachialer Klamauk breit.

Schließlich musste Uderzo auch den Zeichenstift aus der Hand legen und, 86-jährig, ein Nachfolgerteam bestimmen: Jean-Yves Ferri hat „Asterix bei den Pikten“ getextet, Didier Conrad hat die Reise zu den schottischen Völkern gezeichnet. Schottisch?
Jawohl: Die römische Armee schlug sich auch schon mit den Völkern herum und verpasste ihnen, wegen ihrer Tätowierungen, ihren Namen, der sich vom Lateinischen „picti“ (deutsch: die Bemalten) herleitet.

Damit führt das neue Team die Tradition fort, Asterix und Obelix an historische Orte zu führen und die Abenteuer an historische Tatsachen zu knüpfen. Diesmal fischen Asterix und Obelix einen tiefgefrorenen Mann aus dem Meer, der sich, tätowiert und mit Kilt, als Pikte namens Mac Aphon entpuppt. Den Mann umgibt ein Geheimnis, Druide Miraculix findet heraus, dass es sich um einen Pikten handelt, und los geht die Abenteuerreise. Im weiteren Verlauf werden allerhand Schottenklischees durchdekliniert, vom Baumstamm-Weitwurf bis zum Whisky, eine Liebesgeschichte und das Ungeheuer von Loch Ness werden eingewoben, Hadrian’s Wall wird gebaut, und auf Seite 48 sitzen die Gallier beim großen Festmahl.

Der Ort der Handlung weckt Erinnerungen an einen frühen Trip der gallischen Freunde auf die Insel: „Asterix chez les Bretons“ hieß der Band aus dem Jahr 1966, der 1971 in deutscher Übersetzung herauskam. Damals befanden sich Goscinny und Uderzo auf dem Höhepunkt ihrer Kreativität und ihres Witzes: Mit feiner Ironie haben sie die Eigenheiten der Briten aufs Korn genommen, von der Art, sich auszudrücken („Ich muss schon sagen. Dieses Schauspiel ist überwältigend. Ist es nicht?“), über Gepflogenheiten wie den Fünf-Uhr-Tee bis zum vor allem für Obelix schwer nachzuvollziehenden Faible für schlechtes Essen im Allgemeinen sowie Minzsoße und lauwarmes Bier im Speziellen. Der britische Rasen und sogar die Beatles-Mania fügen sich in perfekt getimten Pointen harmonisch in die Geschichte.

Davon ist das neue Team weit entfernt. Alte Running Gags werden gnadenlos unmotiviert verbraten: Der „Wer-ist-hier-dick?“-Ausraster von Obelix knüpft sich an ein Missverständnis, das als Pointe nicht funktioniert – welche Funken haben Goscinny und Uderzo in „Asterix als Legionär“ daraus geschlagen! Liest man nach, wie Obelix sich in eine Römeruniform der Größe „mittel“ zwängen will, wird das ganze Dilemma der „Asterix“-Fortschreibung seit dem Tod von Goscinny offenbar, und das ziemlich schmerzlich.

Immerhin: Zeichnerisch führt Conrad das große Erbe annehmbar weiter. Aber auch hier setzt sich der Trend zur Vergröberung fort: Gallier-Häuptling Majestix schaut noch ein bisschen verdutzter als früher, der Dorfälteste Methusalix ist noch ein bisschen vergreister, und First Lady Gutemine schaut gar ein wenig verhärmt. Sie scheint in die Jahre gekommen zu sein – so wie das neue Autorenteam Asterix, diesen Stern am Comic-Firmament, nicht auf alten Glanz polieren kann. Schade. Bei Lucky Luke, dem Comic-Kollegen von Asterix und Obelix, hat der Stabwechsel besser geklappt.

Asterix bei den Pikten. Text: Jean-Yves Ferri, Zeichnungen: Didier Conrad. 48 S. Egmont Ehapa Verlag, 6,50 Euro. (Softcover); Egmont Comic Collection (Hardcover) 12 Euro.


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