Egmont, der sympatische Herrscher Musica pro Pace: Andreas Hotz dirigiert Beethoven

Kenntnisreicher Beethovendirigent: Der Osnabrücker Generalmusikdirektor Andreas Hotz. Foto: Hermann PentermannKenntnisreicher Beethovendirigent: Der Osnabrücker Generalmusikdirektor Andreas Hotz. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Die Osnabrücker Friedensgespräche haben ein musikalisches Äquivalent: Musica pro pace. In diesem Jahr hat das Osnabrücker Symphonieorchester unter Andreas Hotz das Konzert ausgerichtet. Auf dem Themenzettel standen „Tragische Helden“.

Osnabrück. Bei Beethoven war dann alles gut. Vergessen das Bratschenkonzert von Christian Wilhelm Westerhoff , dessen Charme die Solistin nicht so recht entfalten konnte. Verziehen die Ouvertüre zu Richard Wagners monumentaler Frühoper „Rienzi, der letzte der Tribunen“, die zwar dank ihrer Ohrwurm-Melodien Eingang ins Klassik-Wunschkonzert gefunden hat, aber auch im eitlen Stechschritt daherstolziert wie ein aufgeplusterter Pfau. Zudem versinkt manches im Klanggetümmel eines dicken Orchestersatzes – als Auftakt zum diesjährigen Musica-pro-pace-Konzert bieten Andreas Hotz und das Osnabrücker Symphonieorchester einen wahrlich fetten Brocken.

„Tragische Helden“ stand über dem Konzert zum Osnabrücker Friedenstag – nun, auf Christian Wilhelm Westerhoff und sein Bratschenkonzert war das kaum gemünzt: Ein heiteres Werk hat der Osnabrücker Komponist da geschrieben. Er schlägt damit kein neues Kapitel in der Musikgeschichte auf, aber eine Facette im Bild der Mozart- und Haydn-Epoche ist es doch. Schade nur, dass Solistin Peijun Xu nicht als draufgängerische Virtuosin auf der Bühne der Osnabrückhalle stand, sondern dem Stück etwas zaghaft zu Leibe rückte – dabei hätte etwas mehr Selbstbewusstsein dem Solopart in jeder Hinsicht gutgetan. Zum tragischen Helden macht das Westerhoff dennoch nicht.

Besser zum Thema passte Wagners „Rienzi“. Allerdings hätte Hotz ruhig ein wenig mehr Mut zur Pointe, zur Überzeichnung wagen können – wie es Andris Nelsons mit dem Concertgebouw Orchestra vor zwei Jahren beim Bremer Musikfest vorexerziert hat. Der hat das Marschgeklingel in der Ouvertüre zu Hitlers Lieblingsoper zur derb-ironischen Karikatur verzerrt.

Bei Beethoven allerdings scheint Hotz nahezu unfehlbar zu sein. In der Schauspielmusik zum Trauerspiel „Egmont“ von Johann Wolfgang von Goethe stimmen Klanglichkeit, Zugriff, Ausdruck, und nebenbei bemerkt: Mit der schlanken Wucht dieser Musik kommt auch die Akustik im Europasaal bestens zurecht. Denn neben allen musikalisch-kulturellen Aspekten warf der Abend ja auch die eine Frage auf: Was kann der Europasaal nach der Renovierung der Osnabrückhalle ? Nun: Beethoven steht ihm nach wie vor, Wagner’sches Getümmel führt ihn an seine Grenzen – nach wie vor.

Von Beethovens „Egmont“ nun schafft es selten mehr aufs Programm als die Ouvertüre. Hotz’ großes Verdienst ist es daher, deutlich zu machen, wie schade das ist. Guido Gallmann, Ensemblemitglied am Theater Bremen, skizzierte als Sprecher Goethes Drama in groben Zügen, Marie-Christine Haase sang zwei jugendfrisch verliebte Lieder Clärchens, Hotz dirigiert die neun Teile plus der berühmten Ouvertüre auswendig und präzise. Pausen füllt er mit Spannung, das hellwache Orchester spielt präzise, der Dirigent formt einen schlanken und dennoch impulsiven Klang, lässt den Orchestersolisten Raum, sich zu entfalten. Dabei wirft sich auch Beethoven mitunter in die Feldherren-Brust – aber Hotz sorgt dafür, den „Egmont“ musikalisch im Sinne Goethes zu charakterisieren: als sympathischer Herrscher, der zum Opfer politischer Ränke wird. Ein tragischer Held eben.


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