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Der Weinpunk

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Stuart Pigott schreibt und spricht über Wein. Und zwar wie andere über Filme oder Musik. Damit erreicht er ein breites Publikum, wie ein Abend mit ihm im Café Spitzboden zeigte.

Der Jahrgang ist schon ungewöhnlich genug: Aus dem Jahr 2548 stammt der Colombard. Zurück in die Zukunft? Noch ungewöhnlicher, wahrlich exotisch aber ist die Herkunft des fruchtigen Weißweins. Er stammt nämlich aus Thailand. Womit sich auch die Jahreszahl erklärt - wir befinden uns in buddhistischer Zeitrechnung.

Eine "multimediale Show" mit Bildern, Musik, Wort und - natürlich - Wein erleben die Gäste im Café Spitzboden. Und der Showmaster heißt Stuart Pigott, der wohl bunteste Vogel, den die Weinkritikerzunft derzeit kennt. Darauf deutet schon sein Äußeres hin: Das schlabbrig geschnittene Sakko in schrillem Gelb, die dunkle Hose, beides, Pigott ist Brite, kariert, sowie die knallrote Krawatte zum schwarzen Hemd.

Pigott hält nichts von vergeistigter Weinkritiker-Poesie; er spricht mit seinem britischen Akzent nicht von Beeren- und Kräuteraromen, sondern dass "alle mit ihrem Geschmack Recht haben": So lautet das Pigott'sche Gesetz des Weines. Und so wird schlicht per Handzeichen abgestimmt: Welcher Wein hat Ihnen besser geschmeckt? Der Colombard aus Thailand unterliegt knapp dem 2005er Sauvignon Blanc aus Indien.

Von Indien geht es nach Neuseeland, an die Nahe, in die Pfalz, schließlich nach Kalifornien. Doch auch in klassischen Anbaugebieten sucht Pigott das exotische, überraschende Erlebnis. Also bietet er einen Portugieser namens "Höhenflug Cuvée" zur Verkostung an - der Name bezieht sich auf den Flugplatz neben dem Weinberg.

Es sind die "Jungen Wilden", die Pigott interessieren und für die er sein Publikum mit mit seinem rasanten Wortwitz begeistert. Denn auch Pigott ist so ein Wilder: "Das ist Punkrock", sagt er und meint damit den deutschen Winzernachwuchs, der, jawohl: Portwein anbaut. Der seinen Wein "Deep Blue" nennt und sich unter Namen wie "Pfalz hoch drei" oder "Message in a Bottle" zusammenschließt. Hier findet der Weinpunk Pigott seine Brüder und Schwestern im Geiste, die Protagonisten seines Buches "Wilder Wein", für das er wirbt und dabei das britische Understatement völlig beiseite schiebt.

Doch im Gegenzug unterhält er sein Publikum mit spannenden Anekdoten aus dem unglaublichen Osten und dem Wilden Westen - und entlässt es mit einem traumhaften Zinfandel-Rotwein aus Kalifornien.


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