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Die Linie der puren Eleganz Das „kleine Schwarze“ und „No. 5“: Mettinger „Draiflessen Collection“ präsentiert den „Mythos Chanel“

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Mettingen. Sie hat das „kleine Schwarze“ kreiert, mit kragenloser Kostümjacke den Look der Dame von Welt revolutioniert und mit ihrer Kreation „No. 5“ das bis heute meistverkaufte Parfüm der Welt lanciert: Coco Chanel ist die wichtigste Modeschöpferin in der Geschichte des edlen Textils, ihr Name ein Label für Stil und Eleganz. Jetzt zeigt die Draiflessen Collection in Mettingen den „Mythos Chanel“.

Wie passt Chanel in ein westfälisches Landstädtchen unweit von Osnabrück? Die Familie Brenninkmeijer – sie besitzt über eine Holding das Textilunternehmen C&A – unterhält seit 2009 in Mettingen einen veritablen Museumsbau mit 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Der Kunstcontainer, schneeweiße, fließende Eleganz mitten in einem biederen Wohngebiet, nimmt die Vitrinen mit Kostümen, Schmuck, Handtaschen und Flakons wie ein Gefäß auf, das just für diesen Zweck geschaffen wurde. 150 Exponate gruppieren sich zum TriumphDefilee für Gabrielle „Coco“ Chanel (1883–1971).

Dabei haben sich Kuratorin Maria Spitz und Angela Völker nicht damit zufrieden gegeben, die Chanel-Klassiker zu inszenieren. Der Clou der Schau: Die auf schwarzem Läufer – eine Hommage an das „kleine Schwarze“ – gereihten Klassiker Chanels werden von späteren Schöpfungen flankiert, mit denen vor allem Karl Lagerfeld den klassischen Chanel-Look variiert und dem jeweiligen Zeitgeist angepasst hat. Doch auch wenn Lagerfeld die Stoffe seiner Kreationen, die er für das Haus Chanel ab 1983 entwarf, zum Teil mit lauter kleinen „5“-Ziffern oder mit „Coco“-Kürzeln überzog – das Original bleibt immer besser als die noch so anspielungsreiche Variation.

Dabei darf über der Klassikerin Chanel die Revolutionärin Chanel nicht übersehen werden. Was spätestens in Zeiten der Mini-Mode der Swinging Sixties zum Inbegriff konservativer Oberklassen-Gepflegtheit avancierte, reüssierte um den Ersten Weltkrieg herum als brüsker Protest gegen steife Kleiderkonvention. Wie alle großen Modekreateure räumt auch Chanel mit einem Vorgängerstil rabiat auf. Korsett, bodenlange Kleider, radgroße Hüte: Die Ausstattung der Dame der Jahrhundertwende stopft die in ärmlichen Verhältnissen in Saumur an der Loire geborene Chanel mit hartem Griff in die Plunderkiste.

Sie begradigt die Silhouette der Frau, macht ihren Körper zur schlanken und federnden Figur, gibt Arm- und Beinfreiheit. Und sie befreit die Frau aus dem Kreislauf des permanenten Kleiderwechsels. Vormittags ausgehen, nachmittags zum Tee, abends ein Empfang – als Coco Chanel junge Frau war, hatte sich eine Dame zu all diesen und mehr Gelegenheiten mit neuer Garderobe zu präsentieren. Das Umkleidezimmer war ein viel frequentierter Raum. Die Chanel-Klassiker garantieren gepflegte Eleganz den ganzen Tag und bei jeder Gelegenheit und entkrampfen so das Leben der modernen Frau.

Diese Eleganz hat bis heute gehalten. Die qualitätvollen Exponate aus Sammlungen in Den Haag, Hamburg und weiteren Orten wirken auch nach Jahrzehnten noch frisch und unverbraucht in Sitz und Silhouette. Was meist übersehen wird: Chanel bereitete ihren Kundinnen vor allem mit kleinen Kniffen das perfekte Modegefühl. Beste Passgenauigkeit im Ärmelansatz, Blusen und Jackenfutter aus der gleichen Seide: Mit Liebe zum perfekt gearbeiteten Detail machte Chanel ihre Kostüme zum puren Tragegenuss.

Das wussten gerade Prominente schon immer sehr zu schätzen. Die Ausstellung präsentiert Hüte und Kostüme aus dem Besitz von Marlene Dietrich sowie ein Kostümmodell, in dem sich schon Romy Schneider perfekt angezogen fühlte. Zurückhaltend war Chanel übrigens nur bei ihrer Bekleidung. Parallel zu Kostümen und Kleidern kreierte sie üppig dekorierten Modeschmuck aus vergoldetem Metall und Strass. Das „kleine Schwarze“ als Bühne für byzantinisch verschlungene Ketten und Colliers – auch das ist eine Chanel-Idee. Ob knapp und klar oder prall und prächtig: „Coco“ steht bis heute für eines der stärksten Mode-Statements.

Mettingen, Draiflessen Collection, Georgstr. 18: Mythos Chanel. Bis 7. Juli. Mo, Mi, Fr, So, 11–17 Uhr, Do, 11–21 Uhr. Besuch nach Anmeldung 05452/9168-3500 (Mo–Fr, 10–12 Uhr). www.draiflessen.com


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