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Maler trifft "Kunsttechniker"

Ein Osnabrücker und ein Oldenburger Künstler treffen zurzeit im Kunst-Quartier an der Bierstraße aufeinander, um ihre enorm unterschiedlichen Werke zu zeigen. Ludwig Burandt betreibt nichtgegenständliche Malerei, derweil sein Kollege Ludwig Olsen aus Oldenburg Objekte aus Stahl, Holz und Sandstein präsentiert.

"Kontraste" - der Titel der Ausstellung macht Sinn. Gemeinsamkeiten zwischen den Exponaten sind schwerlich zu finden. Hier der Maler, der mit seinen gestischen Farbexperimenten Aufsehen erregt, dort der Handwerker, der mit seinen Materialerforschungen verblüffende Ergebnisse erzielt.

Hier die zweidimensionalen Bilder, die ihre Räume durch Farbkomposition entwickeln, dort die ausladenden Objekte, die ihre ästhetische Wirkung im Raum gar nicht verfehlen können. Die Gemeinsamkeit zwischen den Künstlern ist formal: Beide sind Mitglieder des Bundes Bildender Künstler (BBK), dessen Bezirksverband Osnabrück das Kunst-Quartier an der Bierstraße betreibt.

Zur Zielsetzung des Ausstellungsraumes gehört es, die Begegnung zwischen Künstlern aus der Region sowie Kollegen von außerhalb zu fördern. Warum also nicht mal den Dialog zwischen zwei Kunstschaffenden herstellen, die sich inhaltlich und technisch offenbar nichts zu sagen haben? Beim Betreten des Raumes ziehen erstaunlicherweise nicht sofort die großen Objekte Olsens die Aufmerksamkeit auf sich. Nein, es sind die großformatigen Bilder Burandts, die mit ihren strahlenden Farben das Auge reizen. Leuchtende Rot- und Gelb-Töne lässt er beispielsweise in dem Werk "Zwischenräume" aufeinanderprallen. Die explosive Komposition wird durch schwarze und weiße Flächen sowie netzartige Linien begrenzt und strukturiert. In anderen Bildern kombiniert er weitere Farbtöne wie Grün und Blau oder Magenta. So wechselt er die Stimmungen und variiert das Raumgefüge. Schon die Titel weisen auf den Strukturwillen des Künstlers hin: "Gefüge", "Gewichtung" oder "Durchblicke". Durchblicke gewährt auch Michael Olsen. Er zersägt Fundstücke aus der Natur, zum Beispiel Wurzelteile oder Äste mit Auswüchsen und Wucherungen, dann fügt er die Einzelteile in ein Raster aus Stahlblech, das die ursprüngliche Form des Fundstücks aufnimmt und abwandelt. So entstehen neue Perspektiven, werden ungewohnte Aus- und Durchblicke möglich wie in seinem Werk "Kreuz". Olsen, der sich als "Kunsttechniker" bezeichnet, reizt die Herausforderung. Für seine Skulptur "Balance I" sägte er einen Schlitz in einen Fichtenstamm und dehnte das gewässerte Holz so lange, bis eine zehn Zentimeter dicke Kugelstoßkugel zwischen die Segmente passte.

Solch extreme Spannungen liebt er. Das offenbaren auch seine großen Holz-Stahl-Objekte, in denen er die Werkstoffe in aufwendigen Arbeitsschritten vereint. Industrielle Materialien und Naturstoffe gehen bei ihm eine intensive künstlerische Symbiose ein.


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