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In Reih und Glied

Menschenknäuel im Kasten: Janine Arndt (rechts), Alois Wottchel und dessen Arbeit „Condottieri“. Foto: Klaus LindemannMenschenknäuel im Kasten: Janine Arndt (rechts), Alois Wottchel und dessen Arbeit „Condottieri“. Foto: Klaus Lindemann

Nur der Erste macht, was löblich ist – er fasst sich an die eigene Nase. Schon sein Hintermann ist da weniger vornehm und greift dem Dritten munter im Gesicht herum. So geht es weiter. Ob Nase, Ohr oder der Haarschopf – die sieben tapferen, aber ansonsten ziemlich genormten Männer stehen zwar hübsch in einer durch einen Kasten vorgegebenen Reihe, verwuseln sich durch ihre wortwörtlich zu verstehenden Übergriffe in der Plastik „Condottieri“ von Alois Wottchel zu einem grotesken Menschenknäuel. Kunst in Reih und Glied, dabei aber doch auch ein bisschen chaotisch? Die aktuelle Ausstellung im Kunst-Quartier des Bundes Bildender Künstler (BBK) bietet den Reiz blanken Widerstreits. Und das reichlich.

Anders gesagt: Hier werden mit Janine Arndt und Alois Wottchel zwei Nachwuchskünstler vorgestellt, die offenbar doch nicht mehr verbindet als die Tatsache, dass sie beide ihre Ausbildung am Fachgebiet Kunst der Universität Osnabrück durchlaufen haben. Das Thema „Formationen“ bietet nur eine vage Klammer dieser Schau, deren thematischer Fokus im militärischen Sinn des Wortes zu suchen ist. Wottchel verlegt sich mit naturalistisch exakt nachgeformten Köpfen und Körpern auf das Modell der Marschkolonne, Arndt hat sich für ihre Arbeiten auf Papier und Leinwand an dem grafischen Zeichenarsenal von Schlachtplänen orientiert.

Pfeile und Kästchen, Richtungslinien und allerhand Bögen und Kreissegmente: Janine Arndt, immerhin schon mit dem Piepenbrock-Förderpreis und gerade erst in diesem Jahr mit dem Förderpreis der Englert-Stiftung ausgezeichnet, trifft mit der Beschränkung auf das grafische Arsenal der Schlachtpläne eine künstlerisch heikle Entscheidung. In der selbst gewählten Beschränkung mag stets ein Vorteil liegen, hier ist jedoch zu allererst eine eigentümliche Blutleere der gezeigten Bilder zu bemerken. Ob der auf nackten Demonstrationswert reduzierten Zeichensprache der militärischen Sphäre doch kein künstlerischer Mehrwert abzugewinnen ist? Der Verdacht drängt sich auf angesichts der Zeichnungen und Gemälde, die nur in wenigen Momenten gestalterische Freiheit gewinnen.

Auch die zwei Arbeiten des 2007 mit dem Piepenbrock-Förderpreis für Malerei bedachten Wottchel stehen im Zeichen der Reduktion. Die direkte Abbildlichkeit der Plastiken lässt kaum Spielraum zu vielfältiger Interpretation. Eine in der Gestalt der Groteske vorgetragene Kritik bestimmt die Reiterplastik – und legt deren Lesarten recht einseitig fest. Immerhin darf diese neue Ausstellung im Raum des BBK als gelungene Nachwuchsförderung verbucht werden. Ihr künstlerischer Ertrag bleibt hingegen in engen Grenzen.


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