Fünfte Auflage des Festivals „Spieltriebe“ am Theater Osnabrück sind „Total real“

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

„Spieltriebe“-Leiter: Katja Lillih Leinenweber und Hilko Eilts im Osnabrücker Theaterfoyer. Foto Jörn Martens„Spieltriebe“-Leiter: Katja Lillih Leinenweber und Hilko Eilts im Osnabrücker Theaterfoyer. Foto Jörn Martens

Osnabrück. Theater zwischen Realität und Kunstanspruch bietet das Festival „Spieltriebe“ des Osnabrücker Theaters. Im September geht geht es zum fünften Mal über gewöhnliche und nicht so gewöhnliche Bühnen der Stadt. Damit hat sich das Theater längst überregionales Renomee erworben.

Osnabrück. „Total real“ heißt das Thema des diesjährigen Festivals „Spieltriebe“ am Osnabrücker Theater. Es sind die zweiten „Spieltriebe“ in der Intendanz Ralf Waldschmidts, und alle vier Sparten haben sich wieder einen „inhaltlichen Kristallisationspunkt“ gesetzt, wie Waldschmidt bei der Vorstellung des Uraufführungsreigens vom 6. bis 8. September erläuterte.

Nach „Entsichert“ zum Thema Krieg und Frieden (2011) widmet sich „Total real“ nun dem aktuellen Trend, Realität auf die Bühne zu bringen mit ihrem Formenreichtum aus Dokumentation, Recherche oder Bürgerchören, wie „Spieltriebe“-Leiter und Schauspiel-Dramaturg Hilko Eilts ausführte. Doch auch Oppositionshaltungen zu diesem Realitätstrend wird Rechnung getragen: Das Festival will sich auf Theater als Kunstform mit eigener Autorenschaft zurückbesinnen. Als dritter Aspekt soll das „total Reale“ hinter der Bühne mitreflektiert werden: Wie wirkt sich die wirtschaftliche Situation auf die künstlerische Produktion aus?

Wie schon in der Ära von Waldschmidts Vorgänger Holger Schultze starten fünf Routen im Theater am Domhof mit der Uraufführung von „Das Leben der Insekten“, der Adaption des Romans von Viktor Pelewin, einer Metapher für den Turbokapitalismus. Auf das Gelände des Logistik-Unternehmens Hellmann führen gleich zwei Routen. Mit „Real Life“ des Jugendclubs Mania dem Tanztheater „Morphings“, dem Live-Hörspiel „Club d’Europe“ und „Die Kunden werden unruhig“ von Johannes Schrettle, der gallebitter moderne Unternehmenskultur untersucht.

Route drei führt nach Sutthausen, in die Galerie Trieb, wo sich Kunstort und die Künstler-Performance des Stückes „Sam“ befruchten sollen. Und in die Melanchthon-Kirche, für die ein Stück von der Berliner Universität der Künste angefertigt wird. Die vierte Route auf Gut Leye zeigt „Mensch Karnickel“, ein jugendliches Kriegsheimkehrerschicksal als Romanadaption von Rudolf Herfurtner. In der Kaserne Eversburg stellt die Musiktheaterproduktion „Somnio ergo sum“ die Frage: Sind wir real oder Teil eines großen Traums?

Die letzte „Innenstadtroute“ bietet im Emma-Theater David Gieselmanns eigens für Osnabrück geschriebene Komödie „Die Phobiker“. Und im Hochbunker in der Redlingerstraße verzahnt „Die Götterdämmerung in Wien“, ein Musiktheaterprojekt nach Alexander Kluge, NS-Geschichte und Dichtung fast untrennbar miteinander.

„Spieltriebe“ vom 6. bis 8. September. Infos: www.spieltriebe-osnabrueck.de


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN