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Stimmung muss vom Fan kommen

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Leise weint Carsten in seinen VfL-Schal. Matze stößt den Kopf an den Türrahmen des kleinen Sprecherraumes. In diesem Spiel hätte der VfL Osnabrück den Aufstieg in die zweite Liga klarmachen können. Doch der SC Verl wird seinem Ruf als Angstgegner einmal mehr gerecht: 2:1 gewinnt er im Stadion an der Bremer Brücke. Ein harter Schlag, damals am 24. Mai, für Carsten Thye, Matthias Wellbrock sowie für Sebastian Gottlöben, genannt „Stomb“. Denn die drei sorgen nicht nur als Stadionsprecher und DJ für Stimmung an der Bremer Brücke. In erster Linie sind die drei mit ganzer Seele VfL-Fans. Da ist eine Niederlage bitter, zumal in dieser entscheidenden Phase der Saison. Immerhin steht der Aufstieg auf dem Spiel.

Der ist mittlerweile geschafft. Am Samstag beginnt die neue Saison, und für den VfL heißt das: zweie Bundesliga. Für Carsten, Matze und Stomb aber heißt es: Mitfiebern und Mitzittern mit den elf unten auf dem Rasen. Und die Fans auf das Spiel vorbereiten. Lange vor Spielbeginn stehen Carsten und Matze auf dem Rasen, geben über ihre Funkmikrophone Hinweise zum Spiel, verlesen die Mannschaftsaufstellung nach einem festen Ritual: „Alexander“, rufen sie, und das Publikum antwortet „Kuschmann!“. „Guido“ – „Spork!“ „Christian“ – „Claassen!“ Das Publikum zieht mit.

Derweil steht Stomb oben in der kleinen Sprecherkabine und sortiert seine CDs. Einen kleinen Vorrat hat er dabei, „VfL-Stadionhits“ steht auf einer. Der größte Hit kommt heute allerdings nicht von der Konserve, sondern wird live von der „Schlagerpolizei“ gesungen: „Wir sind alle ein Stück VfL Osnabrück“, die Vereinshymne, tönt durchs Stadion. Etwa dreimal pro Saison spielt die Gruppe den Anheizer.

Dann drückt Stomb auf den Startknopf seines CD-Spielers und die Glocken des AC/DC-Klassikers „Hells Bells“, gefolgt von „Final Countdown“ von Europe erklingen. Der VfL Osnabrück und der SC Verl 1924 laufen ein.

Carsten und Matze haben ihren Job fürs Erste erledigt. Stomb hat die CD mit dem Torjingle eingelegt, Volker, Tonmann der „Schlagerpolizei“, räumt sein Mischpult weg. Zeit, sich ein wenig zu unterhalten? Nicht wirklich. Denn gebannt verfolgen alle in der engen, etwa drei mal drei Meter großen Kabine das Spiel. Warum sie diese Arbeit machen? Sicherlich nicht, um damit Geld zu verdienen. „Wir machen alles einfach so“, meint Stomb“, „weil wir den Verein lieben.“ Die drei opfern dem VfL den größten Teil ihrer Freizeit, sind – selbstverständlich – bei jedem Spiel, halten engen Kontakt zu Verein und Fans. „Wir sind mit Herzblut dabei“, bringt Carsten die Gefühle für den Verein auf den Punkt.

Seit halb zwölf sind sie heute schon im Stadion; seit zwölf läuft Musik für die Zuschauer, die nach und nach die Ränge füllen. Auf dem Programm steht traditionelle Rockmusik, „What ever you want“ von Status Quo zum Beispiel. „Centerfold“ von der J. Geils Band ist auf der CD „VfL-Rock-Countdown“, „The Look“ von Roxette, Stücke von The Clash und Police. Doch wenn das Spiel läuft, halten sich die drei zurück. Die beiden Sprecher geben Zwischenstände aus anderen Stadien durch, melden, wer ausgewechselt wird und wenn ein Tor fällt. Und im Idealfall spielt Stomb dann den bei „teutoradio“ produzierten Torjingle ein – dann nämlich, wenn ein Tor für den VfL Osnabrück gefallen ist.

An diesem Nachmittag ist das nur einmal der Fall. Zweimal dagegen muss Carsten vermelden, dass ein Tor für den SC Verl gefallen ist. Und bei aller Enttäuschung geschieht das mit ruhiger Stimme. Aber sollten nicht gerade jetzt die Fans animiert werden, um der Mannschaft Rückhalt zu geben? „Wie machen keine Animation“, erklärt Matze. „Die Stimmung muss vom Fan kommen, nicht vom Mikrophon.“

Deshalb gibt es nach Spielende „Never walk alone“ und ein weiteres Mal die VfL-Hymne. Partymusik ist jetzt nicht angesagt – „Man ist nicht in Feierstimmung“, sagt Stomb. An diesem Samstag geht es darum, die Verbundenheit mit dem Verein zu demonstrieren – trotz der Niederlage. Das hat sich gelohnt: Am Samstag beginnt die neue Saison. In der zweiten Liga.


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