zuletzt aktualisiert vor

Solo-Oboist mit 19 Jahren

Von

Oboist: Ramón Ortega Quero in Aktion.Oboist: Ramón Ortega Quero in Aktion.

Konzentriert und mit auffällig behutsamen Bewegungen setzt Ramón Ortega Quero die drei Teile seiner Oboe zusammen. Gleich wird er als Solist mit dem Osnabrücker Symphonieorchester proben.

Quero ist zwar erst 19 Jahre alt, hat jedoch schon alles erreicht, wovon viele Musiker nur träumen: Seit vorigem Monat ist er Solo-Oboist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks - als jüngstes Orchestermitglied überhaupt. Außerdem bekam er beim 56. ARD-Wettbewerb im vergangenen Jahr den 1. Preis zuerkannt, der in der Kategorie Oboe 40 Jahre lang nicht mehr vergeben worden war.

Auch den Publikumspreis, den Preis für die beste Interpretation der Auftragskomposition, den Sonderpreis des Münchener Kammerorchesters und eben den "Osnabrücker Musikpreis 2007" konnte er entgegennehmen. Klaus Laßsmann, Vorsitzender des Musikvereins Osnabrück und Jurymitglied für den Osnabrücker Musikpreis, hebt besonders die Bühnenpräsenz des jungen Musikers hervor.

Im Gespräch gibt sich Ramón Ortega Quero dagegen bescheiden und beinahe etwas schüchtern. "Ich wollte einfach nur gut spielen und habe überhaupt nichts erwartet", fasst Quero seine Vorbereitung auf den Wettbewerb zusammen. Am Tag vor der Finalrunde rief er seinen Vater in Granada an, der sich daraufhin ins Flugzeug setzte, um seinen Sohn zu hören.

Queros Vater ist Pianist, und auch seine Schwester studiert Klavier. "Damit wir nicht drei Pianisten in der Familie haben, habe ich Oboenunterricht bei einem Kollegen meines Vaters genommen", konstatiert Quero lakonisch.

Der Unterricht war so erfolgreich, dass Daniel Barenboim auf Quero aufmerksam wurde und den damals 15-Jährigen in sein "West-Eastern Divan Orchestra" holte. Barenboim verdanke er viel, meint Quero und spricht von ihm als den "Maestro". Über Barenboim lernte er auch Gregor Witt, Solo-Oboist in Barenboims Berliner Staatskapelle, kennen, bei dem er nach seinem Abschluss in Spanien weiter- studierte.

Für die Zukunft wünscht sich Quero, dass er neben seiner Solistenkarriere und seiner Orchestertätigkeit auch Gelegenheiten bekommt, Kammermusik zu spielen. Diesen Sommer ist er noch einmal mit dem "West-Eastern Divan Orchestra" auf Tour, wobei zu seiner Freude die kammermusikalisch angelegte "Sinfonia Concertante" von Joseph Haydn auf dem Programm steht.

Auch privat, etwa während seiner vielen Zugreisen, höre er gerne klassische Musik und am liebsten Barock-Kompositionen. Das Reisen mag er eigentlich nicht so gerne und findet es "ermüdend".

Auch die sich ständig wiederholende Klingelmelodie des Telefons im Büro von GMD Bäumer entlockt ihm ein gequältes Grinsen. "Die Melodie ist so simpel", kommentiert er und verdreht die Augen. Alles andere als simpel ist dagegen das Oboenkonzert des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinu, mit dem Quero im 4. Sinfoniekonzert am Sonntag (10.2., 11 Uhr) und Montag (11.2., 20 Uhr) in der Stadthalle zu hören ist.

Im Dezember spielte er das anspruchsvolle Werk, das den Tonumfang der Oboe voll ausreizt, zum ersten Mal, und zwar mit dem Konzerthausorchester Berlin. Neben Martinus Oboenkonzert erklingen die 4. Sinfonie von Josef Bohuslav Foerster und die Ouvertüre zu "Coriolan" von Ludwig van Beethoven. Die Gesamtleitung hat GMD Hermann Bäumer.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN