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"Arte Regionale "-Projekte (1): Kunst-Quartier Saga der Großstadt

Mag die ganze Ausstellung "Regionale" heißen - hier und da gönnt sie sich dennoch ihr Metropolenflair. Zum Beispiel im "Kunst-Quartier" an der Bierstraße, wo vier Fotokünstler vom trendigen Leben in der Hauptstadt erzählen. Die kleine Ausstellung, eines von zehn externen Projekten der "Arte Regionale", bringt mit Sebastian Gehnen den "Newcomer" der Arte Regionale mit der Münsteraner Fotografin Jutta Engelage zusammen, setzt den Berliner Tobias Buddensieg mit dem Osnabrücker Friedel Kantaut in Beziehung, der aber auch sein Quartier längst dauerhaft am Prenzlauer Berg aufgeschlagen hat.

Dabei verlassen sich die Künstler wenig auf das einzelne Bild, sondern fügen ihre Fotos - ganz im Trend - zu Serien, mit denen sich die Fotostrecke unversehens zur Mini-Geschichte verwandelt. Jutta Engelage setzt dieses Prinzip am deutlichsten um, indem sie mit "U-Bahn Friedrichstraße" ein permanentes Gleiten der Bildmotive inszeniert und so in der Flüchtigkeit des Kommens und Gehens der Menschen an Verkehrsknotenpunkten die Signatur der Großstadt entdeckt.

Budensieg schlägt den entgegengesetzten Weg ein. Porträts von Freunden fügt er zur kleinen Typologie des Metropolenmenschen, der in dieser Sicht vor allem eines ist - kreativ tätig und bürgerlich saturiert. Schräge Szenevögel gerieten ihm jedenfalls nicht vor den Sucher. Dagegen setzt Friedel Kantaut das aus disparaten Motiven komponierte Großfoto als Saga der Einsamkeit. Wie verloren wirkende Gesichter, dazu vage Szenen aus S-Bahn-Höfen und verrätselte Textfragmente verschwimmen zu einem imaginären Irgendwo - melancholische Grundstimmung inklusive.

Gegen so viel wabernde Selbstsuche setzt Sebastian Gehnen einen wohltuend distanzierten Blick. In der rigiden Ästhetik des Schwarzweißfotos bringt er Ansichten des Londoner Barbican-Centers ins Bild. Die Details einer geradezu barbarischen Betonarchitektur entfalten in diesen Fotos skulpturale Schönheit. Das ist nicht neu, aber dennoch gut gemacht.

Alles in allem also eine sehenswerte kleine Schau, mit der sich die Bezirksgruppe des Bundes Bildender Künstler (BBK) in das Geschehen der Arte Regionale einbringt. Der kleine Raum des "Kunst-Quartiers" empfiehlt sich damit nachdrücklich als Ort, der auch künftig für Kooperationen mit der unweit gelegenen Kunsthalle offen stehen sollte.


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