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Hosenrolle für Schweighöfer Bei „Tootsie“ fleißig abgekupfert: Filmkomödie „Rubbeldiekatz“ spielt mit Geschlechterklischees

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Osnabrück. Hosenrollen, Travestie, Geschlechterverwirrung: Offenbar ist das Thema des Rollentauschs nicht totzukriegen. Jetzt stakst Matthias Schweighöfer auf High Heels über ein Filmset. Dabei kann sich Detlev Bucks „Rubbeldiekatz“ auf alte Kinovorbilder verlassen. Schweighöfer, der den Film gestern im Ems-Center-Kino in Papenburg präsentierte, ist heute Nachmittag im Osnabrücker Cinema-Arthouse zu Gast.

Die Welt will getäuscht werden, vor allem im Showgeschäft. Das denkt sich auch Jürgen Honk (Detlev Buck). Als Agent seines Bruders Alexander (Matthias Schweighöfer) verlangt er ihm viel ab. Um ihn in einer Hollywood-Produktion unterzubringen, modelt er den Theaterschauspieler einfach um. Er lässt ihn die Beinhaare rasieren, Rock und Bluse anziehen und falsche Brüste anlegen. Mit Erfolg.

Nach einem Casting in Babelsberg darf „Alexandra“ in einem Film über die Nazi-Zeit mitspielen – als herb-blondes BDM-Fräulein. Dumm nur, dass Alexander sich bei den Dreharbeiten in Sarah Voss (Alexandra Maria Lara), den Star des Films, verliebt. Eine verzwickte Situation: Wie soll er ihr, als Frau verkleidet, seine Gefühle offenbaren?

Nicht nur der Dustin-Hoffman-Film „Tootsie“ (1982) lässt hier grüßen. Auch „Manche mögen’s heiß“ (1959), „Fanfaren der Liebe“ (1951) oder „Das Mädchen deiner Träume“ (1998) dienten offenbar als Inspiration für das Drehbuch von Anika Decker („Keinohrhasen“, „Zweiohrküken“). Wobei „Rubbeldiekatz“ auch sonst an alte Traditionen anknüpft. So verweist bereits die Tatsache, dass Alexander zu Beginn des Films am Theater in der Travestieklamotte „Charleys Tante“ (1956 mit Heinz Rühmann, 1961 mit Peter Alexander verfilmt) auftritt, auf „Papas Kino“, jenes noch immer populäre deutsche Unterhaltungskino der Nachkriegszeit, das gerade zu Weihnachten das TV-Programm bestimmt. Das spiegelt sich auch in der Inszenierung wider. „Rubbeldiekatz“ ist in seiner altmodischen Art diesem Kino verwandter als jenem Hollywood mit seinem Produktionsapparat, das hier parodiert wird.

Wobei „die Amis“ hier klischeehaft als kulturlos dargestellt werden. Eine unnötige Travestie, die umso ärgerlicher wirkt, wenn man bedenkt, wie hemmungslos gerade „Rubbeldiekatz“ den Hollywood-Film „Tootsie“ kopiert. Doch trotz allen Ideenraubs und der naiven Vorstellungen vom Filmgeschäft bietet „Rubbeldiekatz“ auch beschauliche Unterhaltung als Boulevardkomödie.

Zumal Detlev Buck als Regisseur nicht nur seinen (passend androgynen) Star Matthias Schweighöfer zu inszenieren, sondern auch in den Nebenrollen Glanzlichter zu setzen weiß, allen voran bei Denis Moschitto und Maximilian Brückner als ebenso macho- wie tölpelhaften Brüdern Alexanders/Alexandras. Alter Wein in neuen Schläuchen bleibt es trotzdem. Aber der muss ja auch beileibe nicht schlecht sein. Resultat: ein Film, der zwar nicht rockt, aber immerhin gemütlich schunkelt.

„Rubbeldiekatz“. D 2011. R: Detlev Buck. D: Matthias Schweighöfer, Alexandra Maria Lara, Detlev Buck. 113 Min. FSK ab 12.


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